Most posts are in german, yet sometimes I switch to english. The title of this blog changes from time to time.
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Interested in me reviewing your music? Please read this!

2016-07-31

KHEMMIS - Absolution

The full moon has risen. Skeletons crawl out of their tombs to serve their master. The warrior princess tried to challenge him, yet now she's under his magick spell. Can you free her? No sword could ever harm this witchmaster wizard.

He raises his staff and you realize the source of his power: Amplifier Worship!

You should have never dared to face him! All hope vanishes as the realisation sets in. This will be your last fight. 


Sometimes there are cover artworks that just make you raise your fist and pray to the metal gods, that the music please be just as magnificent...




KHEMMIS - Absolution (LP) (2015)

Last year's "Absolution" of the US band Khemmis luckily delivers on its cover's doom promise full-scale. The only thing which remains missing on the Ralph Bakshi style fantasy artwork after having heard the music may be a weed clishé. There would still have been room for some smoking objects on both sides, right?

So which kind of doom do Khemmis prefer, the traditional melodic doom metal oder the brutal creaky stuff where the bass distortion goes to eleven?
Well, it's actually both. And how fluidly they mix it together in every single one of these six tracks is an incredibly seasoned effort, especially considering that this is the quartet's debut work.

Find some killer riffs in Tony Iommi's secret stash! Combine them with a pinch of 70s hard rock and deliver them in a rich and deep space-cranking sludge sound! Add some Mike Scheidt signature chords and then above all the most important instrumental ingredient: infectious Iron fucking Maiden twin lead guitars!

The main attraction of Khemmis however are the vocals, which are delivered by both guitar players.

Phil Pendergast's mournful voice is probably one of the clearest in the genre. Somewhere in the back of my mind there's a singer I'm very heavily reminded of, but since I can't dig him out right now it must suffice to say that even though there's some Candlemass bombast going on, I could also imagine his singing in the context of a classic prog rock band.

This applies not so much for the ferocious grunts of Ben Hutcherson, who contrasts the melodic element with some solid southern harshness.

In conclusion "Absolution" is a flawless, never dragging listen, which marries some of the finest schools of doom to something familiar and new at the same time.

I won't say that this album is perfect though, because not all songs are on the same super high level of the epics "Serpentine" or "The Bereaved" yet, but I have a certain feeling that the creative peak of this band is still to come in the future.

Right now the band is pushing its renown from the Denver scene to the rest of North America. If they ever make it over the Atlantic I demand a doom overlords tour with them supporting Lucifer and Conan!

Thus spoke der Ohlsen and thus it shall be done!




Highlights: Serpentine, The Bereaved, Antediluvian


BTW: You might have wondered why I didn't write this review in german. In a few days the Wacken Open Air begins and I'm thinking about covering it in english too to bring some variety into my Wacken game and reach one or two new readers. So this is just me warming up a little.


2016-07-30

JASTREB - Orient And Occident

Schee! Da war doch neulich mal wieder Musik aus Österreich in der Post, und zwar das schwarzweißpsychedelische CD-Digipack einer Gruppe, an der an den Tasten ein Herr Albin Julius beteiligt ist, deren Name aber zum Glück für meine Tippfinger etwas handlicher als Der Blutharsch And The Infinite Church Of The Leading Hand daherkommt.


JASTREB - Orient And Occident (2016)

Jastreb, das Projekt eines gewissen Last Lord Of Atlantis, besteht aus einer klassischen Rockbesetzung inklusive Synthesizergedöns plus Geige. Der Albumtitel "Orient And Occident" erweist sich schon nach wenigen Momenten als eindeutig programmatisch. Die musikalische Grundlage ist trippig schwebender Krautrock, der hier allerdings sowohl in Klangfarben und Melodien als auch in der anspruchsvollen Rhythmik einen immer präsenten orientalischen Anstrich erfährt.

Der Opener lässt mich unmittelbar an Josef van Wissem denken, erschreckt mich dann allerdings ein bisschen mit dem ersten Gesangseinsatz, der anscheinend beschwörerisch wie die Anrufungen von Bong sein möchte, aber doch zu arg knödelig geraten ist.  Glücklicherweise fängt sich der Sänger allerdings nach einigen Zeilen und erinnert für den Rest des Albums zumeist an einen gröberen, halt nicht ganz so charismatischen Cousin von Brendan Perry.

Überhaupt sind Dead Can Dance trotz der Verankerung Jastrebs in den Jahrzehnten vor Gerrard/Perry bei so ethnisch angereicherter Musik wie hier - gerade wenn wie in "Pasolini" der Rhythmus aussetzt - immer irgendwie herauszuhören.
Zumal die ersten drei der im Schnitt zehn Minuten langen Tracks auch über die entsprechend epische Note verfügen, die einen im Geist durch spektakulär abgefilmte Insel-, Berg- und Wüstenlandschaften teppichfliegen lässt. Nur lyrisch bricht ein - im übrigen großartiger - Songtitel wie "Amanda Lear" natürlich mit diesem Bild.

