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2017-10-17

BOTANIST - Collective: Setlist 2017

Ich erwähnte es ja schon im Live-Bericht von letzten Samstag: Da die Pflanzen-Weltherrschafts-Apokalyptiker Botanist aus verschiedenen Gründen auf ihrer aktuellen Tour kein Material ihres neuesten Albums "Collective: The Shape Of He To Come" (Review demnächst) spielen konnten, hatten sie als Ausgleich diese Kassette dabei.

(Da ich derzeit gar kein Tapedeck in Benutzung habe, ist der Tonträger für mich hier allerdings eher Dekoobjekt, und ich höre stattdessen den beiliegenden Download.)




BOTANIST - Collective: Setlist 2017 (Tape/download) (2017)


Der Titel "Collective: Setlist 2017" ist ja schon beinahe selbsterklärend.

Es handelt sich hier ganz einfach um die Songs, wie sie in dieser Reihenfolge auch auf der Europatour gespielt wurden.
Das vorangestellte "Collective" verrät, dass es sich nicht wie bei den römisch nummerierten Alben um Soloaufnahmen von Mastermind Otrebor handelt, sondern um Aufnahmen als komplette Band.

Otrebor (auf vorigen Touren noch Gesang/Harmonium) bedient hier also wie live den Dulcimer, und auch die anderen drei Musiker entsprechen genau der Besetzung auf den Konzerten, also Cynoxylon Gesang und Harmonium, Toorpand Bass und Daturus Schlagzeug.

Die Setlist ist ein Best-Of mit Stücken von "VI: Flora", den EPs "Hammer Of Botany", "Green Metal" und weiteren älteren Veröffentlichungen:

  1. Stargazer
  2. Helleborus Niger
  3. Clyrrhiza
  4. Callistemon
  5. The Spear Of Aechmea
  6. Dionae Muscipuli
  7. To Amass An Army
  8. Gorechid
  9. Invoke The Throne Of Veltheimia
  10. Stachy Olypica
  11. Dracula Vampira
  12. Wisteria
  13. Erythronium
  14. A Rose From The Dead

Dadurch, dass es sich um Neueinspielungen handelt, hat die Veröffentlichung auch einen Mehrwert, wenn man das Material schon kennt. So ist der Gesang z.B. deutlich hörbarer im Mix als bei den bekannten Versionen. Überhaupt hat die ganze Produktion Albumqualität.

Sowohl Fans als auch Neueinsteiger in die Welt des sphärischen Dulcimer-statt-Gitarren-Black Metals machen mit diesem Tape nichts verkehrt. 


Highlights: Dracula Vampira, To Amass An Army, A Rose From The Dead, Callistemon, Stargazer




2017-10-16

#LBS 41|52 - spider web


Sorry, it's already Monday! As if anyone would care... Took this yesterday in the morning. And as so often: no interesting story whatsoever behind it.



2017-10-15

JUST A LITTLE BIT DANGEROUS Fest XI • 14. Oktober 2017 (mit BOTANIST, GHOSTS OF DAWN u.a.)

Botanist


Ja, ich habe mich tatsächlich gestern auf ein Punkfestival in Kiel verirrt. Und das kam so...

Nein, keine komplizierte Geschichte. Ich wollte eigentlich Botanist in der Alten Meierei sehen, aber das Konzert wurde aus Krankheitsgründen (eines Organisators nehme ich an) abgesagt und so wurden die amerikanischen Grün/Black Metaller noch mit auf das Billing des Just A Little Bit Dangerous Fests im Hansa48 geschoben.




Ghosts Of Dawn

Also sah ich zunächst einmal Ghosts Of Dawn.

Die Rhythmussektion war lässig, überhaupt fand ich einige Build-Ups richtig cool. Es gab aber auch die zu einfachen, zu oft wiederholten Refrains, die schon ein bisschen nervten.
Überwiegend war die Mischung aus Dark Wave, Gothic Rock und Punk aber gut gemacht. Glaube ich zumindest. Ich muss mir da ja ein bisschen vorstellen, mehr in diesen Genres zu Hause zu sein.

Fazit: Respektabel, aber überwiegend halt stilistisch nicht so meine Baustelle.






Billy Liar


Danach wurde der relativ übersichtliche Konzertsaal erst einmal für den Umbau geschlossen, während die Besucher draußen und in den Vorräumen herumlungerten. Gegenüber der Bar, dort wo zumindest Headliner Joe McMahon und Botanist schon ihr Merchandising ausgebreitet hatten, lungerte für eine Weile auch der englische Punk-Liedermacher Billy Liar herum und sang uns ein paar launige kleine Liedchen, gegen die absolut nichts einzuwenden war.

