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2017-03-30

THE NEAL MORSE BAND live in der Markthalle, Hamburg (29.03.2017)

"It's been a long day, but I feel I must travel..."

Was die Prog-Bromance Neal Morse / Mike Portnoy angeht, so haben sich bei mir ja allmählich mal die Superlative erschöpft. Ich habe zu Transatlantic live in Hamburg (mein erstes TA-Konzert war allerdings noch vor Zeiten dieses Blogs) und Tilburg geschrieben, zu Neal Morse solo (inklusive Transatlantic-Zugabe) und zur ersten Tour der Neal Morse Band. Dazu kommen noch ein ganzer Schub Livealben und -videos und natürlich einige Studiowerke, über die ich mich in Lobpreisungen ergangen habe.

Man kann also mittlerweile ganz zart davon ausgehen, dass ich ein Fan bin. Deswegen versuche ich einfach mal, im folgenden Text auf die üblichen Hinweise zu verzichten, dass Mr. Music Morse ein ansteckend fröhlicher Sympath ist, dass Bill Hubauer (Keyboard, Gesang, Saxophon usw.) alles kann, Shredkönig Eric Gilette aus John Petruccis Gitarre geklont wurde, Randy George die coolste Bass-Sau des Planeten und Mike Portnoy eben Mike fucking Portnoy ist.

Gestern trat die Neal Morse Band mal wieder in der Markthalle (wo auch sonst?) auf. Eine Vorband gab es nicht, bei brutto zweieinhalb Stunden Vollbeproggung war das allerdings auch nicht nötig.


The Neal Morse Band

Überraschungen waren in der Setlist natürlich keine zu erwarten, spielte die Band doch ihr gewaltiges Konzeptalbum "The Similitude Of A Dream" (von mir auf einem guten Platz 15 meiner Jahrescharts verortet) in ganzer Länge.
Das bedeutete zwei Akte zu je zwölf Songs mit einer Pause dazwischen, bei der ich tatsächlich den Countdown der Intermission von Laibach vermisste. Ist doch echt viel praktischer, wenn man sehen kann, wie viel Zeit einem noch für Flüssigkeitsaufnahme und -abgabe bleibt, ehe es weitergeht.

Portnoy, der sein Kit wieder zu einer vollen Doublebass-Maschine aufgerüstet hat, ist von der Mitte der Bühne zur Seite gerückt, um Platz für einen Bildschirm zu machen, der die Show visuell mit allerlei Filmchen unterstützte. Ansonsten gab es in Garderobe und Accessoires ein paar viktorianische Steampunk-Akzente, und Neal Morse zückte mehrmals die Taschenlampe, um sich in diversen Maskenmodellen wie Faultier oder Phantom der Oper selbst zu illuminieren.
Alles noch in dem Rahmen, dass es nicht von der Musik und den Songs ablenkt, und auch nicht ohne das eine oder andere Augenzwinkern.

Alle Highlights der Show aufzuzählen wäre müßig, zumal sie zu großen Teilen deckungsgleich mit denen des Albums sind. Ob das Harmoniefest "The Ways Of A Fool" (und überhaupt alle Rampenlichtmomente von Bill Hubauer), der himmlische Bombast des Halbzeitfinales "Breath Of Angels", die episch lange Gähn- und Streckpause in der Zeile "I have no need for... speed" im offensichtlichen Bandliebling "Sloth", ob die The Who-Hommage "I'm Running" oder das Zappa-Frickelfest "The Battle" - all dies legte live natürlich noch in seiner Wirkung zu.

Beim "Freedom Song" performte die komplette Band vorne am Bühnenrand, was eine nette Abwechslung brachte, auf vorherigen Touren mit der Ballade "Waterfall" oder dem Solo-Freakout im verwandten Gospelcountrysong "Sing It High" allerdings schon besser umgesetzt wurde. Das wäre dann auch mein einziges Suppenhaar dieses phänomenalen Progabends.


