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2017-10-14

BIG|BRAVE - Ardor

Eine Band, die es schafft, als Vorgruppe der kosmischen Urgewalt Sunn O))) dauerhaft in Erinnerung zu bleiben (statt sofort aus dem Gedächtnis gedröhnt zu werden) hat es generell verdient, dass man ihr weitere Aufmerksamkeit schenkt.

Und wenn sich ihr Konzept auch noch auf die Formeln "Frühe Swans treffen junge Björk." oder "emotionale Singer/Songwriterin nutzt die Werkzeuge von Godflesh" herunterbrechen lässt, dann muss man eigentlich schon auf die Knie gehen, bevor man ihr neues Album auflegt.

Es sei denn, der Plattendreher steht einfach zu hoch, aber das ist hier wohl mein spezielles Problem.




BIG|BRAVE - Ardor (clear vinyl LP) (2017)

Es gibt gar nicht allzuviel, was ich zu der oben genannten Formel der Kanadier Big|Brave ergänzen kann, ohne die Beschreibung unnötig zu verkomplizieren. Der Ansatz des Trios (zwei beständig tiefdröhende Noise-Gitarren und ein minimalistischer Drummer) ist in seiner zumindest oberflächlichen Simplizität einfach schon zu komplett und perfekt.

Big|Brave live in München 2016
Deswegen hat sich an der grundsätzlichen Ausrichtung von "Ardor" im Vergleich zu den vorigen beiden Alben "Feral Verdure" und "Au De La" auch nichts geändert. Nur eine Entwicklung ist unmöglich zu übersehen: Erst acht, dann fünf, nun drei. Es werden immer weniger Tracks pro Album. dafür wachsen die durchschnittliche Songlänge, sowie Intensität und kompositorische Finesse.

Auf den ersten Blick erscheinen alle drei Stücke (Nummer zwei wird auf der LP an passender Stelle geteilt) als langsame, auf simpelsten Ideen aufgebaute Brocken. Und falsch ist dieser Eindruck auch nicht. Welche Detailfülle und besonders im Fall von "Lull" auch Feinfühligkeit unter diesem Mantel zum Vorschein kommt, ist allerdings höchst bemerkenswert.

Auch die genau im richtigen Maß eingebundenen und das große Gefühl der Verlorenheit noch unterstreichenden Streicher darf ich nicht unerwähnt lassen.



Man könnte die Qualität dieses Albums vielleicht an ein oder zwei besonderen Merkmalen der Band festmachen. Der helle, charismatische Gesang Robin Watties spielt über dem schweren, tiefen Drone Rock - niemand kann mir erzählen, dass sie Sunn O))) für diesen Gitarrensound nicht auf Tour fleißig über die Schulter geschaut haben - unzweifelhaft eine Hauptrolle.
(Und ja, wer mit der markant spitzen Stimme Watties nichts anfangen kann, der wird am kompletten Album gnadenlos scheitern.)

Letztendlich lebt "Ardor" aber nicht von einem bestimmten Element oder Gimmick, sondern davon, dass hier eine Band eine ganz klare, eigenständige und sich zielsicher weiterentwickelnde Vision in sich trägt. Und deren Umsetzung klingt absolut grandios.
 

Um abschließend noch zumindest eine moderne Referenz ins Spiel zu bringen, sage ich mal, dass jeder, der ähnlich wie ich auf die Gnod / Radar Men From The Moon-Kooperation Temple Ov BBV abfährt und Bock auf eine im Sound reduzierte Version dieser Stimmung hat, hier eigentlich blind zuschlagen sollte.


Einmal nach Tilburg zum Roadburn Festival einladen, bitte!





Highlights: Borer, Lull



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