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2018-03-06

ANNA VON HAUSSWOLFF + NEBULOSA live im Kampnagel, Hamburg (05.03.2018)

Anna von Hausswolff


Zunächst einmal möchte ich mich herzlich bei der Sparkasse bedanken, die endlich erkannt hat, dass ein flächendeckendes Netz aus Filialen und Geldautomaten nicht mehr zeitgemäß ist, und die so meinen Plan, auf dem Weg nach Hamburg schnell noch bei Edeka in Itzehoe zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, also etwas zu trinken zu kaufen und Bargeld abzuheben, mächtig torpediert hat.

Neben ein paar weiteren kleinen Widrigkeiten und Dämlichkeiten meinerseits führte dies dazu, dass es noch einigermaßen knapp wurde, pünktlich zu Konzertbeginn im Kampnagel anzukommen. Merken, Stephan: Die meinen mit der Uhrzeit den Beginn und nicht den Einlass!

Im KMH, einer mir bisher noch nicht bekannten, "kleineren" Halle des Kulturzentrums (immer noch mit einer ziemlich stattlich breiten Bühne), begann der Supportact Nebulosa, dessen Identität sich noch am Nachmittag tatsächlich als ziemlich nebulös herausgestellt hatte. So fand ich in der Youtube-Suche zwar eine schwedische Band dieses Namens, musste die aber schnell wieder streichen, da es sich um eine Progrockgruppe aus den Siebziger Jahren handelte. Also hieß es, mich überraschen zu lassen.

Tatsächlich verbarg sich hinter dem Alias einer der beiden Gitarristen Anna von Hausswolffs, welcher drei lange instrumentale Solostücke spielte. Stilistisch so im Bereich Earth / Drone / Postrock / Effektnoise... ziemlich cool.

Nur die "Umbaupause" danach hätte mangels notwendigem Umbau auch gerne deutlich kürzer ausfallen dürfen.


Anna von Hausswolff

Das Warten wurde allerdings belohnt. Schon ihr Auftritt im Vorprogramm der Swans war ja eine Offenbarung gewesen. Doch heute, mit sechsköpfiger Band und ausgereiftem Studiomaterial im Rücken, stieg die schwedische Sängerin / Organistin in noch gewaltigere Höhen und Tiefen vor.

Gespielt wurde ein wenig älteres - vor allem der Brocken "Come Wander With Me / Deliverance" von "The Miraculous" -, jedoch in erster Linie alle fünf Stücke des neuen Albums "Dead Magic". (Review demnächst.)
Und von wegen dead! Die quicklebendige Magie kroch dem Material aus allen dröhnenden und schwelgenden Poren.

Besonders herausheben muss ich  schon länger als erste Auskopplung bekannte "The Mysterious Vanishing Of Electra", bei dem Anna (nach einem vorherigen Intermezzo an der Mundharmonika) die Orgel gegen die Akustikgitarre eintauschte and den spürbaren Einfluss der langen Tour mit Michael Gira & Co. am deutlichsten präsentierte, was sich nicht nur im Song und dem ganz klar als Hommage erkennbaren Live-Schluss festmachte, sondern auch in der zart angedeuteten Übernahme kleiner Manierismen des Swans-Strippenziehers.

Ein Höhepunkt, der über das gesamte Set hinausstrahlte war auch dieser eine (gewiss etwas an "The Host Of Seraphim" von Dead Can Dance anklingende) Gesangspart in der Mitte von "Ugly And Vengeful", der mir eine minutenlange Gänsehaut bescherte und mich quasi alle Emotionen, die es gibt, auf einmal erleben ließ. Ein Moment, wie um zu beweisen, dass Musik allmächtig ist.

Man muss natürlich erwähnen, dass die Erscheinung der extrem zierlichen Sängerin und ihre manchmal beinahe schüchternden Ansagen die Wirkung ihrer Kunst live noch ungemein verstärkt.
Hier ist der gefühlt kleinste Mensch der Welt und erzeugt - ob instrumental oder mit ihrer außerweltlichen Stimme - diese kolossale, alles umfassende Musik, die gewaltig wie die Bewegung der Kontinentalplatten und wunderschön wie ein daraus resultierender, tödlicher Vulkanausbruch ist.

Das ist schwer zu begreifen, aber sehr leicht gebannt zu bewundern.

Zur Zugabe, der majestätischen Ballade "Gösta" schneidet Anna von Hausswolff ganz langsam mit ihrem Mikrofonkabel eine Schneise durch die Mitte des Raumes. Da steht sie nun wie eine Botschafterin aus einem besseren Jenseits, von allen um sie herum um ein bis mehrere Köpfe überragt, doch ihre Stimme reicht bis in den Himmel und ihr gehört der komplette Saal.

Größer hätte sie dieses fantastische Konzert wohl kaum beenden können.





























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