Würde ich mir jetzt nicht kaufen, aber passte in diesem Rahmen gut.


Nun hieß es noch eine ganze Weile zu warten und zu schnacken, ehe schließlich - schon eine Stunde hinterm Zeitplan - der Saal wieder geöffnet wurde und uns Vogelzwitschern in der Dunkelheit erwartete.




Botanist


Botanist waren auf dieser heute endenden Europatour ohnehin schon unter merkwürdigen Vorzeichen unterwegs, hatten sie doch ein neues Album im Gepäck, von dem sie aufgrund anderer Bandbesetzung und eines Mitglieds, das nicht mitkommen konnte, gar keine Stücke spielen konnten. Im Vergleich zur letzten Tour bedeutete, dies, dass Mastermind Otrebor diesmal nicht sang, sondern einen Dulcimer bediente. Ein zweiter Hackbrettspieler war leider nicht dabei, so der Klang nicht ganz so überweltlich schweben sollte.

Speziell heute fehlte dem neuen Sänger, der seinen Job übrigens ausgezeichnet machte (zählt man plötzliche brutale Stürze von der Bühne mal nicht mit), leider auch noch das Harmonium. Die Band musste nämlich aufgrund eines defekten Tourbusses aus Hamburg abgeholt werden und konnte nur einen Teil ihres Gepäcks mitnehmen. Deswegen konnte ich leider auch später nicht das Tourende-Tonträger/T-Shirt-Sonderangebot nutzen. Meine Größe hatten sie nämlich leider zurückgelassen.

Es war also ein eingeschränkter Auftritt am Ende eines sicherlich stressigen Tages.

Doch der Sound des Quartetts (Drums, Bass, Gesang, Dulcimer) schien davon komplett unbeeindruckt. Was dem eigenwilligen Post Black Metal an mystischer Klangfülle fehlte, machte vor allem der Drummer mit seiner Lichtgeschwindigkeitspräzision wett. Überhaupt war der Klang des Drumkits - und darüber hinaus der komplette Sound der Kalifornier - erste Sahne. So differenziert hört man solch grundrauschennahes Geboller nicht jeden Tag live.

Den Umständen zum Trotz war es also ein exzellenter Auftrit dieser einmaligen Special-Interest-Band.

Wenn ich wollte, könnte ich hier nun noch die komplette Setlist niederschreiben, denn als Ausgleich zum nicht gefeaturten neuen Album hatten Botanist ein Tape mit in der Livebesetzung einspielten Studioaufnahmen des Programms dabei. Auch mal eine nette Idee.


Port Rois


Nach meinem persönlichen Grund, hierher zu kommen, folgte die vorletzte Gruppe des Abends (bzw. nun schon eindeutig der Nacht). Ich wollte dem Indie-Pop-Punk von Port Rois ja ein paar Songs lang eine Chance geben, aber das war nun leider zu unspannend für mich.


Vom Headliner Joe McMahon erwartete ich zwar mehr, aber noch bis dahin bleiben mochte ich nun auch nicht mehr. Dann lieber ins Auto setzen, solange man noch einigermaßen wach ist.


Gelohnt hatte sich das Just A Little Bit Dangerous Fest für mich allein durch Botanist, meine Mitbringsel von ihnen und einige nette Gespräche mit anderen Konzertgängern ja schon. Außerdem mit dem Hansa48 eine feine Location (inklusive unfeiner kieler Parksituation) kennengelernt.

Dazu heute Mittag(!) eine DruturuM-Bandprobe. Mein Rock'n'Roll-Pensum fürs Wochenende ist also erfüllt. Dienstag geht's mit voller Doom-Dröhnung weiter...






2017-10-14

BIG|BRAVE - Ardor

Eine Band, die es schafft, als Vorgruppe der kosmischen Urgewalt Sunn O))) dauerhaft in Erinnerung zu bleiben (statt sofort aus dem Gedächtnis gedröhnt zu werden) hat es generell verdient, dass man ihr weitere Aufmerksamkeit schenkt.

Und wenn sich ihr Konzept auch noch auf die Formeln "Frühe Swans treffen junge Björk." oder "emotionale Singer/Songwriterin nutzt die Werkzeuge von Godflesh" herunterbrechen lässt, dann muss man eigentlich schon auf die Knie gehen, bevor man ihr neues Album auflegt.