Der letzte Track "Let Go" verschiebt zwar weder die Anteile von Orient noch Okzident, fühlt sich allerdings nicht nur durch den effektverfremdeten Gesang doch irgendwie anders an. Die sechs Saiten scheinen hier am ehesten den Rauch einzuatmen, den die Beatles nach ihren ersten Weltraumausflügen in Indien hinterlassen haben.

Alles in allem nehmen einen Jastreb auf dieser CD (auch als hübsch handgemacht verpackte LP erhältlich - und sogar als Tape) auf einen Psych-Ausflug mit toller Aussicht, dem ich in einem Benotungssystem höchstens ein paar leichte Abzüge wegen dem qualitativ schwankenden Gesang und eins, zwei für mich dann doch ein bisschen zu sehr in die Länge gezogenen Themen geben würde.

Allen Freunden von Kraut und Rübennebel empfehle ich auf jeden Fall wärmstens, hier mal hineinzulauschen!


Highlights: Pasolini, Amanda Lear


2016-07-29

BLUES PILLS - Golden Treasures

In ein paar Tagen erscheint die Neue von den Blues Pills. Haben oder nicht haben?

Das Video zum Titelsong "Lady In Gold" fand ich ja etwas enttäuschend. Hmm... Ich befinde mich noch im Prozess der Entscheidungsfindung.

Wie auch immer dieser Prozess ausgeht - damit mein Blog keine Sehnsucht nach Elin Larsson und Co. bekommt, wird hier jetzt einfach mal die CD-Beilage zum aktuellen RockHard (Nr. 351 / August 2016) sternenförmig abrezensiert!


BLUES PILLS - Golden Treasures (2016)

Zunächst einmal muss man natürlich loben, dass die Hülle für so eine Zeitschriftenbeilage ja regelrecht edel ist. Nur dass die schmale Seite (welche man im CD-Regal sieht) ganz unbedruckt ist, sieht ein bisschen nach Layoutfehler aus.
Bei der Diebstahlsicherung des Tonträgers selbst sehe ich auch noch Luft nach oben. Man sollte beim Kauf also schon drauf achten, dass das Ding auch wirklich drin ist!

Die CD enthält acht Tracks und ist damit von der Länge der als vollwertiges Album zu betrachten, inhaltlich allerdings doch eher eher eine Live-EP mit Studio-Bonustracks.

Es beginnt der schon erwähnte Titelsong von "Lady In Gold". Nein, es ist nicht das Klavier, welches mich an dem Track gestört hat, ebensowenig die Orgel, die wohl auf dem gesamten Album präsent sein soll und ab sofort auch live dabei ist.
Und diese motown-mäßigen Oldschool-Soul-Chöre gefallen mir sogar richtig gut und retten hier tatsächlich das Stück.

Nein, was hier einfach schwächelt ist der Refrain. Der ist zwar durchaus ein Ohrwurm, aber halt keiner von der wirklich guten Sorte. Diese Hook bleibt unter gewohntem Blues Pills-Niveau.
Ansonsten könnte die Gitarre im Mix auch ruhig noch präsenter sein.

Das ebenfalls dem Studioalbum entnommene Tony Joe White-Cover "Elements And Things" hingegen hat keinerlei Probleme zu zünden. Ich würde mal tippen, dass dies einer der traditionellsten, am meisten an das Debütalbum erinnernde Stück sein wird. Groovepumpt ziemlich gut ab, Dorrian Sorriaux zeigt an der Gitarre mal eher seine spacerockige Seite, und die Orgel setzt ein paar lecker donnernde Akzente. 

Für Track drei wurde die Studioversion von "Bliss" ausgegraben. Klingt trotz Demosound ziemlich frisch und fällt somit in die Kategorie nicht nötig (man hat ja schon die "Blues Pills Live"-Version und den hiervon abgeleiteten Song "Jupiter") aber nett.

Das wichtigste passiert bei den Blues Pills auf der Bühne, und so besteht der Kern der "Golden Treasures" aus den folgenden fünf Liveaufnahmen vom RockHard Festival 2014.
Klar, die Stücke hat man inzwischen alle schon reichlich gehört, aber besonders an den sechs Saiten variiert die Gruppe ja auch immer wieder gerne, so dass jede neue Liveversion eines Songs nach wie vor seine eigene Energie entfaltet.
Die Band kann es einfach. Einzig der Abschluss "Devil Man" ist für mich ja schon seit einer Weile der einzige Blues Pills-Song, den ich eigentlich nicht mehr hören kann.

