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2016-03-31

#HdD - PraktiKuh

Hach damals...


als sich im Dezember 2013 mal ein Rindviech erfolgreich vor mir versteckte.




Aufgenommen mit der Praktica (ohne Namenszusatz, da erste Generation), von der ich immer noch nicht weiß, wie verlässlich sie tatsächlich ist, da ich natürlich nach wie vor keinen zweiten Film belichtet habe. Dringender Vorsatz für möglichst demnächst würde ich mal sagen.

Denn der Film von damals war ja durchaus ganz vielversprechend:






2016-03-29

HEXVESSEL - When We Are Death

Folk, der irgendwie aus einem Metal-Umfeld kommt; da kann einem gerade als regelmäßigen Wacken-Besucher zurecht das Grauen kommen. Deswegen gleich die vollständige Entwarnung: Hexvessel spielen definitiv keine albernüberflüssige Dudelsacksaufmusik. Glück gehabt.



HEXVESSEL - When We Are Death (LP+CD) (2016)

Die Musik der Finnen hat im übrigen auch gar nichts mit Metal zu tun.

Doch schauen wir uns doch zunächst einmal die LP, die ich mir neulich nach dem Konzert im Rock Café St. Pauli gekauft habe, an: Jene kommt in edelmatter Gatefold-Hülle mit doppelseitigem Cover- wie Innenmotiv. Dazu gibt es ein schönes großformatiges Booklet mit Fotos und Texten. Zusätzlich zur 180-Gramm-Rille ist das Album noch als CD inklusive dem Bonustrack "Last Lovers In Hell" enthalten.*



Muss also nur noch die Musik stimmen.

Jene macht auf mich immer noch den selben Eindruck wie direkt nach dem Konzert, auf dem ja auch vorrangig die Stücke des Albums gespielt wurden. Es ist entspannter bis spielwitziger, psychedelischer 60er/70er-Jahre-Folkrock mit leichtem Americana-Einschlag, der sich gar nicht erst die Mühe macht, seine offensichtlichen Einflüsse zu verhehlen.

Tatsächlich zählt die Band im Booklet sogar die Inspirationen für "When We Are Death" auf und nimmt einem so gleich den Wind aus den Segeln, wenn man kritisieren möchte, dass der Oberohrwurm "When I'm Dead" den allgemein schon sehr deutlichen The Doors-Touch  dann doch etwas zu weit treibt.

Nicht alles, was in dieser Liste zwischen Miles Davis, Chris Isaak, Burzum und Edward Snowden aufgezählt wird, muss man zwangsläufig heraushören können. So suche ich z.B. nach dem hörbaren Nachweis für das Mahavishnu Orchestra. (Und klar, vieles kenne ich Fachmann auch einfach nicht.)
Anderseits wäre ich ohne diese Rezensionshilfe wohl nicht darauf gekommen, dass das fröhliche Gestolpere in "Mushroom Spirit Doors" ganz klar das Steakaroma von Captain Beefheart in sich trägt.

Das lange instrumentale Out-Spacen ist nicht so das Ding von Hexvessel, auch wenn das Sextett dazu sicherlich in der Lage wäre, wie z.B. das vergleichsweise gesangsarme Finale "Hunter's Prayer" beweist. Stattdessen konzentriert sich die Gruppe auf übersichtliche Songs mit Ohrwurmqualitäten und gezielten Akzenten darüber hinaus, die sowohl von der Rhythmussektion, Gitarre, Orgel oder auch Trompete geprägt sein können.

Ok, von mir aus dürfte das eine oder andere Stück durchaus noch etwas in trippigen Quatsch oder epische Breite ausarten. Anderseits ist das alles so wie es ist schon durchaus sehr gut.
An den Gesang musste ich mich passagenweise etwas gewöhnen, kann nun aber weder hier noch im instrumentalen Bereich ernsthafte Schwächen entdecken.

Die größte Hitdichte herrscht von "Cosmic Truth" bis "Mirror Boy" auf der zweiten Hälfte der A-Seite, während es auf der B-Seite, wie "Drugged Up On The Universe" gleich unmissverständlich klar bzw. neblig macht, tendentiell eine ganze Ecke higher zugeht.