In der Zugabe gab es dann doch eine kleine Überraschung, begann diese doch mit dem Titelsong von "Momentum", der mir beim Spicken auf setlist.fm nicht über den Weg gelaufen war. Viel straighter als der von mir erwartete Exzess "Author Of Confusion", aber auch ein toller Song. Danach folgte direkt das kurze "Agenda", also das einzige Stück von "The Grand Experiment", welches auf der letzten Tour nicht gespielt worden war. Ganz zum Schluss gab es dann mit dem Opener jenes Albums, "The Call" noch das längste Stück des Abends auf die Ohren, welche übrigens von der ersten Sekunde des Konzerts an mit einem nahezu perfekten Sound verwöhnt worden waren.


Fazit: Absolut progtastisch wie erwartet! [Hier jetzt noch fünf bis zehn Superlative einfügen!]


































2017-03-25

CAUSA SUI - Live In Copenhagen

Es gibt ja Alben, bei denen weiß man schon spätestens unmittelbar nach dem Auspacken, dass sie unmöglich angemessen rezensierbar sind. Diese 3-LP-Box (wenn man rechtzeitig zugeschlagen hat noch mit zusätzlicher 10") gehört ganz eindeutig dazu.




CAUSA SUI - Live In Copenhagen (3LP + 10") (2017)

"Live In Copenhagen" enthält zwei Shows aus verschiedenen Locations, und zwar die Release-Konzerte der beiden letzten Alben "Euporie Tide" und "Return To Sky", zufälligerweise genau die beiden Alben auf denen sich meine Causa Sui-Kenntnis bisher beschränkte. 

Dafür, dass ich die dänischene Band demnach gar nicht so supergut kenne, ist "Live In Copenhagen" natürlich schon eine durchaus stattliche Anschaffung. Doch spätestens nachdem ich einen Promotrack gehört hatte, welcher dermaßen nach Miles Davis zu "Bitches Brew"-Zeiten klingt, dass einem nur noch der Meister selbst an der Trompete fehlt, blieb mir eigentlich gar keine andere Wahl. (Nebenbei ist auch das Coverartwork der einzelnen LPs schwer von Davis' "Live At The Fillmore" beeinflusst.)

Ok, eine günstigere Alternative gibt es schon, denn das ganze Monstrum ist ja auch als 3-CD-Set zu haben. Dieses enthält sogar zu jedem Konzert je einen Track mehr, was insgesamt zwanzig Minuten Extramusik macht. Im wie bei El Pareiso Records gewohnt beiliegenden Download sind dieses jedoch auch enthalten.
Und die Bonus-10" mit individuellem Linoleumdruck-Cover gab's natürlich nur in diesem Set.


Außerdem... man schaue sich diese prächtige Box nur einmal an:







Wie immer liegt das Gestaltungskonzept sowie die Verwendung von umweltfreundlich recyceltem Material voll auf ästhetischer Linie mit dem restlichen Labelkatalog. Der einzige Abstrich, den dies bedeutet, ist dass die Papierhüllen der LPs nicht gefüttert sind, was gerade angesichts der hervorragenden Pressqualität der Scheiben durchaus angemessen wäre.
(Eine LP-Seite war bei meinem Exemplar zwar bei Produktion oder Transport unglücklich zerkratzt worden, doch Ersatz kam prompt und die böse Rille ziert nun als Deko die Wand.)


Die drei LPs jeweils gesondert zu besprechen, ist an sich unnötig. Bedingt durch das kompaktere "Return To Sky"-Album sind die Stücke auf der ersten LP "Live At Jazzhouse April 29th 2016" im Schnitt etwas kürzer als jene auf "Live At Dragens Hule August 9th 2013), welches sich über LP zwei und drei erstreckt, doch davon abgesehen sind sowohl die tadellose Aufnahmequalität als auch die dichte Stimmung und der musikalische Exzess beider Konzerte auf gleichwertigem Niveau.

Die jeweils vorgestellten Alben werden nicht komplett gespielt, die entsprechenden Songs stehen aber klar im Mittelpunkt und werden mit anderem Material gemischt.