Unterm Strich ist diese CD also ein lohnenswertes Ding, für das man auch gerne den Kauf eines RockHards in Kauf nehmen kann. Das würde ich sonst ja nicht mehr tun, auch wenn mir die Themenauswahl hier vom Überfliegen her sogar noch einigermaßen vertretbar erscheint. (Nein, damit meine ich natürlich nicht das große Sabaton-Interview.)


Und kaufe ich mir die "Lady In Gold" nun?

Naja, inzwischen hat die Band ja auch "Little Boy Preacher" vorgestellt, und der ist trotz auch hier etwas untergebutterter Gitarre doch gar nicht übel...  Ok, ich bestell sie ja schon. Also nicht heute... aber demnächst.


Highlights: Dig In (live), High Class Woman (live), Elements And Things

2016-07-28

#HdD - Bilder, die betroffen machen

Hach damals...


als ich im letzten Jahrtausend (und jetzt fragt mich nicht, in welchem Jahr genau das war!) mal das Wacken Open Air  besucht und noch den Campingplatz benutzt habe. Kann durchaus mal anstrengend werden, wenn man keinen Alkohol trinkt. *g*

(Fotos sind wohl mit der Fuji DL-550 Kompaktkamera geknipst.)

In einer Woche geht's - ohne Campingplatz, dafür mehr so musikorientiert - wieder los!


2016-07-24

SWANS - The Glowing Man

Als Michael Gira 2010, zwölf Jahre nach "Swans Are Dead", seiner Band neues Leben einhauchte, war zunächst noch nicht klar, welchen Koloss er da erweckt hatte.

Sängerin Jarboe war nicht dabei, es fehlte also etwas, und das noch deutlich unter dem Einfluss der Angels Of Light stehende Comeback-Album "My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky" gehörte - ganz anders als die abgründigen, die Kehle zuschnürenden "Soundtracks For The Blind" von 1996 zu den vergleichsweise entspannteren Werken der langen Bandgeschichte.

Doch dann kam das große Aufbäumen. "The Seer" war ein Monolith von einem Album, auf dem die Swans in Mehr-ist-mehr-Manier scheinbar die Qualitäten all ihrer unterschiedlichen Phasen zu einem überwältigenden, in seiner Intensität kaum zu verarbeiteten, zweistündigen Brocken gebündelt haben.

Unglaublicherweise war dieses Werk, das ich damals "als die absolute Kulmination eines abgründig visionären Musikerdaseins" empfunden habe, aber erst der Auftakt zu einer Trilogie, die in ihrer Kraft, Größe und niemals wankenden Qualität wohl vergebens ihresgleichen sucht.

Nachdem Gira angekündigt hat, diese Inkarnation mit Norman Westberg (Gitarre), Christoph Hahn (Lap-Steel-Gitarre), Christopher Pravdica (Bass), Phil Puleo (Drums) und Thor Harris (Perkussion, Posaune, Vibraphon und hastenichtgesehen) nach der dazugehörigen Tour zu Grabe tragen zu wollen, ist "The Glowing Man" nun also der große Schwanengesang. Ja, ich weiß: Euro ins Phrasenschwein.



SWANS - The Glowing Man (3LP+DVD) (2016)

Genau wie der direkte Vorgänger "To Be Kind", der die brutale Gigantomanie von "The Seer" vom eher Collagenhaften in eine zugänglichere, songorientiertere Form überführte, schlägt auch das neue Werk wieder bei satten zwei Stunden an.

In Tonträgern bedeutet das zwei CDs, bzw. in der Variante, für die ich mich diesmal entschieden habe, 3 LPs. Auf diese verteilen sich nur acht Songs, d.h. die durchschnittliche Tracklänge ist schon ziemlich beachtlich. Zwei Stücken werden durch einen Seitenwechsel unterbrochen, was allerdings in klug ausgewählten Passagen passiert und daher überhaupt nicht stört.

Optisch gleicht das Triple-Gatefold im braunen Karton dem von "To Be Kind". Dessen weinende Babys waren genau wie die Monster auf "The Seer" zwar noch spannender als die (aufgespießten?) Gliedmaßen hier, doch sehr ansprechend ist die Covergestaltung zweifellos auch dieses Mal.


Die regulären Extras sind ein Downloadcode für das Album, sowie ein Poster, für das ich leider - wie für schon so viele ähnliche Schallplattenbeigaben - keinen Wandplatz frei habe.