Ein feines Album, welches im Song-Einzelvergleich zwar nicht an die Größe von Motorpsychos Meistercover "Spin, Spin, Spin" heranreicht, an Ulvers "Childhood's End" (welches ich zugegeben nur in der "Live At Roadburn"-Variante kenne) aber durch seine größere Souveränität in der Emulation des Zeitgeistes durchaus knapp vorbeiziehen kann.


"When We Are Death" erfindet nichts neu, ist aber trotzdem ein erfrischendes Hörvergnügen und wird sich in neun Monaten gewiss in vielen Jahreslieblingslisten weit oben wiederfinden.




*Es gibt noch eine CD-Version des Albums mit einem anderen Bonustrack, "Shaman You". 


Anspieltipps: When I'm Dead, Teeth Of The Mountain, Cosmic Truth, Mirror Boy


2016-03-26

HEXVESSEL und NEW KEEPERS OF THE WATER TOWERS live im Rock Café St. Pauli (25. März 2016)

Hexvessel

In zweieinhalb Wochen geht ja schon wieder das Roadburn-Festival los. Der lächerlichste Teil in der Vorbereitung darauf ist, wenn man sich zunächst einmal im Line-Up alle Bands markiert, von denen man glaubt, dass sie sich lohnen könnten, und dann auf fünf Bühnen nur eine handvoll Konzerte übrig bleiben, welche man nicht markiert hat. So ist fast jeder Slot in der persönlichen Running Order mit einer schweren Entscheidung verbunden.

Zumindest die Planung für den ersten Festivaltag konnte ich mir nun ein wenig erleichtern, da gleich zwei Bands auf ihrer Road to Roadburn für wenig Eintrittsgeld in Hamburg gastierten, wo der gesetzlich vergnügungsfreie Karfreitag zum Glück in der Praxis eher ignoriert wird.

Hexvessel waren bis auf ein paar Videos neu für mich, und wegen der Personalüberschneidung mit Beastmilk, die ich live recht unspannend fand (bzw. jetzt deren Nachfolgeband Grave Pleasures) konnte ich die Gefahr von möglicher Langeweile nicht hundertprozentig ausschließen.


Die New Keepers Of The Water Towers hatte ich allerdings 2014 ihrwisstschonwo bereits gesehen und war deswegen auf einen exzellenten kosmischen Trip vorbereitet.

New Keepers Of The water Towers

Die kleine Bühne des Rock Café St. Pauli war mit Instrumenten und Bodeneffekten erwartungsgemäß vollkommen zugekleistert. Dabei haben die Schweden das parallel zur Gitarre gespielte Moog-Pedal sogar ausgemustert. Dafür musste als Ersatz aber ein weiteres Keyboard her. Und die neue, viel benutzte Lap-Steel-Gitarre musste ja auch untergebracht werden. Und weil das noch nicht genug Gedrängel ergibt, hat sich die eigentlich fünfköpfige Band noch um ein Livemitglied erweitert, um allerhand Percussions - natürlich inklusive dickem Gong - zu bedienen.

Im der Supportrolle geschuldet etwas zu kurzen Set wurden ausschließlich aktuelle Stücke des frisch veröffentlichten Albums "Infernal Machine" gespielt. Die Band hatte die LPs auch gerade rechtzeitig bekommen und ich ärgere mich ein wenig, dass ich mir das Ding schon vorher besorgt, da die Tourversion auf weißes Vinyl gepresst wurde, was ich ja immer sehr sexy finde.

Analog zur Entwicklung der Studioalben unterschied sich natürlich auch die Livedarbietung merklich von der zu "The Cosmic Child". Sehr wenig Gesang, dafür noch viel mehr verspielte bis düstere Klangfarben. Kauziger ist die Musik durchaus geworden, und für einige Hörer sicherlich schwerer zugänglich als der riffbasiertere Sound der Vergangenheit. Wie ich schon in meiner Plattenkritik schrieb, atmet dieses Zeug viel vom Geist der frühen Pink Floyd ("Live at Pompeji" oder auch "Meddle"), gerade auch in seinem kindlichen multiinstrumentalen Klangforschungsdrang. Ich bin sehr begeistert.

