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2017-03-25

CAUSA SUI - Live In Copenhagen

Es gibt ja Alben, bei denen weiß man schon spätestens unmittelbar nach dem Auspacken, dass sie unmöglich angemessen rezensierbar sind. Diese 3-LP-Box (wenn man rechtzeitig zugeschlagen hat noch mit zusätzlicher 10") gehört ganz eindeutig dazu.




CAUSA SUI - Live In Copenhagen (3LP + 10") (2017)

"Live In Copenhagen" enthält zwei Shows aus verschiedenen Locations, und zwar die Release-Konzerte der beiden letzten Alben "Euporie Tide" und "Return To Sky", zufälligerweise genau die beiden Alben auf denen sich meine Causa Sui-Kenntnis bisher beschränkte. 

Dafür, dass ich die dänischene Band demnach gar nicht so supergut kenne, ist "Live In Copenhagen" natürlich schon eine durchaus stattliche Anschaffung. Doch spätestens nachdem ich einen Promotrack gehört hatte, welcher dermaßen nach Miles Davis zu "Bitches Brew"-Zeiten klingt, dass einem nur noch der Meister selbst an der Trompete fehlt, blieb mir eigentlich gar keine andere Wahl. (Nebenbei ist auch das Coverartwork der einzelnen LPs schwer von Davis' "Live At The Fillmore" beeinflusst.)

Ok, eine günstigere Alternative gibt es schon, denn das ganze Monstrum ist ja auch als 3-CD-Set zu haben. Dieses enthält sogar zu jedem Konzert je einen Track mehr, was insgesamt zwanzig Minuten Extramusik macht. Im wie bei El Pareiso Records gewohnt beiliegenden Download sind dieses jedoch auch enthalten.
Und die Bonus-10" mit individuellem Linoleumdruck-Cover gab's natürlich nur in diesem Set.


Außerdem... man schaue sich diese prächtige Box nur einmal an:







Wie immer liegt das Gestaltungskonzept sowie die Verwendung von umweltfreundlich recyceltem Material voll auf ästhetischer Linie mit dem restlichen Labelkatalog. Der einzige Abstrich, den dies bedeutet, ist dass die Papierhüllen der LPs nicht gefüttert sind, was gerade angesichts der hervorragenden Pressqualität der Scheiben durchaus angemessen wäre.
(Eine LP-Seite war bei meinem Exemplar zwar bei Produktion oder Transport unglücklich zerkratzt worden, doch Ersatz kam prompt und die böse Rille ziert nun als Deko die Wand.)


Die drei LPs jeweils gesondert zu besprechen, ist an sich unnötig. Bedingt durch das kompaktere "Return To Sky"-Album sind die Stücke auf der ersten LP "Live At Jazzhouse April 29th 2016" im Schnitt etwas kürzer als jene auf "Live At Dragens Hule August 9th 2013), welches sich über LP zwei und drei erstreckt, doch davon abgesehen sind sowohl die tadellose Aufnahmequalität als auch die dichte Stimmung und der musikalische Exzess beider Konzerte auf gleichwertigem Niveau.

Die jeweils vorgestellten Alben werden nicht komplett gespielt, die entsprechenden Songs stehen aber klar im Mittelpunkt und werden mit anderem Material gemischt.

Bei beiden Konzerten hat das aus Jonas Munk (Gitarre), Jess Kahr (Bass), Rasmus Rasmussen (Keyboards) und Jakob Skøtt (Schlagzeug) bestehende Quartett zudem auf mehreren Stücken Verstärkung durch zwei Gastmusiker bekommen, nämlich Papir-Kumpel Nicklas Sørensen an zweiter Gitarre und - ziemlich deckungsgleich mit meinen Lieblingstracks auftauchend - Johan Riedenlow am Saxophon.


Bisher fand ich Causa Sui ja schon sehr gut, doch erst mit dieser langen, aber in keiner Minute langweiligen Livevollbedienung habe ich geschnallt, wie fucking fantastisch diese Gruppe tatsächlich ist. Die Musiker spielen fast auf gesamter Länge wie im Rausch und vernachlässigen dabei auch in der Improvisation nie das Gespür für Songwriting und Spannungsbögen.

Vor allem aber ist die Vielseitigkeit der Trumpf der Dänen. Ob diese progressiven 70s-Psychedelic Rock spielen (beim "Ju-Ju Blues" muss ich immer an die Schweden Agusa denken), Hendrix huldigen, John McLaughlin in den Kaninchenbau des Fusion Jazz folgen oder mächtig bratend fuzzen und stonerrocken, es klingt immer authentisch und im höchsten Maße gekonnt, die Übergänge von einem zum anderen sind fließend.

Es ist beinahe müßig, hier einzelne Stücke besonders hervorzuheben, denn Ausfälle gibt es unter den sechzehn Kompositionen hier beim schlechtesten Willen nicht.

Mit der eingangs erwähnten, superintensiven Miles Davis-Beschwörung, dem Doppelpack "Portixeddu / Tropic Of Capricorn", ist auf Seite D ein Punkt erreicht, an dem man glaubt, dass dies wirklich nicht mehr zu steigern ist. Doch spätestens nach dem Finale auf Seite F, in dem die Band das ganz große jazzhistorische Fass aufmacht und in voller Sechser-Besetzung John Coltranes "A Love Supreme" interpretiert, ist man eines besseren belehrt und weiß, dass es für dieses Musikfest eigentlich nur ein Wort gibt: magisch!


Von der zusätzlichen 10" nahm ich zunächst an, dass sie die ansonsten digitalen Bonustracks "Dawn Passage" und "Euporie" enthält, doch es handelt sich tatsächlich um ganz andere, exklusiv nur in diesem Paket enthaltene Aufnahmen.

Betitelt einfach mit dem Datum "28-12-16" enthält diese EP zwei frische, noch unbetitelte Liveaufnahmen. Zwei Mal acht Minuten Causa Sui work in progress. Klanglich kann das Ding mit dem Album nicht ganz mithalten, aber das ist auch nicht nötig. Man hört hier eben eine etwas gröbere, ranzigere Version der Band. Insbesondere die B-Seite ist auch ein ziemlich heavy dröhnendes Brett, dem genau dieser Sound gut steht.


Ein leckeres Sahnehäubchen auf einem ohnehin schon perfekten Psychedelickuchen.


Highlights:

"Jazz House": Eugenie, The Juice, Ju-Ju Blues
"Dragens Hule": A Love Supreme, Portixeddu / Tropic Of Capricorn, Euporie
"28-12-16": 28-12-16 B




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