In Kombination mit Vinyl nur exklusiv in dieser Deluxe Version für Vorbesteller kommt eine sehenswerte Live-DVD mit Eindrücken der letzten Europatour. Sie enthält sechs Stücke, davon vier Longtracks von "The Glowing Man", die in ihrer Entwicklung schon sehr nah an den Albumversionen sind. Ich würde sagen, dass der hier festgehaltene Zeitpunkt in der steten Evolution des Swans-Programms irgendwo zwischen dem letzten Livealbum "The Gate" und dem aktuellen Studiowerk liegt. Die Konzertaufnahmen sind zwar technisch betrachtet nicht wirklich authentisch, da die bewegten Bilder oft auch von anderen Shows als der Tonquelle stammen, doch die Essenz einer Swans-Show wird durchaus erstaunlich gut transportiert - vorausgesetzt natürlich, dass man entsprechend aufdreht.

Oftmals schaut man sich Bonus-DVDs ja nur ein oder zwei Mal an, diese hier bleibt aber ganz klar auch darüber hinaus sehenswert. Der überzeugendste Grund, diese Silberscheibe nicht einzuschmeißen, ist für mich ganz klar, dass man zu sehr damit beschäftigt ist, das Studioalbum rotieren zu lassen.


"The Glowing Man" führt in vielerlei Hinsicht die Tradition seiner beiden Vorgänger fort. Es ist groß, extrem dynamisch, vielschichtig, erstklassig produziert.
Stilistisch passiert nichts vollkommen Neues, es bewegt sich alles im abgesteckten Rahmen. Aber dieser bietet ja bereits reichlich Raum.

Die erste LP würde mit den beiden Song-Geschwistern "Cloud Of Forgetting" und "Cloud Of Unknowing" schon als in sich geschlossenes Werk durchgehen.
Der Opener beginnt verhältnismäßig ruhig und führt gleich ein paar zentrale Merkmale des Albums ein: Man lässt sich noch mehr Zeit, um mit breiten Teppichen aus Lap-Steel-Guitar, Dulcimer, Vibraphon, Klavier, Bläsern usw. Stimmungen aufzubauen. Der größte Teil des Albums befindet sich in einem langen auf- und abschwellenden Fluss. Beinahe jede Passage wird ausgiebig hypnotisch repetiv zelebriert, ohne dass die Musik dabei jemals statisch wird oder an Spannung verliert.

Dabei muss auch nicht jeder Track alle Eskalationsphasen des Swans-Sounds durchleben, das ist allein den drei Stücken "Cloud Of Unknowing", "Frankie M" und dem Titelsong vorbehalten, welche auch gleichzeitig jene Brocken sind, die es auf jeweils über zwanzig Minuten Spielzeit bringen und sich im Falle der beiden letztgenannten auch klanglich am nähesten an den einschüchternden halbstündigen Giganten von "The Seer" und "To Be Kind" bewegen.

Mit dem bereits erwähnten Opener und dem mittendrin plötzlich fast lateinamerikanisch tanzbar werdenden "The World Looks Red / The World Looks Black" gibt es noch zwei kleinere Longtracks zwischen zwölf und fünfzehn Minuten.

Eine Abhängigkeit zwischen Songlänge und Qualität gibt es auf "The Glowing Man" allerdings zum Glück nicht. Und so sind auch die drei nur durchschnittlich fünfminütigen Lieder, die sich zwischen  die Riesen geschoben haben, alles andere als Füller.

"People Like Us" ist eine klassische Swans-Crooner-Ballade, die auch aus den Neunzigern stammen könnte. Zugegeben vielleicht der unspektakulärste Song hier, aber immer noch für sich fantastisch und im Zusammenhang ein angenehmer Durchatmer, bevor einem "Frankie M." wieder alles abverlangt.

"When Will I Return" ist emotional ein Herzstück des Albums. Gesungen von Michael Giras Ehefrau Jennifer verarbeitet es einen sexuellen Übergriff, den sie erleben musste. Unangenehme, schwere Kost. Doch genau wie Tori Amos in der erneuerten Liveversion von "Me And A Gun" schließlich die Oberhand über den Täter gewinnt, geht auch Jennifer Gira mit erhobenem Haupt aus der Erfahrung. Ihr "I'm alive" ist in seiner Simplizität das stärkste Mantra eines an beschwörenden Gesängen nicht armen Albums.

Im letzten Track "Finally, Peace" entdecken die Swans den Swing und klingen erstaunlich leichtfüßig und harmoniebedürftig. Auch wenn die instrumentalen Anteile auf "The Glowing Man" überwiegen, sind die Gesänge doch alles andere als gekleckert. "Finally, Peace" ist dafür der finale Beweis, um auch den letzten Zweifler zu überzeugen. Diese Chöre sind einfach himmlisch.
Ein sehr versöhnlicher Abschluss für dieses Album und diese gesamte Schaffensphase der Swans.