Eigentlich war ja der Plan, die Gruppe hier abzufrühstücken, aber die Chancen, dass ich sie mir nun in Tilburg, wo sie ein etwas längeres Set spielen werden, doch noch einmal anschaue, sind nun klar gestiegen. Vor allem interessiert mich ja, wie scheiße eng es dort auf der noch kleineren Bühne des Cul de Sac werden wird. Die Entscheidung wird letztendlich wohl an meiner musikalischen Tageslaune hängen.
  

Hexvessel

Bei Hexvessel herrschte dann ganz klar mehr Bewegungsfreiheit auf der Bühne. Dazu verhielt man sich auch personell gegenteilig zum Support-Act. Während die fünf New Keepers sich ja zu sechs Personen aufgestockt hatten, blieb bei den eigentlich sechs Finnen eine Sängerin/Perkussionistin des "When We Are Death"-Albums zu Hause.

"Psychedelischer 60er/70er Jahre-Folkrock" ist in diesem Blog aktuell ein Trendbegriff, der auch für Hexvessel rausgeholt werden muss. Mit vielen Ohrwürmern kommt er daher, aber auch mit ein paar rhythmisch fröhlich verdrehten Spielereien, und mit einem Keyboarder, der ab und zu zur Geige und für die bemerkenswertesten Highlights zur Trompete greift.

Konnten die Finnen für mich mit den Schweden mithalten? Nein, denn irgendwie kickt mich wie schon bei Beastmilk der Gesang auf Dauer nicht genug, und auch musikalisch dürfte es mir manchmal gerne noch etwas kantiger sein oder auch mal noch verrückter eskalieren.
Auf meine Gesamtwertung für Hexvessel-Konzert drücken diese Punkte aber kaum. Das war unterm Strich nämlich eine sehr gute Show, die auch ausgereicht hat, mich die neue LP mit nach Hause nehmen zu lassen.

Den regulären Auftritt der Band auf dem Roadburn werde ich mir wohl schenken, da ich nicht glaube, dass diese Musik auf der großen Hauptbühne des 013 besser als im kleinen Club zur Geltung kommt. Allerdings gibt es am Freitag eine spezielle Show zusammen mit Arktau Eos, die dafür schon sehr sicher bei mir eingeplant ist.


Wie auch immer - der Besuch im Rock Café hat sich ganz klar gelohnt: tolle Bands, volles Haus. So geht Karfreitag richtig. Denn wie ein weiser facebook-Freund heute morgen postete:

Jesus hätte Karfreitag sicher auch gerne getanzt, wenn er es nicht so mit dem Kreuz gehabt hätte.  



New Keepers Of the Water Towers:














Hexvessel:








2016-03-25

CHELSEA WOLFE - Hypnos / Flame

Ihr Düstermeisterwerk "Abyss" ist für mich nach wie vor eines der besten Alben des vergangenen Jahres. Jetzt veröffentlicht Chelsea Wolfe noch zwei weitere Tracks der Aufnahmesessions als 7":



CHELSEA WOLFE - Hypnos / Flame (7") (2016)

Die beiden Lieder "Hypnos" und "Flame" zeigen die Dark Folk-Sängerin wieder von ihrer ursprünglicheren Seite, die auf dem Album größenteils zugunsten von viel Metal-Krach zurückweichen musste. Untermalt nur von ihrer eigenen Gitarre, etwas Klavier und Dronesounds sorgt Chelsea Wolfes geisterhaft säuselnde und schwebende Stimme für Gänsehaut.

Da beides tolle Songs sind, die neben den ruhigen Albumtracks "Crazy Love" oder "The Abyss" problemlos bestanden hätten, kann ich Fans nur dringendst zum Kauf dieser Single raten.

Doch das ist noch nicht alles. Mal abgesehen, davon, dass Sargent House der 7" selbst - wie schon bei ihrer Split-Single mit King Dude - ein Textblatt beigelegt hat, was in dem Format ja nicht selbstverständlich ist, gibt es dazu noch den digitalen Bandcamp-Download inklusive drei Bonustracks.

