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2015-10-18

KARYN CRISIS' GOSPEL OF THE WITCHES - Salem's Wounds

Im März zusammen mit Morgoths "Ungod" gekauft und immer noch kein Bloggeschreibsel, während ich alle anderen aktuellen Scheiben meiner Sammlung seitdem schon hier abgefrühstückt habe. Sowas!


Nein, weder der Name Karyn Crisis noch ihre vormalige Band Crisis sagten mir etwas, als ich auf dieses Album aufmerksam wurde. Und auch die Gruppen Ephel Duath und Immolation, mit denen die Dame bzw. einige ihrer Mitstreiter in Verbindung stehen, waren mir nur namentlich bekannt.

Tatsächlich war es alleine das Cover, welches mich bewog, doch mal in den vorab veröffentlichten Song "Mother" reinzuhören. Zusammen reichte das dann auch schon, um dieses Album haben zu wollen.



KARYN CRISIS' GOSPEL OF THE WITCHES - Salem's Wounds (2LP) (2015)

Der Grund, warum ich dieses Review schon so lange vor mir her schiebe, ist in erster Linie, dass "Salem's Wound" ein wirklich sehr spezielles Konzeptalbum ist, für das ich nur sehr schwer Einordungen und Vergleiche finden kann, die mich selbst einigermaßen überzeugen.

Zum lyrischen Inhalt will ich mich tippfingerschonenderweise gar nicht groß äußern. Ich denke, noch deutlicher könnte einen das aus Protagonistinnensicht behandelte Thema durch das Artwork ja auch kaum anschreien:


Wir sehen hier übrigens u.a. Karyn Crisis, fotografiert in Kostümen von Karyn Crisis, sowie mit dem Pinsel portraitiert durch Karyn Crisis. (Hier nicht zu sehen, aber ein liebevolles Detail für Katzenfreunde, sind die Augen auf dem Label der LPs, die einem verstorbenen Kater - natürlich von Karyn Crisis - gehören.)

Da erkennt man auf jeden Fall schon vor dem ersten Ton Musik, dass hier jemand ungehindert eine umfassende künstlerische Vision umsetzen konnte.



"Salem's Wounds" ist ein Album, in dem der Gesang ganz klar die Hauptrolle spielt - und Karyn Crisis gehört mit ihrer Bandbreite, bei der in einer Textzeile von sanftem Gesäusel und melodischem Cleangesang über immer noch erstaunlich melodisches Aggrogekeife bis hin zu boshaften Death Metal-Growls alles dabei sein kann, sicherlich zu den extremsten Vokalistinnen, die die Szene hergibt.

Der für Kenner chartaffinen Metals naheliegende Vergleich mit Alissa White-Gluz trifft den Nagel allerdings nicht auf den Kopf. Ihre Wurzeln liegen ja eher im Hardcore und sie erinnert mich viel mehr an Julie Christmas (Battle Of Mice / Made Out Of Babies), von der ich im übrigen auch gerne mal wieder ein Lebenszeichen hören würde.
Da wo bei Christmas spätestens solo Shirley Bassey eingezogen ist, wurde Karyn Crisis irgendwann dem düster okkulten Black Metal-Einfluss ausgesetzt. Sie bleiben aber beide sehr offensiv und selbstbewusst exzentrische Sängerinnen, an deren Performance man unmöglich vorbeihören kann.

Ein weiterer Name, der sich schon fast zwanghaft aufdrängt, ist die große Diamanda Galas.  

Fast alle Songs auf "Salem's Wounds" wirken wie Anrufungen oder Beschwörungen. Es werden eine oder mehrere Gesangsmelodien eingeführt, wiederholt, miteinander gemischt, übereinandergetürmt und immer weiter gesteigert. Durch Crisis' eigene stimmliche Vielfalt und die Unterstützung männlicher Bandmitglieder in den ganz tiefen Grunzregistern, ist also gesanglich fast durchgehend sehr viel los. Es entsteht dabei auch mehr als ein Ohrwurm, doch die Arrangements bleiben bewusst sperrig - Easy Listening-Fans werden hier wohl brutal enttäuscht.


Auch die instrumentale Begleitung will es einem nicht unbedingt leicht machen. Dabei ist sie durchaus schon als Gegenpol zu der vielen Gesangsaction zu sehen und hält sich bis auf wenige Ausbrücke überwiegend im nachvollziehbaren langsamen bis Midtempobereich auf.

Die Basis erinnert mich an aus dem Death und Doom Metal kommende Bands wie Dark Millenium oder Tiamat, als sie sich in den frühen Neunzigern gegenüber allen möglich Stilen geöffnet haben.
Auch wenn es für Reviews bald schon ähnlicher Allgemeinplatz wie der auch hier nicht ganz zu verleugnende Verweis auf Pink Floyd ist, muss man gerade in Bezug auf die Leadgitarren auch zwingend Paradise Lost (oder wahlweise My Dying Bride) nennen.
Es gibt auch ein paar Elektro-Einsprengsel, die allerdings gar nicht groß als solche auffallen, da hier doch alles sehr stimmig im Sinne des Gesamteindrucks zusammenfindet.

"Salem's Wound" ist über einen langen Zeitraum entstanden und das Werk von Überzeugungstätern. So eine konsequente und eigenständige Umsetzung einer musikalischen und konzeptionellen Idee schüttelt man nicht mal eben aus dem Ärmel. Das ist schon sehr beeindruckend.

Dass es dabei mit dreizehn die Hörgewohnheiten herausfordernden Songs ein bisschen lang ist und manchmal anstrengend zugeht, wird bewusst in Kauf genommen - bei einem Horrorfilm soll man sich ja idealerweise auch nicht bequem im Sessel einkuscheln und entspannen.

Zwar ist das Niveau der Platte durchaus Schwankungen unterworfen, doch unterm Strich gefällt bis begeistert mich eigentlich alles, was hier zu hören ist.

Meine größte Kritik betrifft etwas, das mir noch fehlt, nämlich hier und da die instrumentale Passage, in der sich die Musik noch etwas mehr von den dominanten Gesangsarrangements emanzipiert und selbst erzählt, und natürlich auch mindestens ein größeres Instrumentalstück, z.B. als Vorspiel zum Finale. Doch vielleicht denke ich da auch einfach noch zu sehr in den Regeln der klassischen Rock-Oper, an die Karyn Crisis' Gospel Of The Witches sich scheinbar nur sehr ungern halten.


Und zumindest bleibt damit ja auch noch ein Ansatz, an dem die Band arbeiten kann, wenn es um die Herkulesaufgabe geht, für dieses ungewöhnliche Album einen Nachfolger zu zimmern.

Große intensive  Kunst!





Anspieltipps: Mother, The Alchemist, Howl At The Moon, Aradia, The Ascent

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