Auf der LP endet der Song übrigens ganz plötzlich im beatleschen "I Want You (She's So Heavy)"-Stil, während er es in der Digitalversion noch etwas weiter bis zu einem Ausklang schafft. Unmöglich zu sagen, ob das als Unfall oder als bewusstes Arrangieren mit dem Platzmangel auf der Langrille entstanden ist. Ich mag die LP-Variante jedenfalls sogar ein bisschen lieber.

(Weitere Analog/Digital-Unterschiede sind mir - abgesehen von den Seitenwechseln in "Cloud Of Unknowing" und "The Glowing Man" - nicht aufgefallen.)


Welches der drei Alben nun tatsächlich das Essentiellste ist, mag ich jetzt noch nicht beantworten. Wahrscheinlich werde ich es wohl nie wissen. Entscheidend ist ohnehin nur, dass "The Glowing Man" das Niveau von "To Be Kind" mindestens hält, und die Swans somit ein weiteres überlebensgroßes Ausrufezeichen in die Geschichte der Rockmusik gemeißelt haben.

Ich schrieb ja schon eingangs von "einer Trilogie, die in ihrer Kraft, Größe und niemals wankenden Qualität wohl vergebens ihresgleichen sucht."

Das muss dann an dieser Stelle auch das Fazit der letzten sechs Jahre Swans im Studio bleiben. Wie Meister Gira das Monstrum live verabschiedet, ist in Deutschland im Oktober zu besichtigen. Ich bin schon höchst gespannt.

Eines ist sicher: "The Glowing Man" wird bei mir am Jahresende ganz weit oben um den Titel des Album des Jahres mitspielen. Da müssten schon ein paar mittlere Wunder geschehen, um das zu verhindern.





Anspieltipps: Cloud Of Unknowing, Finally Peace, The Glowing Man, When Will I Return



2016-07-21

#HdD - mehr Jungfrauen!

Hach damals...


als ich im September 2012 mal extra nach Kopenhagen gefahren bin, um mir nach langer Abstinenz Laibach anzuschauen, und bei der Gelegenheit natürlich auch knipstouristisch aktiv wurde.

Seitdem waren die Slowenen zum Glück reichlich auf Tour und haben auch Hamburg wieder mehrmals besucht. Trotzdem werde ich in sechs Wochen wieder verreisen, um sie mit Orchester in "Laibach" (also Ljubljana) zu sehen. Das wird epochal!







(Mehr Fotos aus Kopenhagen sind auf flickr in meinem Dänemark-Album zu finden.)



2016-07-16

THE CLAYPOOL LENNON DELIRIUM - Monolith Of Phobos

Musikalische Farbenlehre für Fortgeschrittene:

Mischt man das "White Album" (The Beatles) mit dem "Brown Album" (Primus), dann kommt offenbar ein deutsche-Post-gelbes Album dabei heraus.



THE CLAYPOOL LENNON DELIRIUM - Monolith Of Phobos (yellow vinyl 2LP+CD) (2016)

Wie der Name der Band schon sagt, besteht sie aus Primus-Mastermind/Wirrkopf/Bassmonster Les Claypool und natürlich nicht John, sondern Sean Lennon, Sohn des Beatles mit Yoko Ono, und mir zugebenermaßen darüber hinaus bisher noch nicht musikalisch bekannt.

Live ist die Gruppe ein Quartett, doch im Studio besteht sie tatsächlich nur aus den beiden Namensgebern. Lennon hat Gitarre und (bis auf einen Track) das Schlagzeug eingespielt, Claypool natürlich den Bass. Um Lead- und Backgroundgesänge, sowie jede Menge Mellotron haben sich beide gekümmert.

Die von Claypool gesungenen Songs sind innerhalb der elf Tracks in leichter Überzahl, dafür stammen sowohl das Frontcover als auch Fotocollagen im Gatefold sowie dem beiliegenden Textblatt von Lennon.
Visuell ist das ganze Package übrigens sehr ansprechend, die gelb-transparenten Schallplatten taugen auch klanglich etwas, und es liegt eine CD-Kopie bei.




Musikalisch steht der "Monolith Of Phobos" ganz klar in der Tradition songorienterten, aber gelegentlich space-trippenden Psychedelic Rocks der Marke Sgt. Pepper At The Gates Of Dawn, ohne dabei aber je zur bloßen Kopie der Fab Four oder von Syd Barrett und Co. zu werden.

Dafür sorgt schon das einmalige und unnachahmliche Bassspiel von Les Claypool. Böswillig könnte man sagen, dass der Mann über weite Strecken einfach seinen Stiefel runterspielt, aber wenn es dieser irrsinnige Sieben-Meilen-Treter ist, wen kümmert es dann?
Ein Claypool-Song wie "Mr. Wright" würde locker auf jedes Primus-Werk passen. Bei den meisten anderen Stücken wäre Lennons Anteil dafür aber schon zu präsent.