Es sei denn, der Plattendreher steht einfach zu hoch, aber das ist hier wohl mein spezielles Problem.




BIG|BRAVE - Ardor (clear vinyl LP) (2017)

Es gibt gar nicht allzuviel, was ich zu der oben genannten Formel der Kanadier Big|Brave ergänzen kann, ohne die Beschreibung unnötig zu verkomplizieren. Der Ansatz des Trios (zwei beständig tiefdröhende Noise-Gitarren und ein minimalistischer Drummer) ist in seiner zumindest oberflächlichen Simplizität einfach schon zu komplett und perfekt.

Big|Brave live in München 2016
Deswegen hat sich an der grundsätzlichen Ausrichtung von "Ardor" im Vergleich zu den vorigen beiden Alben "Feral Verdure" und "Au De La" auch nichts geändert. Nur eine Entwicklung ist unmöglich zu übersehen: Erst acht, dann fünf, nun drei. Es werden immer weniger Tracks pro Album. dafür wachsen die durchschnittliche Songlänge, sowie Intensität und kompositorische Finesse.

Auf den ersten Blick erscheinen alle drei Stücke (Nummer zwei wird auf der LP an passender Stelle geteilt) als langsame, auf simpelsten Ideen aufgebaute Brocken. Und falsch ist dieser Eindruck auch nicht. Welche Detailfülle und besonders im Fall von "Lull" auch Feinfühligkeit unter diesem Mantel zum Vorschein kommt, ist allerdings höchst bemerkenswert.

Auch die genau im richtigen Maß eingebundenen und das große Gefühl der Verlorenheit noch unterstreichenden Streicher darf ich nicht unerwähnt lassen.



Man könnte die Qualität dieses Albums vielleicht an ein oder zwei besonderen Merkmalen der Band festmachen. Der helle, charismatische Gesang Robin Watties spielt über dem schweren, tiefen Drone Rock - niemand kann mir erzählen, dass sie Sunn O))) für diesen Gitarrensound nicht auf Tour fleißig über die Schulter geschaut haben - unzweifelhaft eine Hauptrolle.
(Und ja, wer mit der markant spitzen Stimme Watties nichts anfangen kann, der wird am kompletten Album gnadenlos scheitern.)

Letztendlich lebt "Ardor" aber nicht von einem bestimmten Element oder Gimmick, sondern davon, dass hier eine Band eine ganz klare, eigenständige und sich zielsicher weiterentwickelnde Vision in sich trägt. Und deren Umsetzung klingt absolut grandios.
 

Um abschließend noch zumindest eine moderne Referenz ins Spiel zu bringen, sage ich mal, dass jeder, der ähnlich wie ich auf die Gnod / Radar Men From The Moon-Kooperation Temple Ov BBV abfährt und Bock auf eine im Sound reduzierte Version dieser Stimmung hat, hier eigentlich blind zuschlagen sollte.


Einmal nach Tilburg zum Roadburn Festival einladen, bitte!





Highlights: Borer, Lull



2017-10-11

CHELSEA WOLFE - Hiss Spun

Es sind Ätherische-Düsterdamen-Wochen in meiner Musikrotation. Neben Dauerbrennern wie Subrosa, Sinistro und Lotus Thief tragen u.a. kürzlich gekaufte Alben von Emma Ruth Rundle und den leider aufgelösten Undersmile / Coma Wall dazu bei, ebenso wie die kürzlich hier rezensierten neuen Veröffentlichungen von Zola Jesus und Myrkur.

Auf dem Album der Dänin ist ja auch die amtierende Königin der Gothic/Doom-Singer/Songwriterinnen für zwei Duette zu Gast, Chelsea Wolfe, die sich hier nun mit einem Dutzend eigener Songs zurückmeldet.
Wo sortiert sich "Hiss Spun", das Nachfolgewerk des Monolithen "Abyss" in all diesem schwarzen Schallgeschwebe ein?


CHELSEA WOLFE - Hiss Spun (CD) (2017)

Haken wir zunächst mal die Äußerlichkeiten ab: Das Cover ist in seiner scheinbaren Simplizität schon ziemlich spooky, rätselhaft, toll. Und es schreit nach LP-Format. Mehr noch gilt dies für das Innencover mit seinen Polaroid-Schnappschüssen. Aber Sargent House-Platten müssen ja immer so scheiße teuer sein. Ok, da ist das Label nicht allein, aber irgendwo muss ich ja mal sparen.