Es handelt sich dabei um Demoversionen von "Grey Days", "Simple Death" und "Survive", die ihren fertigen Albumversionen wohl bereits zu ähnlich klingen, um eine Veröffentlichung auf einem physischen Tonträger zu rechtfertigen, anderseits aber auch viel zu hörenswert sind, um vollkommen unverbreitet in einem digitalen Archiv zu verstauben. In diesem Format stellen sie ein exzellentes, höchst willkommenes Extra dar.

Alles in allem also ein vorbildlicher Vinyl / Download-Komborelease mit fast 25 Minuten Spielzeit. Sehr schön. Und die Musik von Chelsea Wolfe ist ja ohnehin zauberhaft.

Anspieltipps: Hypnos, Flame

NEW KEEPERS OF THE WATER TOWERS' Infernal Machine

"Ein uneingeschränkt empfehlenswertes episches Metal-und-drüber-hinaus-Album" nannte ich das 2013er Album "The Cosmic Child" der New Keepers Of The Water Towers im Fazit meiner Kurzrezension.

Vieles was ich damals - oder auch zu ihrem Auftritt auf dem Roadburn 2014 - geschrieben habe, lässt sich auch auf ihr neues Werk übertragen. Nur ausgerechnet den Begriff "Metal" finde ich diesmal nur partiell zutreffend, denn genretypisch gerifft wird hier nur noch sehr selten. Im Grunde ist dies dennoch rein definitorische Formsache, denn auch ohne dieses Merkmal ist "Infernal Machine" ganz klar ein dunkleres Werk als der Vorgänger.




NEW KEEPERS OF THE WATER TOWERS' Infernal Machine (LP) (2016)

New Keepers Of The Water Towers spielen weiterhin intensiven, atmosphärisch sehr dichten, spacigen Progrock, jetzt noch deutlicher als zuvor in den halluzinogenen Siebzigern (und späten Sechzigern) verwurzelt. Das Klangspektrum der klassischen Rockbesetzung Gitarre, Gitarre, Bass, Drums wird durch allerlei weitere Klänge aus Synthesizern, Rhodes Piano, Lap-Steel-Gitarre, Moog-Pedalen usw. erweitert. Der daraus resultierende Sound ist stilistisch irgendwie immer im Fluss, letztendlich jedoch ziemlich eigenständig und klar wiedererkennbar.

Bemerkenswert ist dies vor allem, wenn man mal unter die Lupe nimmt, wie sehr die Schweden tatsächlich in jedem Lied etwas anderes ausprobieren:  

"Infernal Machine" beginnt gleich mit seinem längsten und vielleicht auch herausfordernsten Track. "The Forever War" ist ein elfminütiger, bedrohlicher Stampfer, dessen Finsternis und Brachialität direkt von den noch radiounfreundlichen Pink Floyd inspiriert zu sein scheint. Musikalisch gäbe es sicherlich noch naheliegendere Vergleiche, aber die Stimmung hier und auch auf weiteren der sieben Stücke des Albums hat durchaus was von den Engländern "live at Pompeji".

Das Instrumental "Tracks Over Carcosa" stellt danach den oft soundtrackartigen Charakter des gesamten Albums erstmals deutlich heraus. Ein von Goblin stammen könnender Lauf verbindet sich in diesem flott pumpenden Progstück mit cool surfendem kosmischen Wüstenrock.
Gesang spielt auf dem Album insgesamt eine eher untergeordnete Rolle. Er kommt nur in wenigen Stücken vor, entfernt und verfremdet, und dient vor allem als weitere, gleichwertig mit Gitarren und analogen Keyboards auftretende Klangtextur. Wer auf Sing-along-Rock und große Hooks steht, wird bei den Wasserturmwärtern 2016 also nicht bedient.

Roadburn 2014
"Tachyon Deep" zwingt einem mit seinem übermächtigen, schleichenden Mellotron zunächst natürlich den Namen King Crimson auf. Bald setzt ein hypnotischer Tribal-Rhythmus ein, über dem das Stück immer stärker brodelt und schließlich kocht. Kurz bevor der Topf überläuft, man würde schon noch ein oder zwei Steigerungsstufen erwarten, setzen die Keepers ihn jedoch ab. Mehrere Tracks des Albums enden gefühlt etwas zu früh, was aber gar nicht unbefriedigend ist, sondern eher wieder etwas von einem Filmscore hat, der relativ unvermittelt stoppt, um der Handlung des Streifens Platz zu machen.