Bei beiden Konzerten hat das aus Jonas Munk (Gitarre), Jess Kahr (Bass), Rasmus Rasmussen (Keyboards) und Jakob Skøtt (Schlagzeug) bestehende Quartett zudem auf mehreren Stücken Verstärkung durch zwei Gastmusiker bekommen, nämlich Papir-Kumpel Nicklas Sørensen an zweiter Gitarre und - ziemlich deckungsgleich mit meinen Lieblingstracks auftauchend - Johan Riedenlow am Saxophon.


Bisher fand ich Causa Sui ja schon sehr gut, doch erst mit dieser langen, aber in keiner Minute langweiligen Livevollbedienung habe ich geschnallt, wie fucking fantastisch diese Gruppe tatsächlich ist. Die Musiker spielen fast auf gesamter Länge wie im Rausch und vernachlässigen dabei auch in der Improvisation nie das Gespür für Songwriting und Spannungsbögen.

Vor allem aber ist die Vielseitigkeit der Trumpf der Dänen. Ob diese progressiven 70s-Psychedelic Rock spielen (beim "Ju-Ju Blues" muss ich immer an die Schweden Agusa denken), Hendrix huldigen, John McLaughlin in den Kaninchenbau des Fusion Jazz folgen oder mächtig bratend fuzzen und stonerrocken, es klingt immer authentisch und im höchsten Maße gekonnt, die Übergänge von einem zum anderen sind fließend.

Es ist beinahe müßig, hier einzelne Stücke besonders hervorzuheben, denn Ausfälle gibt es unter den sechzehn Kompositionen hier beim schlechtesten Willen nicht.

Mit der eingangs erwähnten, superintensiven Miles Davis-Beschwörung, dem Doppelpack "Portixeddu / Tropic Of Capricorn", ist auf Seite D ein Punkt erreicht, an dem man glaubt, dass dies wirklich nicht mehr zu steigern ist. Doch spätestens nach dem Finale auf Seite F, in dem die Band das ganz große jazzhistorische Fass aufmacht und in voller Sechser-Besetzung John Coltranes "A Love Supreme" interpretiert, ist man eines besseren belehrt und weiß, dass es für dieses Musikfest eigentlich nur ein Wort gibt: magisch!


Von der zusätzlichen 10" nahm ich zunächst an, dass sie die ansonsten digitalen Bonustracks "Dawn Passage" und "Euporie" enthält, doch es handelt sich tatsächlich um ganz andere, exklusiv nur in diesem Paket enthaltene Aufnahmen.

Betitelt einfach mit dem Datum "28-12-16" enthält diese EP zwei frische, noch unbetitelte Liveaufnahmen. Zwei Mal acht Minuten Causa Sui work in progress. Klanglich kann das Ding mit dem Album nicht ganz mithalten, aber das ist auch nicht nötig. Man hört hier eben eine etwas gröbere, ranzigere Version der Band. Insbesondere die B-Seite ist auch ein ziemlich heavy dröhnendes Brett, dem genau dieser Sound gut steht.


Ein leckeres Sahnehäubchen auf einem ohnehin schon perfekten Psychedelickuchen.


Highlights:

"Jazz House": Eugenie, The Juice, Ju-Ju Blues
"Dragens Hule": A Love Supreme, Portixeddu / Tropic Of Capricorn, Euporie
"28-12-16": 28-12-16 B




2017-03-19

#LBS 11|52 - crocus season


Well, what can I do? It's that time of the year again. My Lensbaby 2.0 also did some kitschy colourful crocus close-ups, but this park picture probably represents my photography a lot better.



2017-03-18

HILLS - Alive At Roadburn

Yes, here it is! Sweden's Hills have released my officially eleventh favorite festival show of 2016 (how ridiculously specific) on record. Well, I came too late to the vinyl party - or at least I thought, as there seem to be copies there again now -, but "Alive At Roadburn" is also available on CD or as Bandcamp download.


HILLS - Alive At Roadburn (CD) (2017)

It always feels a little redundant to describe a live recording when you've already done a review of the show itself. So unsurprisingly the four tracks (each one roughly running fourteen minutes) offer just the same great eclectically shimmering  psych trips I remember from the Green Room.