Die erste musikalische Erkenntnis folgt nur unwesentlich später nach dem Einschieben der CD mit dem Hauptriff des Openers "Spun": Chelsea Wolfe bleibt weiterhin von der vor allem live gut reindrückenden Heaviness angefixt. "Hiss Spun" ist ihr Doom/Sludge Metal-Album.

Diese Kategorisierung ist natürlich eine grobe Vereinfachung, denn stilistische Festlegung war noch nie Wolfes Sache. "Hiss Spun" ist demnach etwa in dem Anteil Doom Metal wie Myrkurs "Mareridt" Black Metal ist.

Schwere, böse Riffs und ungewohnt exzessive Leadgitarren, für die vor allem der kongeniale musikalische Dauerpartner Ben Chisholm, sowie in einigen Stücken Queens Of The Stone Age-Sechsaiter Troy van Leeuwen verantwortlich sind, bestimmen den ersten Eindruck, und recht früh im Album steuert Aaron Turner (Old Man Gloom / Ex-Isis) zudem ein paar garstige Death Metal-Brüllereien bei.

Doch der Anschein, dass der Wille nach noch mehr Schwere und mehr Metal der Hauptantrieb beim Songwriting war, ist wohl dennoch eine Fehleinschätzung.
Nein, bei einer solchen Zielsetzung wäre wohl auch ein Misserfolg zu vermelden, denn so unbequem und alptraumhaft wie "Abyss" ist "Hiss Spun" nicht.

Chelsea Wolfe live auf dem Roadburn Festival 2017
Dafür ist das neue Werk vielleicht sogar etwas packender, allerdings auf eine andere Art. Der Schlüssel - den Chelsea Wolfe aktuell auch in beinahe jedem Interview betont -, ist ihre Wiedervereinigung mit Drummerin Jess Gowrie, mit der sie vor ihrer Sololaufbahn schon einmal in einer Band zusammengespielt hatte. Egal ob bei den riffbetonten Stücken oder den Songs bzw. Passagen, die eher an vergangene folkloristische oder elektronisch geprägte Phasen angelehnt sind; das Schlagzeug ist hier ein bestimmendes Element wie nie zuvor. Die Chemie zwischen Wolfe, Gowrie und Chisholm bestimmt den Fluss und die Energie des gesamten Albums.

Und klar, man darf den Kern jeder Chelsea Wolfe-Veröffentlichung selbstverständlich nicht unterschlagen: Ihre Stimme - geisterhaft, intim und weit entfernt, schmerzvoll schwebend, verstörend, betörend - ist nach wie vor unnachahmlich und natürlich weiterhin der Hauptgrund, warum die Dame rechtmäßig unser aller Gebieterin der Dunkelheit ist.
Vom zerbrechlichen Timbre von "Twin Fawn" zur sich überschlagenden Sirene im finalen "Scrape", hier gibt es keinen Augenblick, in dem Wolfe gesanglich nicht auf ganzer Linie überzeugt und fesselt.

Letztendlich sind ihre Alben ja alle Vehikel für diese Stimme und die Persönlichkeit und Vision dahinter. Chelsea Wolfe bleibt ihrer Tradition treu, ihre sehr persönlich Musik auf jedem Werk in einen neuen musikalischen Kontext zu stellen, ohne ihr Wesen dabei zu verraten.

Der Kontext von "Hiss Spun" ist der eines sehr organisch und kooperativ nach Band klingenden, furiosen Rock/Metal-Albums - auf dem sich paradoxerweise einige ihrer persönlichsten Texte finden.


Unter den zwölf Tracks von "Hiss Spun" sind vielleicht zwei, drei Stücke die ein bisschen abfallen (mit "Offering" und "Particle Flux" werde ich momentan nicht so ganz warm), doch in seiner Gesamtheit löst dieses Album - auch dank seiner gnadenlos guten Produktion -  ohne Mühe ein, was der Name der Künstlerin verspricht.


Und wo sortiert es sich nun ein?

Ich kann mich ehrlich gesagt nicht festlegen. Innerhalb ihrer eigenen Diskographie erscheint mir "Abyss" langfristig noch als das eigenwilligere und prägendere Werk. Dass "Hiss Spun" in meiner Gunst aber an "Apokalypsis" und/oder "Pain Is Beauty" vorbeiziehen könnte, mag ich nicht ausschließen. Schwer zu sagen, das ist ja alles so verdammt göttlich.

Und gegenüber anderem aktuellen Dark-Rock-Künstlerinnen?