Hat man das eröffnende Songtrio aus dem gespenstisch bedrohlichen Titelsong und dem schrägen, zum Ende hin ziemlich epischen Zweiteiler "Cricket And The Genie" hinter sich gebracht, sollte einem bereits klar sein, dass es sich bei Lennon/Claypool über eine kongeniale Paarung zweier echt spezieller Typen handelt, deren Persönlichkeiten sich hier perfekt ergänzen.
Auch wenn erst danach die catchiesten Stücke folgen; wer es hier noch nicht kapiert hat, für den ist "Monolith Of Phobos" wohl nichts.
Die primäre Zuständigkeit von Les Claypool sind der pumpende und blubbernde Puls des Geschehens, das instrumentale Spektakel ("Captain Lariat"!) und die Momente, in denen das Delirium schon beinahe zu goofy und albern wirkt. Und wie bereits erwähnt, haben seine Anteile auch ein leichtes Übergewicht.

Für die Seele, den Tiefgang und die Zeitlosigkeit des Albums sorgt dennoch Sean Lennon.
Es wäre natürlich unfair, den Mann auf seine familiäre Abstammung zu reduzieren, denn er ist ja durchaus ein eigenständiger Künstler, kann auf den sechs Saiten beachtlich shredden, lässt mit seinem songdienlichen Drumming keine Wünsche offen und emuliert auf den Tasten eine king crimsoneske Stimmung, die den Gesamteindruck von "Monolith" entscheidend mitprägt.

Doch ein nicht zu leugnender Teil der Magie ist zweifellos der Tatsache geschuldet, dass er nicht nur optisch, sondern auch stimmlich einfach ein absoluter Wiedergänger seines Vaters ist.
Man könnte in manchen Momenten glatt glauben, hier gar keine brandneuen Aufnahmen zu hören, sondern tatsächlich vielleicht bisher unbekanntes Studiomaterial aus der progressiven Beatles-Spätphase.

Der Lennon-Höhepunkt ist die unbedingt stets mit dem instrumentalen Abschlusstrack das Albums "There's No Underwear In Space" im Schlepptau zu genießende Ballade "Bubbles Burst", welche die Geschichte des Schimpansen Bubbles erzählt, jenes in den Achtzigern auf der Neverland Ranch von Michael Jackson lebenden Schimpansen, der eine Zeit lang ja tatsächlich ein Spielkamerad von Sean war.

Die Texte auf "Monolith Of Phobos" sind generell ziemlich clevere Reflektionen über Ängste und Phänomene unserer Zeit, die speziell bei Sean Lennon erahnen lassen, dass er auch etwas von dem sarkastischen Humor der Beatles geerbt hat. "Bubbles Burst" ragt durch den persönlichen Bezug allerdings auf besondere Weise hervor.
Eine ganz große Nummer und ein würdiges Finale für ein Album, welches ehrlich gesagt sogar viel besser ist, als ich aufgrund der Namen zunächst angenommen hatte.

Egal ob man The Claypool Lennon Delirium jetzt eher unter 60s/70s Rock, Advantgarde, Psychedelic oder einfach geilem Scheiß einsortiert - ein Highlight des Jahres haben sie mit "Monolith Of Phobos" in jeder Kategorie hingelegt.




Anspieltipps: Bubbles Burst, Cricket And The Genie, Boomerang Baby, Captain Lariat

2016-07-14

#HdD - Wandschatten

Hach damals...


als im Sommer 2003 mal Roger Chapman im Hamburger Stadtpark spielte und ich mit der Canon Powershot A200 ein paar Erinnerungsfotos powershootete.


2016-07-07

#HdD - Fankuchen

Hach damals...


als im Juli 2008 mal Deutschland an der Fußball-EM teilgenommen hat, es in geselliger Runde Flips und Kuchen gab und Holga auch dabei war.

#rememberMichaelBallack



2016-07-04

AYREON - The Theater Equation

2004 brachte Arjen Lucassen mit "The Human Equation" sein für mich nach wie vor größtes Ayreon-Album heraus.

Auf keinem anderen Werk finden alle Bestandteile, die Ayreon ausmachen, so perfekt zusammen wie auf diesem Doppelalbum; die Mischung aus Metal, Progrock und Folkelementen, zahlreiche Gastsänger in unterschiedlichen Rollen, alles eingebettet in anspruchsvolle und doch äußerst ohrwurmige Songs.
Und da Lucassen (anders als Kollege Tobias Sammet mit seinen furchtbaren Avantasia) über einen guten Geschmack und ein ausgezeichnetetes Gespür für das richtige Maß an Naivität, Tiefgang, Härte und Kitsch verfügt, ist "The Human Equation" für mich nicht weniger als das beste Rock-Opera-Album aller Zeiten.