Seite B beginnt mit dem zweieinhalbminütigen Intro "Misantropin Kallar", welches zwar nur das Potential zu einem vollwertigen Song andeutet, dabei jedoch die unerwarteste Referenz des Albums ins Spiel bringt. Kompositorisch könnte dies nämlich durchaus ein Fragment von Kraftwerk sein. Man bedenke, dass die Elektropioniere ihre Wurzeln ja im experimentell jammenden Krautrock hatten. Soweit liegen die Welten hier also im Prinzip gar nicht auseinander.

"Escape Aleph Minor" ist wohl der konventionellste psychedelische Spacerocksong hier. Der Kenner wippt vergnügt lässig im Progbeat mit. Locker machen ist auch wichtig, den nun kommt wie zu Anfang wieder schwerere Kost....

"Jorden" ist dunkel, langsam und erhaben. Ein Trauermarsch. Ein ganzes Album in diesem Stil und schon hätten wir es hier mit einer Funeral Doom-Band zu tun. Mit ganz leichtem Swans-Einschlag gegen Ende vielleicht.

Tatsächlich entpuppt sich "Jorden" als Overtüre zum folgenden Finale. Der Titeltrack "This Infernal Machine" beginnt zunächst ähnlich schwermütig, schwingt sich aber bald in epische und theatralische Höhen auf, ohne seinen infernalischen Kern zu vernachlässigen. Das Instrumental würde tatsächlich auch problemlos auf jedes Album der Dänen Liserstille passen.


Die New Keepers Of The Water Towers präsentieren sich auf "Infernal Machine" noch eigensinniger als zuvor und schicken den Hörer auch ohne Metalexzess und Ohrwurmrefrains auf einen packenden bedrohlichen Trip, der mit erstaunlicher Lässigkeit und exzellentem stilistischen Geschmackssinn serviert wird.

Und das Beste ist: In nicht einmal vierundzwanzig Stunden spielen sie als Support von Hexvessel in Hamburg. Also ich hab Bock.  


Anspieltipps: Tracks Over Carcosa, This Infernal Machine, The Forever War

2016-03-23

MOTORPSYCHO - Spin, Spin, Spin

Norwegen muss scheiße laxe Tierschutzgesetze haben. Oder Motorpsycho kümmern sich einfach nicht um Vorschriften. Fakt ist, dass die Band immer wieder ein zugekokstes Gürteltier die Konzepte für Coverartworks auswürfeln lässt. Anders kann ich mir den irgendwie doch großartigen Blödsinn, in dem die aktuelle Single aus dem "Here Be Monsters"-Album verpackt ist, zumindest nicht erklären.


MOTORPSYCHO - Spin, Spin, Spin (7") (2016)

Den Song "Spin, Spin, Spin" habe ich ja schon im Albumreview als Highlight hervorgehoben. Das H.P. Lovecraft-Cover hat auch in seiner eine halbe Minute kürzeren Singleversion noch das Zeug, zu einem der hypnotischsten Ohrwürmer des Jahres zu werden. Chronische Summ Summ Summ-Gefahr!

Die B-Seite enthält mit "Go Around Once" eine kleine feine Akustikballade, welche dem psychedelischen Sixties-Vibe  treu bleibt und noch intimer und lagerfeuriger als die A-Seite daherkommt.

Und muss man das Ding haben? - Wohl nur wenn man Motorpsycho-Komplettist ist, was mittlerweile ziemlich kostspielig geworden sein dürfte. Aber das sagte ich ja vor ein paar Monaten schon...

Als Fan macht man hier allerdings auch nichts verkehrt.

Ich habe mir die 7" jedenfalls gerne als Beikauf (zum voraussichtlich nächsten hier rezensierten Album) gegönnt.

Schön, schön, schön.

Anspieltipps: ach, komm!