Ich schätze mal - SPOILER ALERT! -, Chelsea und Myrkur werden in meinen Jahresendcharts ähnlich dicht aneinander liegen wie die Veröffentlichung ihrer Alben. Und beide werden sich in dieser Spezialwertung wohl (nur?) Dool geschlagen geben müssen. Anders gesagt: unbedingt reinhören!






Highlights: Twin Fawn, The Culling, Vex, 16 Psyche, Static Hum, Two Spirit

2017-10-08

2017-10-03

MYRKUR - Mareridt

Fünfzehnjährige Black-Metal-Elitisten mit irrationaler Angst vor Frauen, ihr müsst jetzt ganz stark sein! Die böse (oder gute... was ist schlimmer für euch?) Amalie Bruun hat wieder zugeschlagen.

Und das neue Album der dänischen Sängerin und Multiinstrumentalistin als ambitioniert zu bezeichnen, muss schon beinahe als Untertreibung gewertet werden. Bruun aka Myrkur will es hier wirklich wissen.




MYRKUR - Mareridt (2LP Deluxe Edition / red blood inside clear with blue splatter) (2017)

Insbesondere nach der letzten Myrkur-EP "Mausoleum" ist es natürlich keine Überraschung, dass sich die musikalische Bandbreite auf "Mareridt" gegenüber dem Vorgänger "M" noch vergrößert hat. Das bestätigt schon ein Blick auf die langen Listen in den Credits des Albums.

Da ist zum einen die Liste der Instrumente, die Bruun alleine bereits bedient, und die neben Gesang und Gitarre u.a. Klavier, Geige und die mit beiden irgendwie verwandte, skandinavische Nyckelharpa einschließt.
Die andere Liste ist die der Mitmusiker und Kollaborateure auf diesem Werk, die neben den üblichen Bass, Gitarre, Drums auch Harfe, Chor, Loops, Kontrabass und vieles mehr bedienen.

Namen, die speziell ins Auge fallen sind Dröhnspezialist und Sunn O)))-Produzent Randall Dunn, der hier auch für Aufnahme und Mix verantwortlich ist, und natürlich die von mir ebenfalls demnächst wieder rezensierte Chelsea Wolfe, mit der Bruun zwei Duette eingespielt hat, eines davon ebenso inklusive Wolfes musikalischem Partner Ben Chisholm.

Jenes gibt es allerdings nur auf der Bonus-LP zu hören, womit ich zu den Eigenheiten dieser Deluxe Edition komme:

Auf den ersten Blick fällt das alternative Coverartwork auf. Während das normale Cover, welches ein Foto von Amalie Bruun im einschnürenden Fetischgeschirr über schwarzem Kleid vor weißem Hintergrund zeigt (und mir in seiner direkten Schlichtheit durchaus gefällt) hier in abgeänderter Form auf der Innenseite des Gatefolds und einem beiliegenden Sticker gewürdigt wird, prangt vorne nun ein noch schöneres, alptraumhaftes Gemälde.

Die beiden Schallplatten (eine davon einseitig abspielbar mit fünf Bonustracks) versuchen die Farben dieses Bildes aufzugreifen, schießen dabein allerdings übers Ziel hinaus. Eine weitaus dezentere Farbgebung wäre stilsicherer gewesen. Aber was soll's, ich wollte ja die zusätzlichen Musikstücke haben.

Wie bei Relapse Records gewohnt, liegt ein Downloadcode bei.




"Mareridt" ist das dänische Wort für "Alptraum", das Album direkt von einer Zeit starker Schlafstörungen beeinflusst. Ein Konzept, welches sehr vertraut klingt, zumindest wenn man Fan von Modern-Gothic-Königin Chelsea Wolfe ist, die auf "Abyss" eine ganz ähnliche kreative Verarbeitung ihrer Erfahrungen vollzog.

Und tatsächlich rückt Myrkur hier auch mehr in Wolfes Nähe, präsentiert sich hier weniger denn je als Vertreterin eines spezifischen Musikgenres, sondern in erster Linie als Sängerin und Songwriterin, welche die Mittel unterschiedlicher Genres nutzt, um sich auszudrücken.

Zu diesen Mitteln gehören nach wie vor ursuppiger Traditionsblackmetal und märchenhaft-klerikale Passagen. Nordische Folklore spielt sogar eine noch größere Rolle als vorher, genau wie Ambient und introvertierter bis hymnischer Pop.
Damit all dies Platz findet, ist der Metalanteil zwar kleiner geworden, doch sollte ich mich für einen Stil entscheiden müssen, um "Mareridt" zu beschreiben, wäre dies immer noch Black Metal, einfach weil das Kreischgeblaste für viele Hörer sicherlich am ehesten ein Ausschlussargument sein dürfte.