Im September 2015 wurde die Geschichte um einen Mann im Koma, der im Krankenbett mit seinen Emotionen ringt, während sich an seiner Seite seine Frau und sein bester Freund die Schuld für seinen Autounfall geben (um die Story mal sehr grob anzudeuten), für vier Aufführungen in einem Rotterdamer Theater zum Leben erweckt.

Ich war ja durchaus versucht, dem Geschehen live beizuwohnen, allein Zeit und Geld...

Zu meinem Glück wurde das Ganze aber am letzten Tag aufgezeichnet und ist nun in verschiedenen Versionen für zu Hause erhältlich. Ich habe mich für das Digipack mit DVD und zwei Audio-CDs entschieden.

   

AYREON - The Theater Equation (2CD+DVD) (2016)

Wie von InsideOut gewohnt ist die Aufmachung des von Meister Lucassen selbst signierten (da vorbestellten) Digipacks über jeden Zweifel erhaben.

Kommen wir also gleich zum Inhalt: Genau wie das Album ist die Bühnenumsetzung in zwei Akte aufgeteilt, welche beide jeweils zehn Tage der Handlung abdecken.

Die Bühne besteht aus drei Ebenen, von denen die unteren beiden Unterbewusstsein und die Erinnerungen an Schauplätze seines Lebens (Kindheit, Arbeitsplatz, Autowrack) des Protagonisten repräsentieren, während sich oben die reale Welt mit dem Krankenbett befindet. Hier agieren auch die Band und der bis zu neunzehnköpfige Chor, der die zehn Hauptsänger(innen) unterstützt.

Die Band ist selbstverständlich mit absoluten Könnern besetzt und sehr gut aufeinander eingespielt, umfasst sie neben der unvermeidlichen Powerdrumming-Präzisionsmaschine Ed Warby doch auch noch zahlreiche weitere Musiker aus dem Ayreon-Umfeld, die u.a. zuletzt zusammen am Album des Lucassen/van Giersbergen-Projekts The Gentle Storm bzw. dessen gelungener Liveumsetzung (z.B. auf dem Wacken Open Air) mitgewirkt haben.

Dies gilt auch für den nicht auf der Bühne stehenden musikalischen Direktor des Unterfangens Joost van den Broek, welcher auf "The Diary" das Klavier beigesteuert hatte.
Auch Arjen Lucassen, welcher sich in der Livesituation bekanntermaßen weniger wohl fühlt als im Studio, begnügt sich abgesehen von einem Cameo am Ende mit der Rolle hinter den Kulissen.

Die Originalsänger von "The Human Equation" stehen allerdings fast alle auf der Bühne und liefern allesamt eine fantastische Performance ab. James LaBrie ist als Protagonist Dreh- und Angelpunkt des gesamten Geschehens, und es tut mir für ihn tatsächlich etwas weh, dass er dieses Jahr so oft für die im Vergleich bei aller teurer Showtechnik doch eher blutleere "The Astonishing"-Show von Dream Theater raus muss, nachdem er Teil dieser wesentlich spannenderen Konzeptalbums-Aufführung war.

Die weiteren original besetzten Rollen sind die Ehefrau (Marcela Bovio, auch live bei The Gentle Storm dabei), Eric Clayton als Verstand, Heather Findlay als Liebe, Devon Graves als Qual, Magnus Ekwall als Stolz und Irene Jansen (Verwechslungsgefahr mit ihrer Schwester Floor Jansen von Nightwish nicht ausgeschlossen) als Leidenschaft.

Nur drei Charaktere wurden neu besetzt:

Arjen Lucassen delegiert seine eigene Gesangsrolle als bester Freund an Jermain van der Bogt (aka Wudstik), mit dem er schon auf "01011001" zusammengearbeitet hatte. Das in Holland als Hansdampf in allen musikalischen Gassen zwischen Hip Hop und Progrock tätige Sangeswunder stellt das Original ganz klar in den Schatten. Und das ist keineswegs despektierlich gegenüber Lucassen gemeint. Insbesondere die Duette mit Marcela Bovio sind reines Gold.

Devin Townsends Rolle als Zorn hat deutlich mehr Einsätze als in der Studioversion und fusioniert außerdem mit dem Vater. Gesungen wird sie von Mike Mills, der auf dem letzten Ayreon-Album "The Theory Of Everything" bereits einen anderen Vater verkörperte.
Mills' Auftritt ist der wahnwitzigste und wohl auch spaßigste Teil der gesamten Show, vollkommen irre, der Typ.

