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2015-10-31

Pink Tank Festival 2015 im Atzehoe (Itzehoe, 30.Oktober 2015)




Puh, das war ja mal eine lange Nacht gestern im Atzehoe!

Einlass 19:00 Uhr, sieben Bands - da hatte ich ja mit einem Beginn um halb acht und ein paar sehr kurzen Sets bei den ersten Bands gerechnet. Aber nein, von Hektik oder einem strammen Zeitplan war nichts zu spüren. Und so war es am Ende fast drei Uhr nachts, als die letzten Töne des Headliners Bone Man verklungen waren.

Man hätte dies natürlich ahnen können. Immerhin handelte es sich hier ja um ein Festival des Labels Pink Tank Records, was bedeutet, das alle Gruppen irgendwo im Stonergedöns-Dunstkreis unterwegs sind. Und da impliziert das Klischee doch schließlich eine gewisse Gelassenheit.


Die neulich erst in der Schaubude wie immer überzeugenden Kieler Knochenmänner plus sechs mir bisher unbekannte und allesamt genreverwandte Bands an einem Abend also. Nicht die leichteste Voraussetzung, um sich am müden nächsten Tag ein Review aus den Fingern zu saugen. Deswegen - und weil bei mir Montag schon das nächste Konzert auf dem Kalender steht - war ich eigentlich geneigt, mich diesmal nur mit einer kurzen Anwesenheitsnotiz im Blog zu begnügen.
Da ich aber explizit darum gebeten worden bin, will ich nun doch versuchen, zu jeder Band zumindest ein paar Worte zu finden.


Den Anfang machten Kalamata, die mit ihrem rifflastigen Midtempogroove-Stonerrock gleich ein paar Standards für die komplette Konzertnacht festlegten, u.a. dass keine Gitarre ohne Fuzzgequake, kein Bass ohne Brummgezerr bleiben durfte. Ebenso sollte jede Band ein Trio sein. Optional, um hier mitmischen zu dürfen, war allerdings Gesang; Kalamata war die erste von gleich zwei Instrumentalgruppen. Eine gute Sache, da gerade der Gesang mich in diesem Genre gerne mal etwas nervt. Es regnet sicherlich keine Originalitätspreise für Kalamata, ich habe aber auch nichts zu meckern. Gute Band!

Von ZQKMGDZ (griffiger ging's wohl nicht) [edit: 10.000km² gegen die Zeit bedeutet das. Muss man natürlich wissen.] blieb vor allem hängen, dass der Gitarrist/Sänger recht früh im Set mit viel freakigem Effektgeschraube eines der launigsten Soli des Abends ablieferte.
Ansonsten zwar eine ganz ordentliche Band, die mich im Moment auch unterhalten konnte, die mir über eine längere Spielzeit oder für den Konsum zu Hause allerdings doch noch etwas zu beliebig klang.

Interessanter wurde es mit Moewn, der zweiten gesangsfreien Gruppe auf dem Billing, welche zwar auch nicht auf das übliche Riffgebrate verzichtete, jedoch psychspacigen und postrockend schwebenden Klängen ein ähnliches Gewicht in ihren Arrangements gönnten, was streckenweise sogar zu fast an Maybeshewill erinnernden Verträumereien führte. Für mich die interessanteste Neuentdeckung des Abends.

Hätte ich vorher von den Bandnamen darauf geschlossen, wer wohl am wenigsten mein Ding sein würde, dann hätte ich auf Testosteroll getippt - und Recht behalten. Ist auch nicht weiter schlimm, denn was die vier (der einzige Verstoß gegen die Trio-Regel!) Kieler erreichen wollen, gelingt ihnen wohl auch. Es ist halt nur nicht mein Ding. Wobei die instrumentale Seite des Stoner Metals von Mid- bis Uptempo mit Einschlägen aus Punk und Rock'n'Roll ja durchaus partytauglich ist. Aber diese Art Geshoute hat mich schon immer einigermaßen gelangweilt.

So, wer kam dann eigentlich? Wir befinden uns nun schon im Bereich nach Mitternacht und meine Aufnahmefähigkeit geht durch ein leichtes Tal.
Lost Moon aus Italien waren es. Mit Sicherheit die bis dahin erfahrenste und technisch versierteste Band. Stilistisch ziemlich sortenreiner Stoner Rock ohne andere Eskapaden. Hat nicht wehgetan, brauche ich aber auch nicht zum Überleben. Ansonsten kann ich aber echt nicht viel zu ihnen sagen, da ich gerade echt müde war.

Craang waren mit ihrer Bassistin einsame Verfechter der Frauenquote, was musikalisch natürlich keine Rolle spielt, für mich in erster Linie aber mal praktisch ist, da solche Alleinstellungsmerkmale ja helfen, so einen Musikabend im Nachhinein zerebral zu entknoten. Die Musik taugte allerdings auch rundum. Tatsächlich war Craang die erste Band, die komplett in allen Wertungen - Sound, Songwriting, Gesangsarrangements usw. - voll überzeugen konnte. (Ok, zwei Bands hatten natürlich gar keinen Gesang...)

Ich bin ehrlich. Wäre jetzt noch eine für mich neue Band gekommen, hätte ich spätestens jetzt Feierabend gemacht. Wenn man jedoch weiß, was einen mit Bone Man erwartet, dann reißt man auch gerne noch eine weitere Stunde ab.
Denn was die kieler Fuzzmaschine in ihrem wieder "Shapeshifter"-lastigen Set an wilden Grooves und tiefenentspannter Panik auf das Publikum losließ, dass lag in Energie und Intensität doch noch auf einem ganz anderen Level als alles, was in den vorigen knapp sechs Stunden passiert war.
Bone Man sind in den letzten Jahren wirklich zu einer Klasse für sich geworden. Sollte man gesehen haben - Gelegenheiten gibt's ja genug dazu...


Erwähnte ich schon, dass Stoner Rock  nicht wirklich zu meinen Leib- und Magengenres gehört? Trotzdem ein sehr netter Abend mit viel Musik für schmales Geld.

Ich ärgere mich nur jetzt doch ein bisschen, dass ich mir die neue Platte von Moewn nicht mitgenommen habe. Scheiß Budgetdisziplin aber auch!


Demnächst gibt's an dieser Stelle dann Reviews zu Konzerten mit weitaus weniger Interpreten aus den Genres Neofolk/Noise/Metal und Jazz.



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