Alle anderen Elemente kommen in so dunkler Form, dass man als Black Metaller schon einen gewaltigen Stock Trueness im Hintern stecken haben muss, um nicht zumindest tendentiell angesprochen zu werden.


Die Musikvideoauskopplung "Ulvinde" ist auf jeden Fall die größte Annährung an - sage ich mal ganz mutig - nightwishig pop-metallische Singalongigkeit, die sich auf "Mareridt" finden lässt. Wer also das Gefühl hat, ihm ist dieses Stück vielleicht schon etwas zu viel Chorgekitsche, der sollte trotzdem mal den Rest des Albums probehören, da dieser Song (den ich persönlich übrigens super finde) in der Hinsicht die Obergrenze darstellt.



Insgesamt passieren so viele unterschiedliche Dinge auf "Mareridt", dass man leicht ein Song-für-Song-Review schreiben könnte, ohne sich allzu oft zu wiederholen.

Nicht alle Tracks halten dabei zwar das Niveau, welches am Anfang mit dem eher als Einleitung funktionierende Titelsong, dem brutalen "Måneblôt" und dem refrainstarken Darkrocker "The Serpent" vorgelegt werden, einen besonders auffälligen Ausschlag nach unten gibt es allerdings nicht. Am ehesten könnte ich noch auf das folkloristische Instrumental "Kætteren" verzichten, weil ich von dieser Art Pseudomittelaltermusik bis auf wenige Ausnahmen eigentlich schon seit Ewigkeiten gesättigt bin. Außerdem wirkt es mit dem das reguläre Album abschließenden "Børnehjem" ein bisschen wie zwei Outros hintereinander.

Die anderen Stücken, in denen Nyckelharpa-Fideleien und ähnliches vorkommen, sind mir da weit genehmer. Gerade
"Løven", einer der alles andere als von der Resterampe stammenden Bonustracks, klingt wie eine Lehrstunde für die viel zu vielen Mittelaltermetalgruppen, wie der Scheiß wirklich geht, ohne auf die Nerven zu gehen.

Analog zu der instrumentalen Vielfalt zeigt sich auch der Gesang facettenreicher als jemals zuvor.
Myrkur hat nicht eine Krächzstimme, eine laute und eine leise Singstimme, sondern viele Varianten von all dem zu bieten.
Dass erstmals auch auf englisch gesungen wird, verstärkt den Eindruck noch. In einigen ruhigen Stücken muss ich an eine Mischung aus Lana Del Rey und den düstersten Stücken von Tori Amos denken, anderswo meine ich mir einen Einfluss vom Landsmann King Diamond einzubilden.

Ein Nebeneffekt ist, dass man ohne Briefing die beiden Gastspiele von Chelsea Wolfe durchaus überhören könnte, da sich die Lieder "Funeral" und "Kvindelil" dem Hörer beide nicht mit dem Holzhammer als Duette präsentieren, sondern eher subtil daherkommen. Und da Amalie Bruun eh schon so ein Chamäleon ist, könnte man selbst Wolfes Ausnahmestimme ihr zuordnen.




Das Fazit kann nur sein, dass Myrkur viel gewagt und letztendlich einen ganz großen Wurf gelandet hat. Die Dame ist hier, um zu bleiben! Da müssen die kleinen Hassvideos youtubenden Babypandas leise in ihre Bettlaken heulen.

Die Produktion von "Mareridt" ist - wie von Randall Dunn zu erwarten - auch über jeden Zweifel erhaben. Dieses Album wird auch ohne die aufwertenden Extrastücke dieser Edition zurecht gegen Jahresende auf vielen Best-of-2017-Listen weit oben stehen. 


Highlights: Ulvinde, Crown, Måneblôt, Kvindelil, Funeral


2017-10-01

2. LAUSCHBAR Benefiz Rock Festival • 30. September 2017, Itzehoe (mit MAJAK, KAPEISTER u.a.)

Majak

Das zweite Benefiz-Festival in der Lauschbar läuft diesmal über zwei Tage. Heute bleibe ich allerdings zu Hause, denn als untrainierter Passivraucher reicht mir ein Abend leider. Aber das Problem beschrieb ich ja schon im Februar nach dem letzten Festival dort.

Habe immer noch das Gefühl, dass mir jemand eine Kippe an die Nase hält.