The strongest trait of Hills is the light-footed, fizzing interplay between the guitars, which flows and bubbles all around your senses and is always kept in line by the confident ever-hypnotically-grooving rhythm section. Pure space rock with soft hints of laid-back blues and country as well as eastern and almost jazzy vibes.

Hills live at Roadburn 2016
The weakest thread on the other hand clearly are the vocals, but that doesn't really matter, because Hills just don't play the music which demands a grammy-worthy performance on the microphone.The additional guy in "National Drone" still annoys me a little, but he fits in slightly better than I felt in Tilburg, I even realized that some of his lines (Or all? Need to investegate this further) are in German. There seems to be a multi-langual mix going on in in all lyrics.


Pity that the concert hasn't been even longer. The band had originally intended to play six songs, but they obviously got carried away in their jams, so there was only enough time for these four. For the listening experience at home it might just by the right length though.

Overall this is a great recording of a fantastic Roadburn show. Highly recommend for all fans of free-flowing psychedelic rock!


Highlights: Master Sleeps, Frigörande Musik




EDIT 2017-03-21:

I've written this review based on the download alone, since my CD was still on its way. It has just arrived and it's a nice little mini gatefold with an inner sleeve for the disc. Since the invention of the CD tray still isn't probably finished, this copy of a record cover has become my favorite form of packaging.

I also feel obliged to mention that I think the band used a fitting live photo on the inside, since they had contacted me, but my digital toycam pictures turned out to be too low-fi, haha. Damn, still have to wait for my first "Live at Roadburn" artwork credit. (Yeah, if I was working on that goal, I'd probably bring a "real" camera. On the other hand - I really dig my sweet little Harinezumi.)




OVERKILL / KREATOR - Man In Black / Warrior Heart

Moin Internet! Hier ist wieder dem Ohlsen sein Blog, das sich nicht einmal für einen Namen entscheiden kann, mit der Rubrik "Rezensionen, nach denen wirklich niemand gefragt hat". Aber wenn man alle im aktuellen Jahr erschienen Musikkäufe bespricht, dann passiert es halt auch ab und zu, dass man etwas zu einem Zeitschriften-Gimmick schreibt.
Ok, wenn es ein regulärer CD-Promosampler wäre, dann würde ich mir das Getippe natürlich sparen. Aber gerade das RockHard kaufe ich ja seit Jahren nur noch in seltenen Einzelfällen - und dann bevorzugt eben wegen des Extras. Damit bin ich sicherlich nicht allein, das kommerzielle Kalkül dahinter geht also auf.

Womit ich den Machern keineswegs seelenlose Geschäftemacherei unterstellen möchte, denn die letztes Jahr mit Running Wild und Sodom gestartete Entdeckung der Vinyl-Split-Single mit vollwertigem Artwork als Beigabe ist mit Sicherheit auch eine Herzensangelegenheit. Ganz davon abgesehen, dass die Produktion der Scheibe sicherlich mehr kostet als bei einer CD. Bei einer Auflage von um die zwanzigtausend Stück (bei wie vielen Singles gibt's das denn noch?) und den Verzicht auf eine Innenhülle dürfte der Einkaufspreis aber auch ok gewesen sein. Wenn der nicht eh schon Promoausgabe von Nuclear Blast Records ist. Man steckt da ja nicht drin...




OVERKILL / KREATOR - Man In Black / Warrior Heart (Split 7") (2017)

Nachdem die erste RockHard-7" für mich wegen Running Wild-Allergie nicht so interessant war, habe ich bei der aktuellen März-Ausgabe (Nr. 358) dann doch mal zugeschlagen. Die Single kommt wie gesagt zwar ohne Schutzhülle, aber immerhin im stabilen Karton. Und da das ganze Heft ja eingeschweißt ist, kann man damit gut leben. Das Entfusseln war allerdings schon mittelmühsam.