Die dritte und ungewöhnlichste Neubesetzung betrifft die ursprünglich von Opeth-Mastermind Mikael Åkerfeldt verkörperte Furcht, welche von Anneke van Giersbergen naturgemäß ganz neu interpretiert wird. Von allen Änderungen mag dies für viele Fans wohl die gewöhnungsbedürftigste sein. Ich hatte damit allerdings keine Probleme, schon weil Anneke van Giersbergen für mich ja grundsätzlich eine Bereicherung für jede musikalische Darbietung darstellt.

Åkerfeldts gelegentliche Grunts sind trotzdem nach wie vor vertreten und scheinen aus den Reihen des Chores zu stammen.

Eindeutig erkennbar ist dies leider nicht, womit ich beim größten Kritikpunkt dieser Veröffentlichung bin: Die Bildauswahl und Kameraführung wird dem Niveau der Aufführung leider nicht gerecht, sondern erweist sich leider als sowohl von der Handlung, dem Bühnengeschehen, als auch den Lichtverhältnissen überfordert. Fernsehausstrahlungstauglich ist dieses Bild leider nicht - dabei hätte das Konzert es so sehr verdient.
Arjen Lucassen selbst gibt auf facebook ganz offen zu, dass ihn die Leistung des Filmteams alles andere als begeistert hat und es eine ziemliche Qual war, aus dem Material etwas brauchbares herauszuholen.
Das hat er letztendlich auch ganz gut hinbekommen, denn es ist am Ende auch nicht so, dass einem der Genuss der DVD verdorben wird. Es fehlen aber einfach Schwenks, Close-Ups und dramatisch sinnvollen Schnitte, sowie die höhere Bildqualität, nach denen die Show schreit.

Der Ton allerdings (Stereo oder 5.1) ist zum Glück einwandfrei. Und für alle, die mit dem Album nicht vertraut sind gibt es sehr hilfreiche Untertitel - sogar in verschiedenen Sprachen -, mit deren Hilfe stets ganz genau nachvollziehbar ist, wer da gerade was singt.


Doch zurück zum Wesentlichen:

Obwohl die Band mit Zwei-Gitarren-Rockbesetzung, mehreren Keyboards, Geige, Cello, Flöte und Holzbläsern schon recht breit aufgestellt ist, kann sie natürlich nicht alle Nuancen des Albums hundertprozentig reproduzieren.  Die Energie der Liveaufführung gleicht dies jedoch locker aus, so dass es tatsächlich kein Detail gibt, welches ich ernsthaft vermisse.

Anderseits gibt es einige zusätzliche Arrangements. So wird z.B. "Day Four: Mystery" durch einen langen A Capella-Teil des Chors erweitert. Zwischen den Songs tauchen einige Reprises auf, welche die Handlung noch etwas verdichten und entweder ebenfalls vom Chor getragen werden ("Reprise Pain 2")  oder Bruchstücke vorangegangener Songs mit veränderten Sängern und/oder Texten wieder aufgreifen.

Sowohl hier als auch für einige angepasste Textzeilen in den regulären Songs tauchen auch ein paar auf dem Album nicht enthaltene Nebenrollen auf, welche sich aus dem Chor rekrutieren: der Arzt, die Krankenschwester und die Mutter.

All diese kleinen Anpassungen sind sinnvoll und auf jeden Fall eine Bereicherung für die Umsetzung.

Es wird zwar durchaus geschauspielert (sogar inklusive einiger neuer gesprochener Sätze), doch natürlich ist "The Theater Equation" definitiv kein Theaterstück, sondern ganz klar eine Rock-Oper mit Betonung auf Rock bzw. Metal. Und natürlich den gleichwertig eingebetteten Musical-Elementen. Es tut jedoch niemand hier so, als wolle man sich um einen Tony Award bewerben. Nein, alle Konzentration ist darauf gerichtet, ein meisterhaftes Konzeptalbum angemessen auf die Bühne zu bringen.

Und das gelingt beeindruckend. Genau wie das zugrunde liegende Album findet "The Theater Equation" immer das richtige Gleichgewicht zwischen all seinen Bestandteilen. Vor allem aber reiht sich ohne Durchhänger ein Höhepunkt an den nächsten. Ja, ich bin hochoffiziell neidisch auf alle Fans, die diese Show live erleben durften.

Trotz der filmischen Mängel ist dies bisher für mich die Liveaufzeichnung des Jahres.
Da ich aber generell Musik-DVDs nicht allzu häufig einschiebe, sind die Audio-CDs hier aus meiner Sicht ohnehin das Hauptmedium.

Und ähnlich wie bei "Operation Mindcrime" oder "Scenes From A Memory" habe ich auch hier das Gefühl, dass sich die Liveversion in meiner Rotation langfristig sogar gegen das Studiowerk durchsetzen könnte.

Fabelhaft!




Anspieltipps: Von vorne und ganz! Ist schließlich "The Human f***ing Equation"!