Abgesehen davon habe ich auch gerade selbst mit DruturuM geprobt.

Doch nun zu gestern:



Ray van Steel


Ray van Steel waren mit ihrem Power Metal ja schon letztes Mal nicht meine Baustelle. Außer einem Besetzungswechsel am Schlagzeug kann ich hier auch keine Änderung vermelden.

Sänger Raimund wurde ich gerne in einem ruhigeren Umfeld hören, da mir seine Stimme in den wenigen sanfteren Passagen am besten gefällt. Und dieses E-Flötending klingt mir nach wie vor zu sehr nach Nintendo. In einem kauzigen Krautrockumfeld könnte mir das Instrument hingegen zusagen.

Am Ende hatte man fast den Eindruck, die Band wollte das Set mit einem klassischen Metal-Drumsolo beenden, was eigentlich eine ganz coole, seltsame Idee gewesen wäre. War fast ein bisschen schade, dass die restlichen Musiker dann doch noch auf die Bühne zurückkehrten. Naja, just my two cents. Wie gesagt war das eh nicht wirklich mein Ding.


Kapeister


Den Rage Against The Machine-Gedenk-Crossover (inkl. obligatorischem "Killing In The Name"-Cover) von Kapeister fand ich auch in der Wiederholung sehr launig.
Die über die tighten Grooves sprechgesungenen Texte liefern klare Ansagen, die gerade in Zeiten politischer Blauseuche und Hitler-Tourettes wohl auch immer mal ausgesprochen werden müssen.

Nicht so sehr zündete der Versuch, relativ früh im Set mit der Johnny Cash-Version von "Hurt" eine ruhigere Note zu setzen. Das Lied war zwar in Ordnung, in diesem Umfeld aber eine unnötige Spaßbremse. Und Spaß verbreiteten die Kapeistermeister ansonsten fett und reichlich.


Surfits



Gewaltig gute Laune herrschte danach auch bei den Surfits.

Allerdings ohne mich, denn der Tag, an dem ich mit poppigen Ska-Punk was anfangen kann, liegt noch weit in der Zukunft - kurz bevor ich Reggae so richtig geil finde vermutlich.

Habe doch lieber draußen geschnackt.



Majak


Zum Abschluss des Abends (ok, es war schon weit nach Mitternacht, aber ich hatte nicht auf die Uhrzeit geachtet) gab es mit Majak eine sehr amtliche Ladung Metal.

Hauptsächlich waren es Death und Thrash, aber durchaus auch böser Hard Rock, immer mit einer spürbaren Verwurzelung in Venom und Zeitgenossen, den die Neumünsteraner zelebrierten. Die Jungs verbinden fast ausschließlich hochtraditionelles Zeug zu einer Mischung, die tatsächlich einen eigenen Sound ergibt.

Man merkt, dass Majak wissen, was sie da tun. Das trifft vor allem auf den Gesang zu, denn man hat gleich drei starke Stimmen dabei; der Leadgitarrist / Frontmann macht einen ordentlichen David Vincent. Der Rhythmusgitarrist hat eine markant tiefkehlige Stimme, für die mir momentan so gar keine Referenz einfällt. Und der Drummer haut einfach mal so die Metalsirene aus.
Nicht übel, das Ganze. Gar nicht übel.



Insgesamt war die Trefferquote für mich beim letzten Festival höher. Aber da spielten ja auch noch mehr Bands. Und das tatsächlich langfristig erinnerungswerteste Konzert des Tages war schon die Gong-Performance, die ich direkt vorher in der Volkshochschule besucht hatte.

Allerdings war das ja auch eine vollkommen andere Geschichte.

Und ein sehr netter Abend war es auch so. Gerne wieder! Und ich hoffe mal, in einer der künftigen Ausgaben auch von der anderen Seite der Bühne dabei sein zu können.



Ray van Steel:










Kapeister:











Majak:











PETER HEEREN Gong-Konzert in der VHS Itzehoe (30.09.2017)

Symbolbild (aus der Erinnerung gezeichnet)


Gestern war ich noch bis spät in die Nacht auf dem 2. Benefiz-Festival in der Lauschbar Itzehoe, welches übrigens heute (ohne meine Anwesenheit) andauert.

Vorher allerdings bot sich die Gelegenheit, mal eine ganz andere Art Konzert aufzusuchen.