2016-03-17

#HdD - cable stars

Hach damals..


als ich 1992 mal die technische Infrastruktur der englischen Provinz bewunderte und mit einer Instamatic-Kamera dokumentieren musste.



2016-03-15

TOBY DRIVER, NICK HUDSON und RADARE live auf der MS Stubnitz, Hamburg (13. März 2016)

Toby Driver mit Nick Hudson

Ich kenne ja die komplette Geschichte von Toby Driver und der Hansestadt Hamburg nicht, aber nach dem nicht gerade überlaufenen Konzert von Kayo Dot und Botanist im letzten Jahr war ich durchaus erstaunt, dass es den Dot-Mastermind auf seiner Solo-Tour überhaupt wieder hierher zog.

Anderseits würde wohl kaum ein Künstler die Möglichkeit ausschlagen, eine Location wie die MS Stubnitz zu bespielen. Der Innenraum dieses ehemaligen Kühl-Transportschiffes wurde zu einer sehr eigenwilligen und stimmungsvollen Live-Location umgebaut, welche nicht nur durch ihren optischen Charme, sondern auch akustisch zu überzeugen weiß.

Der aktuelle Ankerplatz am Kirchenpauerkai ist eine Wüste im Nirgendwo zwischen Hafencity und ehemaligem Freihafen, wo am späten Sonntag absolut das Herz der Einsamkeit schlägt. Da ich auf dem Hinweg die von Norden kommend unkonventionelle und ebenfalls vollkommen tote Route über Elbtunnel, Abfahrt Waltershof und Köhlbrandbrücke genommen hatte, habe ich mich wohl niemals vor einem Konzert in Hamburg so fern der Zivilisation gefühlt.

Zu dieser Zeit und an diesem Ort ein derart randgruppenrandperipherieorientiertes Special-Interest-Billing zu präsentieren, das ist schon ballsy, wie der Angelsachse sagen würde, und nötigt mir an sich bereits Respekt ab. Kein Risiko, keine Kulur.
Wirklich ein Jammer, dass dieses Bookingdraufgängertum nicht angemessen in Besucherzahlen belohnt wurde, zumal ich mir angesichts des läppischen Eintrittspreises im Nachhinein ja schon fast schäbig vorkam. So war das Verhältnis zwischen Crew/Künstlern und Besuchern leider ziemlich ungesund.

Aber immerhin habe ich als Ausgleich dafür ja die erste Band des Abends um ein paar Tonträger erleichtert:

Radare
Radare ist eine deutsche Band aus vier Multiinstrumentalisten, bei der neben klassischer Rockbesetzung aus zwei Gitarren, Bass und Drums auch noch diverse Orgeln und Synthesizer, sowie Klarinette und Posaune zum Einsatz kommen. Die Musik des Quartetts ist ein zumeist sehr getragener, instrumentaler Doomjazz, der mir spontan als Mischung aus der Mount Fuji Doomjazz Corporation (aka The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble) und der "Hex"-Phase von Earth erschien.

Das ist natürlich ein Rahmen, in dem sich auch Verweise zu zahlreichen weiteren Künstlern aus Advantgarde, Postrock, Jazz und Doom eröffnen, nicht zuletzt zum Wirken des heutigen Headliners oder zum großen John Zorn.
Radare schlagen zumeist ruhige Töne an, sind jedoch Meister der Dynamik und lassen ihre Stücke mit viel Geduld über lange Zeit anschwellen, können einen jedoch auch jederzeit mit feinen Nuancen überraschen. Es wird zwar niemals so ohrenbetäubend brachial wie z.B. bei Mono, doch die hier zelebrierte Bandbreite ist schon beachtlich. Vor allem aber ist Musik von Radare einfach eine enorm emotionale und eskapistische Reise, die für all ihre Zutaten das genau richtige Maß findet.

Für mich ganz klar meine bisher größte Live-Neuentdeckung des Jahres!


Nach Radare wurde es leer auf der Bühne. Eigentlich war die Gruppe ja als letzter Act angekündigt gewesen, was für die Dramaturgie des Abends vielleicht etwas schöner gewesen wäre, aber aus logistischer Sicht (weniger Umbauaufwand) kann ich schon nachvollziehen, mit der equipmentstärksten Gruppe anzufangen. 