So mittel (aber mit leichter Tendenz nach oben) ist auch die Lesbarkeit des der Single beiliegenden RockHards, das immerhin geschmacksicher "Here Now, There Then" von Dool zum Album des Monats gekürt hat.

Doch nun zum eigentlichen Objekt, welches absurderweise jetzt schon für zwölf bis fünfundzwanzig Ocken auf Discogs angeboten wird, obwohl es doch sogar noch ein paar Tage ganz normal im Zeitschriftenhandel zu haben ist.


Overkill sind mir grundsätzlich sympathisch, ich habe schon ein paar Konzerte von ihnen gesehen, die ordentlich gefetzt haben. Und dann war da natürlich jener Viel-zu-laut-Gig nur ein paar Minuten von hier im High Noon, der damals von den Wacken Open Air-Chefs betriebenen schenefelder Musikkneipe, bei dem der Mischer mit fetten Luxus-Ohropax einen Sound zauberte, der draußen an der Straße, weit vom Eingang entfernt, den idealen Pegel hatte, drinnen aber kaum auszuhalten war.
Auf Konserve allerdings sind mir die Thrash-Veteranen ziemlich egal. Ich besitze zwar die "Horrorscope", doch jenseits des Titelsongs hat sie mich nie gekickt.

Von daher war ich bei der A-Seite hier erstmal skeptisch, zumal hier auch noch einer der Johnny Cash-Klassiker gespielt wird. Sowohl genrefremde Cover von Thrash-Metal-Bands als auch Cash-Cover allgemein stehen nun nicht gerade an vorderster Front, wenn es darum geht, die Musikwelt um etwas zu bereichern, was ihr noch ganz dringend fehlt.
Doch Overkill interpretieren das Ding gar nicht schlecht. Sie versuchen zum Glück gar nicht erst, einen Metalsong daraus zu machen, sondern begnügen sich neben der originalgetreuen Gitarre mit etwas zusätzlichem Rhythmus und ein wenig Solo, lassen darüber hinaus aber einfach nur Bobby "Blitz" Ellsworths Stimme die Arbeit machen.

Da kann man nicht meckern. Lässig.
     



Die Kreator-Seite mit dem exklusiven Non-Album-Track "Warrior Heart" ist da schon ein bisschen schwieriger. Die Tendenz, einerseits richtig derbe böse auf den Putz zu hauen, dem anderseits aber immer mehr melodisch-hymnische Heavy Metal-Einflüsse entgegenzustellen ist bei Mille, Ventor und Co. jetzt ja nichts ganz Neues.
Mittlerweile treiben Kreator dieses Spiel aber schon grenzwertig weit. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum ich noch nicht ernsthaft über den Kauf der "Gods Of Violence" nachgeacht habe und mich nun erstmal hiermit als Substitut begnüge.

Schlecht ist der Track ja nicht. Gewöhnungsbedürftig ist diese Ausrichtung aber schon. So ein bisschen klingen Kreator hier so, wie viele auf bösen harten Macker machenden Tralala-Gruppen sich eigentlich ihrem Posing nach anhören müssten.

Wie auch immer man ihr Kunststück, hier truee Traditionalisten mit trueem Traditionalismus anzupissen, musikalisch bewertet - ich bin da persönlich noch etwas unentschlossen -, meinen Respekt dafür, wirklich immer das Ding durchzuziehen, nach dem ihnen gerade der Sinn steht, haben Kreator auf jeden Fall.



Highlights: Ja, manchmal denke ich, ich sollte die Sache mit den "Highlights" einfach lassen. Ausschließlichen Schlager-Fans empfehle ich, das Ding einfach unausgepackt bei Discogs zu verscherbeln. So zwölf bis fünfundzwanzig Euro sollten drin sein! *g*




2017-03-12

#LBS 10|52 - sunflower field


I only used the Lensbaby 2.0 once this week to take some pictures inside a sunflower field, shortly before it began to rain. Here's my probably most abstract photo of that.

2017-03-11

SPIDERGAWD - IV

Enorm fleißig, diese Norweger! Ab dem Debüt 2014 ist bisher jedes Jahr ein neues Werk der Herren Borten (Gitarre, Gesang), Kapstadt (Schlagzeug), Snustad (Saxophon) und neuerdings Gaardløs (Bass) erschienen.

Hier ist also "IV", das vierte Album von Spidergawd:




SPIDERGAWD - IV (golden vinyl LP+CD) (2017)

Wer "III" schon enorm geil fand, kann den Rest dieses Reviews eigentlich gleich skippen und die acht neuen Stücke blind kaufen.

Der Opener "Is This Love...?" gibt sofort unmissverständlich die Marschrichtung vor:
Angetrieben von Kenneth Kapstadts zehnarmigem Tentakeldrumming und dem nach wie stark an Motorpsycho anklingendem fettem Fuzzbass prescht der Monsterschweinerock des Quartetts gnadenlos voran.
Die extra dicke Fettschicht unter der Rhythmussektion liefert wieder das Saxophon, welches meistens eine ähnliche Funktion hat wie die Hammond bei Deep Purple, und so bei einigen Stücken durchaus vom unaufmerksamen Hörer gar nicht bewusst wahrgenommen werden dürfte. Die klassischen Saxophon-Momente, in denen es die Melodie trägt oder gar als Soloinstrument in Erscheinung tritt, sind gut dosiert und dadurch umso wirksamer.

Für den rauen Gesang von Bandkopf Per Borten ist mir zwar nach wie vor kein zufriedenstellender Vergleich eingefallen, in das hochenergetische Rock'n'Roll-Umfeld passt er sich aber perfekt ein.

Vom Aufbau her liegt "IV" sehr nah an "III". Warum auch die erfolgreiche Struktur ändern, wenn man sie so problemlos mit neuen frischen Inhalten füllen kann?
So gibt es z.B. an ähnlicher Position eine deutliche Iron Maiden-Referenz (hier in "What have You Become"). Einen epischen Dreiteiler zum Abschluss hat "IV" zwar nicht, doch "The Inevitable" zeigt Spidergawd von ihrer cinematischsten Seite und erhält mit seinem ausgedehnten bluesigem Gitarren/Saxophonwechselspiel sogar eine Entsprechung für das atmosphärischen Nebelschwadenfest in "Lighthouse, Pt. 2" vom Vorgänger.

Bei aller Kontinuität, die sich ja auch im Artwork zeigt, ist die wichtigste Konstante bei dieser Band der heterogene Ideenreichtum innerhalb ihres Sounds. Und der war wohl noch nie so groß. Ich scheue mich zwar vor einem qualitativen Vergleich, doch die Hartnäckigkeit, mit der sich dieses Album seit Wochen in meiner Dauerrotation hält, spricht vielleicht auch für sich.
Und es ist mir durchaus schon ein paar mal passiert, dass ich nach dem abschließenden ZZ Top-Groovealike "Stranglehold" gleich noch eine Zusatzrunde eingeläutet habe.


Auf dem halluzinogenen, dezent phallussymbolüberschwemmten Cover gibt es jede Menge zu entdecken (also neben den achtzig Prozent Phallussymbolen, haha), und es ist für mich eindeutig das beste dieser ästhetisch faszinierenden abstoßend-anziehenden Viererreihe.

In der limitierten Vinyl-Gold-Edition ist das Bandlogo nicht aufgedruckt, sondern befindet sich auf der PVC-Hülle. Ziemlich schick. Die Credits sind wieder einmal am Rand der Innenseite der Hülle versteckt (was ich bisher noch bei keiner anderen Band so gesehen habe), und - nicht zu vergessen - eine CD-Version von "IV" liegt auch noch bei.





Perfektes Paket einer Band, die jedes Jahr noch ein bisschen besser wird!




Highlights: I Am The Night, The Inevitable, What You Have Become, Stranglehold


2017-03-10

SINMARA / MISþYRMING - Split

Ich gebe es ja zu: Ich hatte gar nicht auf dem Schirm, dass diese 10" eine Split-EP ist, als ich sie letztes Wochenende vom Hell Over Hammaburg mitgenommen hatte. Stattdessen hatte ich nur vage im Kopf, dass das aktuell ziemlich rare Debutwerk von Misþyrming ein tolles Cover hat. Ob es ein volles Album ist oder nicht, hatte ich nicht gespeichert. Und das mit dem Cover trifft ja auch hier zu.

Ich will mich ohnehin gar nicht beschweren, denn auch mit ihren nur zwei Songs von ca. sechs und sieben Minuten Länge nehme ich diese Platte sehr gerne in meine Sammlung auf.



SINMARA / MISþYRMING - Split (10" vinyl) (2017)

"Disharmonious howls, cacaphonous swarm" heißt es im Text von Sinmaras Stück "Ivory Stone", und genau so wütet dieses Black-Metal-Inferno auch von Beginn an ohne Umschweife los. Es klingt beinahe, als sei hier über das bewusst stumpfbreiig produzierte Schwarzmetallgeblaste ein episch orchestraler Track von Elend gelegt worden. Viel zu viel widerstreitender Lärm auf einmal und von allen Seiten durcheinander. Eigentlich.
Anderseits funktioniert aber gerade das, dieser undifferenzierte kakaphonische Overkill, hier sehr gut. Es hilft natürlich, dass die diesem Tosen zugrunde liegende Musik durchaus was taugt. Im Gesamteindruck fühlt man sich von allen drei Mäulern Zerberus' zugleich angehustet. So eine Krachschlacht, folgert man,  muss wohl direkt aus der  Hölle stammen. Oder von ein paar irren Isländern, die zu viele Schwefeldämpfe im Geysirfeld eingeatmet haben.



Misþyrming, welche in ihrer Muttersprache brüllkreischen, klingen im Vergleich zu Sinmara eine ganze Ecke konkreter und knackiger, bzw. sie erreichen ein durchaus vergleichbares Maß an psychotischer Panik mit einfacheren Mitteln. Das Schlagzeug versinkt nicht wie oft im Black Metal im Riffgerausche, sondern prügelt schön direkt auf den Schädel. Der absolute Kicker im selbstbewussten Auftreten der Band sind aber diese oft repetiven, sich ganz fies ins Hirn schneidenden kranken Leadgitarren. "Hof" ist ein hervorragendes Beispiel für dieses Stilmerkmal, welches Misþyrming auf sehr wiedererkennbare Art pflegen.
Im Midtempo-Teil sind durchaus Anleihen an Postrock zu erkennen, doch auch wenn Misþyrming Atmosphäre erzeugen, tun sie immer mit den Mitteln räudig kratzigen, garantiert trueen Dunkelbleis. Oder anders ausgedrückt: klasse Track einer arschgeilen Band!

Misþyrming live auf dem Hell Over Hammaburg 2017


Highlight: Hof


2017-03-07

YEAR OF THE COBRA - Temple Of Apollo

"Ich hätte gerne das, was alle wollen."

Zum Glück war ich zur richtigen Zeit am Merchandisingstand des Hell Over Hammaburg-Festivals, denn diese heiße transparente Vinylsemmel war ziemlich begehrt.




YEAR OF THE COBRA - Temple Of Apollo (clear vinyl 7") (2017)

Wie die Nummer unten rechts schon zeigt, ist dieser exklusive Festivalrelease einigermaßen limitiert. Es gab allerdings auch noch eine lila Version mit dem Festivalflyer als Cover, aber ich fand diese reduziertere Variante stimmiger.

Nein, das wird jetzt kein tiefenanalytisches Review. Es geht schließlich nur um knapp über drei Minuten Musik, was Year Of The Cobra schon nicht unbedingt in ihrer typischsten Form repräsentiert. Doch der lockerflockige, punkrockige Track verfügt durchaus über den derben Tiefenranz im Bass und deutet mit seinen Stop-and-go-Pausen zumindest ansatzweise die Sperrigkeit an, zu der das Duo ansonsten auch fähig ist.

Nice to have.



Highlight: Ohne zu viel verraten zu wollen - die unbespielte Seite mit den Autogrammen ist es wohl nicht.