Peter Heeren, Kirchenmusiker und Komponist aus Marne spielte in einem Klassenraum der VHS Itzehoe ein Gong-Konzert. Dazu hatte er zehn Gongs zwischen schätzungsweise 60 und 120 cm Durchmesser aufgebaut, eine beachtliche Wand, welche selbst leicht um die Ecke gestellt noch die gesamte Länge des Raumes beanspruchte.

Es gab zwei Interpretationen von Fremdkompositionen mit den unfassbar kreativen Namen "Gong" und "Klangwerk" zu hören, beide wohl so um eine halbe Stunde lang.

Sehr geduldiges, langsames, dynamisches Zeug, wie man sich leicht vorstellen kann. Unzählige Schlegel und Klöppel unterschiedlicher Größe, sowie ein Geigenbogen kamen zum Einsatz und offenbarten zahlreiche Klnagfarben der Gongs. Am zweiten Stück beteiligten sich außerdem noch ein selbstgebautes Glockenspiel aus Kupfer-Heizungsrohren und ein Zufallsklaviernoten spielender Computer.

Auch wenn diese Art Musik zu jenen gehört, bei denen meinen Tinnitus mehr nervt als sonst und der Rahmen sicherlich nicht mit einem stimmungsvoll ausgeleuchteten Club mithalten kann (für Konzerte geeignete Steinzeithöhlen haben wir hier ja leider nicht), fand ich das Ganze sehr spannend.

Abgesehen von der sterilen Hochkultur-Präsentation war dieses Konzert auch in vielerlei Hinsicht durchaus vergleichbar mit Drone- und Doomjazz-Shows. Sehr stimmungsvoll und beeindruckend.

Kann mir mal jemand ein paar riesige Gongs und einen eigenen Übungsraum dafür spendieren? Bankverbindung auf Nachfrage, ansonsten gerne per Paypal.



#LBS 39|52 - autumn



From a few days ago. Today's short trousers day.

A long as autumn is warmer than those last summer weeks I don't mind.


SLOMATICS - Futurians: Live At Roadburn

I feel like the Slomatics are a little underrepresented in this blog. I've used them as a reference / comparison a couple of times, but I haven't written about any release of them. Especially their newest studio album, last year's "Future Echo Returns" deserves some loud praise. Yet I was a late buyer, so it didn't fall under my rule of mainly reviewing music which was published in the current year, so I postponed it in favor of many other texts.

But since we're here now, let me quickly honor "Future Echo Returns" by saying that it is not only one of the finest pieces of ultra fuzzy sludge doom you can find out there, but also that its last track "Into The Eternal" is nothing less than the doom metal equivalent of Queen's "In the Lap Of The Gods... revisited". Check it out, it's fucking grand!



Of course I have written one Slomatics review, because I've seen them this April at the Roadburn Festival. That paragraph was relatively brief though, so I am happy to add a sentence or two now with the upcoming release of this live record next Friday.




SLOMATICS - Futurians: Live At Roadburn (clear vinyl LP) (2017)

Damn, this soup of fuzz and distortion the Irish trio creates with their two guitars (and not even a bass guitar) is a seriously thick and murderous fucker! To maintain its overwhelming heaviness while keeping it listenable and not burying the band's character must surely be a challenge for any sound engineer.

Luckily there were some capable guys involved in this, so his live album constantly operates on the threshold to "whoa, come on, this is too much, man!" and it's brilliant.

No, you won't get the level of detail or all the sci-fi nuances from the Slomatics' studio recordings here. But what you get instead is a shitload of what made this concert so special in the first place: fun!

Slomatics live at the 013, Tilburg
I probably wouldn't count this show in my top ten performances of Roadburn 2017, but that says more about the occasion than about the band. This was still a fantastic concert without any flaws. While their music of course still is the heaviest, meanest sludge, you seldom see a band play this style with such overt joy and happiness. With the exception of the historic Zeal & Ardor performance, there was no other show with this strong communal sense of "Hey, can you believe it? We're all here at Roadburn, Baby!"

Ok, I'm biased because I was there, but I really think this carries over to the record.

And if it doesn't? Well, you still have eight tracks of phenomenal crushing amplifier and Melvins worship, featuring a drummer/singer who seems to bellow at you from the surface of Mars. Not to forget the icing on the cake: Jon Davis of Conan as guest on "March Of The 1000 Volt Ghost".

The clear vinyl looks and plays good as well, so what's not to love about this?

An excellent start for the new Live at Roadburn record season. I'm excited to see which other shows I have seen may find their way onto an album.




Highlights: Supernothing, March Of The 1000 Volt Ghost, And Yet It Moves, Running Battle