Nick Hudson

Zunächst einmal blieb am linken Bühnenrand nur ein Mann am Klavier übrig.

Mir hätte schon während des Auftritts einfallen müssen, an wen zum Henker mich der Singer/Songwriter Nick Hudson konkret erinnert hat. Denn irgendwen gibt es da. Und jetzt komme ich auch nicht mehr drauf.

Wahrscheinlich ist mein Horizont auf dem Gebiet aaber eh zu begrenzt. Es blieb auf jeden Fall hoch emotional, war spielerisch und stimmlich absolut top notch und ich kann über nichts am Auftritt des Engländers beschweren. Dass die Einsamkeit der Nacht hier am greifbarsten wurde, war für die Performance an sich auch nicht schädlich.

Für ein paar Stücke wurde Hudson durch den mit Toby Driver gekommenen Schlagzeuger von Kayo Dot untertützt. dadurch war es dann auch ein ziemlich fließender Übergang, als anschließend alle drei für den größten Teil des Driver-Sets als Trio auf der Bühne standen saßen.


Apropos sitzen: Neulich hatte ich ja gerade erst die Seltsamkeit des Sitzkonzerts sanft bemängelt.
Diesmal war es allerdings ein Plus. Ein optionaler Sitzplatz an einem mit beseelten sanften Tönen zum Transzendieren mit geschlossenen Augen einladenden Abend ist einfach eine stimmigere und natürlichere Angelegenheit als ein reservierter Platz bei einer Dream Theater-Multimediashow, die einen großen Teile ihrer Gefühle ja eher simuliert (wenn auch gut) und mich nebenbei für die erste Reihe auch beinahe das neun(!)fache gekostet hat.

Aber zurück auf die MS Stubnitz:

Toby Driver

Toby Driver ist ganz klar ein eigener Kopf und Visionär. Und er gehört - was dazu keinesfalls im Widerspruch steht - zu jenen Künstlern, deren größte Stärken gleichzeitig ihre Schwächen sind.

Bei ihm ist es jene ausgeprägte Neigung zum überlangen, schwer fassbaren Mäandern, welches einige seiner Studiowerke zu Herausforderungen macht, auch wenn er den Musikstil und die Mittel seines Ausdrucks immer wieder variiert. Die endlosen, nicht auf den Punkt kommen wollenden Wellen des letzten Kayo Dot-Albums "Coffins On Io" sind live z.B. über jeden Zweifel erhaben, erwischen mich in der Studioversion jedoch immer wieder auf einem anderen Fuß.

Es ist ganz klar: Um sich in Musik des New Yorkers fallen lassen zu können, muss man sich - nicht immer, aber oft - erst aktiv auf sie einstellen. Die Tür ist offen, aber man muss selbst eintreten.

Sein aktuelles Soloprogramm ist musikalisch  nicht allzu weit von "Coffins On Io" entfernt, auch wenn das Instrumentarium (mit ihm an der Gitarre plus etwas Konserven- und Effektunterstützung - und ganz am Schluss schließlich auch ganz alleine am Klavier) reduzierter daherkommt. Man merkt, dass es die selbe Schaffensphase repräsentiert. Verglichen mit der Bandperformance kam ich nicht ganz so bequem in den Fluss hinein, doch erst einmal drinnen haben die wabernden Saiten, die jazzigen Beats und der schwebende Singsang das Schiff meiner Vorstellungskraft durch einen weiteren großartigen Auftritt gesteuert.


Insgesamt war der Abend also ein sehr erlesenes - und ungewollt exklusives - Erlebnis.

Schön, durch Gespräche mit den Radare-Gitarristen zu wissen, dass es auch für die Musiker trotz allem ein sehr besonderes Erlebnis war, auf diesem Konzertschiff zu spielen.

Wenn mein Zeitreiseboot eines Tages vom Stapel läuft, nehme ich gerne nochmal ein paar Leute mit. Es lohnt sich und ist eine sehr viel schönere Erinnerung an diesen Tag als seine erbärmlichen Wahlergebnisse.

Ahoi!


MS Stubnitz:



Radare:







Nick Hudson:




Toby Driver: