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2016-10-23

WATCHTOWER - Concepts Of Math: Book One

Nanu. Eine CD? Hab ich mich vertan oder hatte ich bei der Bestellung einen Anfall von Sparsamkeit? Ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht mehr. Ist ja letztendlich auch zweitrangig, wenn auch etwas inkonsequent, wo ich die beiden vorigen Alben der Band doch als Platte besitze.

Anderseits ist dies ja auch kein Longplayer, sondern eine EP. Für ein komplettes Album wären die nur siebenundzwanzig Jahre Zeit seit "Control and Resistance" ja auch ein bisschen knapp gewesen.



WATCHTOWER - Concepts Of Math: Book One (CD) (2016)

Ja, ich weiß, das ist Klugscheißerei von mir!

Doch das werden Watchtower aushalten, spielen sie doch auch absolute Klugscheißermusik. Denn was der absolut unrock'n'rollige Titel "Concepts of Math" verspricht, das löst er auch ein: "Mathematica Calculis" ist ein Abhandlung über die Durchdringung der Welt mit Mathematik, angefangen vom Ursprung Zeit, über die Übersetzung natürlicher Phänomene in Zahlen, die Grundrechenarten, Geometrie etc. pp.

Weitere Themen des halbstündigen Tonträgers sind die Unvereinbarkeit von religiöser und wissenschaftlicher Weltanschauung ("Arguments Against Design"), die Diskrepanz zwischen technologischer und menschlich-moralischer Entwicklung ("Technology Inaction"), sowie die Problematik der akuraten numerischen Abbildung der Existenz - oder was immer uns Schlaumeier Ron Jarzombek hier sagen möchte - in "The Size Of Matter".

Starker Tobak, formuliert in gleichzeitig um sachliche Präzision und äußerste Umfassendheit bemühten Strebertexten. Ein bisschen, wie man es von früher kennt, allerdings tatsächlich weitaus fundierter und formvollendeter.

Musikalisch kann man das eigentlich nur auf zwei Arten verkaufen: Entweder mit ironisch konterkarierender Stumpfmusik. Oder mit technisch vollkommen auf die Spitze getriebenem, kauzig verkopften Gefrickel.
Und was man bei der Progressive Thrash-Legende Watchtower bekommt, sollte ja klar sein.

In der originalen "Control and Resistance"-Besetzung mit Alan Tecchio (Gesang), Ron Jarzombek (Gitarre), Doug Keyser (Bass) und Rick Colaluca (Schlagzeug) erfüllt die Band dann auch klangphilosophisch alle Erwartungen, und das auf einem Niveau, welches wohl niemand zwangsläufig erwarten musste.
Das ist thrashbasierter Mathematikprofessorenmetal mit gepflegtem Taktsalat, äußerst charakteristischem Turbogeblubberbassspiel und Raketenwissenschaftlerleadgitarren. Jenseits von over the top im nur noch minimalst steigerbaren Bereich. Absolut irre und doch immer darauf angelegt, einen mit Killerriffs und mitreißenden Melodien zu packen, die sich trotz glasklarer Produktion niemals an kitschigen Mainstream-Metal anbiedern.


Obwohl progressiver und supertechnischer Metal ja inzwischen längst auch am kommerziell erfolgreichen Ende des Genrespekrums angekommen ist, schaffen es Watchtower auch nach Jahrzehnten noch, sowohl mit ihren Fertigkeiten als auch mit ihrer nerdigen Verschrobenheit aus der Masse hervorzuragen.
Natürlich treiben inzwischen zahlreiche musikalische Erben einzelne Versatzstücke des Watchtower-Sounds noch weiter ins Extrem. Wirklich ähnliche Gruppen, die ernsthaft mit dem gesamten Originalpaket konkurrieren  können, dürften dennoch ziemlich rar sein.

Es liegt sicherlich auch an den fast drei vergangenen Jahrzehnten, dass aktuell wohl kaum jemand versuchen würde, einen hundertprozentigen Watchtower-Klon zu gründen. Denn die Erde dreht sich schließlich weiter und ein wenig retro ist diese spezielle Spielart metallischen Muskelflexens irgendwie schon.

So kicken mich aktuell auch ein paar neue Progmetalalben mit frischeren stilistischen Konzepten noch etwas mehr als "Concepts Of Math: Book One".
Ich würde allerdings auch niemanden auslachen, der hier vom besten Genrewerk des Jahres oder eines beliebigen Zeitraumes darüber hinaus spricht. Denn Watchtower sind nun mal eine Legende, die ihren Status hier zu jeder Sekunde zementiert.

Selbst für die Fortführung der Tradition, dass die Bandfotos auf irgendeine Weise stets mittelbeschissen sein müssen, kann ich hier keinen Punktabzug geben; dafür scheint dabei dann auch zu viel Ironie durch.

Geiles Ding. Hoffen wir mal, dass es ein "Book Two" gibt und dieses nicht genauso biblisch lange auf sich warten lässt! 


Highlights: Mathematica Calculis, Technology Inaction



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