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2015-03-25

NAPALM DEATH - Apex Predator - Easy Meat

Was? Nicht auf Vinyl? Und das bei dem *mmmmhhhh* schönen Cover?
Dabei enthält die Plattenversion doch sogar einen exklusiven Bonustrack!

Das CD-Mediabook kommt allerdings gleich mit drei (anderen) Bonustracks.
Und darauf spekulieren, dass der LP vielleicht wie vorbildlicherweise bei Deichkind ein Downloadcode für alles und noch viel mehr beiliegt, wollte ich lieber nicht...

Diese Art Entscheidung finde ich beim Albumkauf ja eher doof, vor allem bei einer Band mit  so kapitalismuskritischer Haltung wie Napalm Death.

Und das war [SPOILER ALERT!] auch schon die einzige negative Kritik, die mir zum neuen Werk der englischen Grind-Legende einfällt.


NAPALM DEATH - Apex Predator - Easy Meat (Mediabook) (2015)

Ich könnte es mir jetzt auch ganz einfach machen und sagen, dass Napalm Death es wie immer (=auf dem vorigen halben Dutzend Alben) machen. Wobei dieses "wie immer" ja zum Glück schon ein gesundes Maß an Abwechslung beinhaltet.

Die Basis ist stets schnelles, ultrabrutales und präzises Geblaste und Gestampfe, mal mit mehr, mal mit weniger Death-Metal-Einschlag, so wie ab und zu die Bremse und der Sturz in die No-Wave-Hölle.

Auf "Apex Predator - Easy Meat" ist es gleich der beschwörende, perkussive Opener und Titeltrack, bei dem Michael Gira aus der Ferne grüßt, ehe die Verstärker angeschmissen werden und mit allen Reglern auf elf das große Gedresche beginnt.

Grindcore ist nicht das Genre, in dem Lagerfeuer-Evergreens komponiert werden, doch Napalm Death schaffen es auch bei maximaler Kloppe erstaunlich oft, Ohrwürmer einzustreuen. Dazu kommen geschickt über das Album verteilte, überraschende Farbtupfer, z.B. durch Cleangesang ("Hierarchies") oder Klavier in "Clouds Of Cancer".


Barney (howling for liberation), Shane (grinding and howling for emancipation), Mitch (riffing and howling for release) und Danny (drumming out the despotic) feuern aus allen Rohren gegen Ausbeutung, Sklaverei, die dunkle Seite des globalisierten Raubtierkapitalismus. Und sie sind angefressen, wirklich wirklich angepisst. Selbst im Kontext des Œuvres der Grind-Urväter Napalm Death ist "Apex Predator" ein auffallend stinkiges Album.

Ich sag mal, die letzte Scheibe in meiner Sammlung, an die Napalm Death hier atmosphärisch anschließen, ist wohl "A World Lit Only By Fire" von Godflesh. Ich genieße die beiden auf jeden Fall gerne hintereinander.
Und ein würdiger Nachfolger für "Utilitarian" ist "Apex Predator - Easy Meat" natürlich auch.

Fazit: Qualitätsfleisch aus Meisterhand!

Bitte bald die Split-Single mit Voivod, von der ich es irgendwo munkeln hörte!
Überhaupt, was muss das mit den beiden Bands für eine saugeile Tour gewesen sein vor kurzem in Nordamerika... *Neid*

Anspieltipps: Cesspits, How The Years Condemn, Hierarchies, Stubborn Stains, Apex Predator - Easy Meat ... Zufallswiedergabe tut's auch!



2015-03-14

THE NEAL MORSE BAND + BEARDFISH live in der Markthalle, Hamburg (13.03.2015)



Gestern war es mal wieder soweit: Progfans aus aller Welt pilgerten in die Markthalle, wo zwei Jahre nach der "Momentum"-Tour mal wieder der Meister Neal Morse aufspielte, wenn auch diesmal unter der Bezeichnung The Neal Morse Band, was ich ja schon im Review zum aktuellen Album erläutert habe - und was sich auch live niederschlagen sollte...

Doch zunächst einmal zur Vorband:

Ich hatte von den Schweden Beardfish zwar schon mal hier, mal da ein Stück gehört, wusste also in etwa was mich stilistisch erwartet, doch wirklich auseinandergesetzt hatte ich mich mit der Gruppe bisher nicht. Schande über mich!
Beardfish spielen Progrock im sehr geerdeten und deswegen auch manchmal dreckigen Retrogewand, mit großem Gespür für die richtige Balance zwischen Ohrwurm und Spielerei. Vieles klingt viel straighter als es eigentlich ist - oder umgekehrt?
Irgendwo zwischen Haken und New Keepers Of The Water Towers für mich.

Auf jeden Fall habe mich die allesamt sehr ausschweifenden Stücke durchweg begeistert. Insbesondere das Normalerweise-Instrumental "Coup de Grâce" war ein Highlight. Und mit seinem plötzlichen, sehr hohen Aaaaah-Gesang in einer Passage hat es der ohnehin versatile Sänger tatsächlich geschafft, den größten Gänsehautmoment des Abends rauszuhauen.

Ansonsten gibt es als i-Tüpfelchen zur hervorragenden Musik noch das seltsame Stageacting des Bassisten, welcher - so nehme ich an - extra in Socken spielt, um seine Moves besser performen zu können.

Daumen hoch!

Setlist:
  •  Hold On
  • Comfort Zone
  • Coup de Grâce
  • If We Must Be Apart (A Love Story Continued)
  • Ludvig & Sverker






Und dann kam die Neal Morse Band, die korrekterweise eigentlich The Neal Morse Eric Gilette Bill Hubauer Randy George Mike Portnoy Band heißen sollte, so sehr agieren die fünf Musiker auf Augenhöhe.

Gleich nach dem Intro der Einstieg mit der A Capella-Harmonie von "The Call": Wow! Da wüsste man als Neuling schon über das Niveau des Abends bescheid, noch bevor überhaupt ein Instrument benutzt wird. Und dann dieser tolle Song. Randy George setzt starke Akzente mit dem Bass und auch der Vergleich von Gilette mit John Petrucci wird schnell bekräftigt. Man muss nur während seinem Solo die Augen schließen und schon ist die Illusion perfekt.

Im Verlauf des etwa zweieinhalbstündigen Sets wurde neben neuen und alten Morse-Songs auch seine Vergangenheit bei Spock's Beard gewürdigt, und in dem Teil der Show, wo er an jedem Abend der Tour ein Lied solo auf der Akustikgitarre spielt, hatte er sich diesmal von Transatlantic "Rose Colored Glasses" plus das Finale von "The Whirlwind" ausgesucht.

Diesem folgte die Ballade "Waterfall", bei dem sich Bill Hubauer (hier auch an der Akustikgitarre sowie der Klarinette), Morse, Portnoy (nur mit Tamburin) und Gilette die erste Reihe teilten und auch live mit einem sensationellen Harmoniegesang beeindruckten.

Besonders hervorheben muss ich auch "Alive Again", nicht nur weil der schon in der Studioversion siebenundzwanzig Minuten mächtige Opus an sich schon der neue "Stranger in Your Soul" ist.
Nein, die in eben jenem Transatlantic-Song gerne gepflegte Tradition des Instrumententausches im Laufenden Lied wurde hier in einer Erweiterung irgendwo in der Mitte wieder aufgegriffen und absolut auf die Spitze getrieben:
Zunächst einmal übernimmt Neal Morse das Schlagzeug von Mike Portnoy. Soweit, so bekannt. Jener schnappt sich für eine ganze Weile den Bass und gibt dabei den Präsentator für eine ganze Reihe von Soloeinlagen: Eric Gilette am Keyboard, Bill Hubauer an der Gitarre, Eric Gilette am Schlagzeug mit einer Performance, welche zeigt,  dass er dieses Gitarren-Ding notfalls auch den Nagel hängen könnte. Der Mann hat ja der legende nach seinerzeit auch auf allen Instrumenten für Neal Morse vorgespielt. Man könnte auch sagen, Mike Portnoy ist faul geworden und delegiert jetzt schon seine Drumsoli.

Was kann danach noch kommen? Klar, wenn man noch eine Steigerung braucht, dann lässt man die coolste Sau der Band, Randy George, einfach simultan ein Gitarren- und Keyboardsolo spielen!
Reicht nicht? Ok, dann kniet sich der Herr eben hin für den heiligen Gral der Prog-Nerds: das handgespielte Bass-Pedal-Solo! Und so ein paar Takte John Deacon hat man ja eh immer gerne.
(Ich war nebenbei erwähnt übrigens neulich geburtstagsbeschenkt in der Queen-Planetarium-Show "Heaven". Kann man gut mal anschauen. Mit dem Weltraum- und Bewegungszeug kommt 3D-Kino nicht mit...)

Als Zugabe kam danach noch ein großes Medley mit Stücken, bei denen man als Atheist Form vor Inhalt stellen muss, aber musikalisch kann man ja auch "Oh Lord My God" und "King Jesus" nichts anhaben.

Es hilft natürlich auch sehr, dass Neal Morse einfach ein unendlich sympathischer Charakter ist. Ich kenne wenige Musiker, die ähnlich viel Freude an der Musik ausstrahlen. Und Hugs hat er auch verteilt. Mit umgeschnallter Gitarre mitten im Publikum, in der vollen Markthalle. Das gab wohl ein paar Selfies, wegen denen die Smartphones nun mit goldenem Rahmen an die Wand gehängt werden.

Und den Goldrahmen hat dieses Konzert auch verdient. Vielen Dank die Herren!


Setlist:
  • The Call
  • Leviathan
  • The Grand Experiment
  • Harm's Way / Go The Way You Go
  • Keyboard Solo (Bill Hubauer)
  • The Creation
  • Rose Colored Glasses / The Whirlwind
  • Waterfall
  • Guitar Solo (Eric Gilette)
  • In The Fire
  • Alive Again
  • Rejoice / Oh Lord My God / Jet / Reunion / King Jesus























2015-03-09

DEICHKIND - Niveau Weshalb Warum

Schantall, die Niewoh wird doch schwindelig da oben! Hol dem da mal runter!

Enter Deichkind!



DEICHKIND - Niveau Weshalb Warum (2LP) (2015)


Deichkind ist Musik für Doofe, denn die machen voll viel so Quatsch für Doofe.

Deichkind ist Musik für Schlaue, weil die sich in jeden Quatsch für Doofe eine schlaue Metaebene hineingeheimsen können.

Deichkind sind voll doof. Die rappen über das Scrollen in der facebook-Timeline, über den Alltag auf dem Flohmarkt und über leere Joghurtbecher, die umkippen, wenn man den Löffel in sie hineinstellt.

Deichkind sind voll schlau. Denn einer muss ja über diese Dingen rappen.

Deichkind sind Stumpf wie Scooter.

Ja, aber in gut. Deichkind bedient sich zwar bei der schlimmsten Euro-Dancemucke der Neunziger, pickt sich daraus die Perlen, bei denen Kraftwerk-Erbe erkennbar bleibt - und das Zeug hat einfach den boombastischen Superbass und ist... ja, ich sag es mal: leider geil.

Deichkind, die Gruppe die sich um die Bereicherung der deutschen Sprache verdient gemacht hat wie Friedrich Nietzsche mit dem "Kind im Manne" und Giovanni Trapattoni mit der "Flasche leer".

Deichkind
, die schon deswegen voll Kultur und Föhtong sind.

Deichkind, mit deren modernem Klassiker "Krawall und Remmidemmi" Mambo Kurt in Wacken den Biergarten zum Eskalieren bringt.

Bitte lesen Sie den vorangegangenen Text mit der Stimme und Gestik von Markus Lanz!


Jetzt aber nochmal ernsthaft Review deshalb darum:

Ich will das Album ja doof finden, aber das geht nicht! Kann ich ja auch nichts für.

Die Musik wandelt auf dem schmalen Grad zwischen oh nee, echt? und echt gut gemacht, stürzt auch mal ab bzw. springt absichtlich runter und rappelt sich wieder auf.
Und in dem lyrisch sehr übersichtlichen Straßenkriminalitäts-Hörspiel "Oma gib Handtasche" erzählt die Musik tatsächlich eine sich vor dem inneren Auge in Scorsese-Format ausbreitende Geschichte!

Elektropunk de Luxe.

Und die Texte, die hier ja - was bei mir extrem selten vorkommt - noch wichtiger sind, stecken voller Brüller, Quatsch, Pointen und machmal tatsächlich auch einer Spur Ernst. Und abgesehen von Selbstabfeierstumpfsinn wie "Was habt ihr?" oder totalem Dada wie im Titelsong, ist da tatsächlich sehr vieles nah an Alltag, Lebensrealität, Zeitgeist, was sonst vielleicht unformuliert bliebe.

Ich könnte müsste sollte jetzt eigentlich Zitate bringen, aber die Auswahl dafür ist echt zu groß, da sich aus fast jedem der Songs Konfuzius würdige Catchphrases ableiten lassen. Gyle Rhymes eben!


"Niveau Weshalb Warum" enthält auf der Doppel-Vinyl-Version zwölf Tracks.

Für die reguläre CD wurde eine deutlich andere Reihenfolge ausgewürfelt und es kommt noch das stilistisch etwas ausscherende "Der Flohmarkt ruft" hinzu.

Die Deluxe-CD-Version enthält dazu noch alle Stücke als Instrumentalversionen und zwei weitere Bonustracks. "Schlafwandler" ist vielleicht nicht auf dem Album gelandet, da es inhaltlich recht dicht an "Like mich am Arsch" dran ist.

Und "Selber machen lassen", das größte deutsche Gastsängerschaulaufen seit Campinos "Do They Know It's Christmas", in der Bonusecke zu vestecken, ist an sich schon ein (wie immer doofes und schlaues) Statement. Smudo, Udo Lindenberg, König Boris, Sido und Jan Delay sind da nur einige, die ich auch ohne Internet-Spicken erkannt habe. Weitere sind z.B. Inga Humpe, Jennifer Weist und laibhaftig Bernd das Brot!

Kauft man sich die Schallplatte, so bekommt man noch den eierlegenden Wollmilchcode dazu, d.h. alle insgesamt 28 Tracks der Deluxe-CD sind zumindest als Download dabei. Chapeau!

"Fühl den Bierschaum, genieß diesen Trip in den Trashtraum!"


Mein Review ist fertig, endlich fertig.




Anspieltipps: Mehr als lebensgefährlich, Denken Sie groß, Die Welt ist fertig, So'ne Musik, Oma gib Handtasche


THE NEAL MORSE BAND - The Grand Experiment

Kommenden Freitag gastiert die kreative Prog-Männerfreundschaft Nr. 1, sprich Neal Morse und Mike Portnoy, mal wieder in der hamburger Markthalle.

Zeit, sich anzuhören, was für ein Album sie im Gepäck haben!


THE NEAL MORSE BAND - The Grand Experiment (LP+2CD) (2015)

Sowohl die Betonung der Band als auch der Albumtitel verraten es bereits: Dies ist kein reguläres Soloalbum des Sängers und Multi-Instrumentalisten. Einen radikalen Bruch mit Gewohntem stellt "The Grand Experiment" allerdings nicht dar. Das verrät schon ein Blick auf die Playlist, die formal denen von Spock Beards "V" oder Transatlantics "Kaleidoscope" ähnelt: ein Longtrack vorne, dann drei kürzere Stücke (inklusive einer Ballade) und zum Abschluss ein über 26minütiger Epos.
Auch dass dem Album eine Bonus-CD mit weiteren Studiosongs, einer Coverversion und Liveaufnahmen älterer Stücke beiliegt, ist beim hardest working man in prog nichts, was irgendwen überraschen dürfte.

Der einzige - aber entscheidende - Unterschied zu den vorigen Progrock-Albem von Neal Morse (also nicht den Singer/Songwriter und Worship-Alben, die der Mann ja auch noch ständig raushaut), ist dass er diesmal kein Material vorbereitet hatte, sondern alles von Null an komplett gleichberechtigt mit der Band komponiert wurde.
Die Band besteht aus fünf Sechsteln der Besetzung der "Momentum"-Tour, also neben der Rhythmussektion aus Mike Portnoy und Basser Randy George aus Bill Hubauer an Keyboards und allerhand anderem Gedöns und dem zurecht viel mit John Petrucci verglichenem Gitarren-Wunderkind Eric Gilette. Sogar Portnoy sagt das.

Und wie wirkt sich die größere Beteiligung der Musiker (laut Morse soll Bill Hubauer wahrscheinlich größere Songwritinganteile als er selbst haben) nun aus?
Vor allem in Frische!

Denn auch wenn im grundsätzlichen Aufbau nichts passiert, dass man von Neal Morse nicht erwarten würde, so hat doch jeder Song reichlich Momente, die den speziellen Charakter dieses Albums ausmachen.
Da sind z.B. die super souveränen, dominanten Grummel- und Slapakzente, die der Bass setzt, und auch alle anderen Instrumente spielen sich immer wieder offensichtlich von Morse' hier eben nicht gegebenen Masterplan frei.

Und betrachtet man nur das Drumming, so sollte "The Grand Experiment" sich auch in der Discographie Mike Portnoys sehr weit oben wiederfinden. Der Ausnahmedrummer findet hier ein sehr gutes Gleichgewicht aus Songdienlichkeit, bewährten Trademarks und überraschenden Details. Vor allem spürt man hier ähnlich wie beim Debüt der Winery Dogs einfach, dass der Mann Bock auf Mucke hat.
 
Ganz offensichtlich prägend sind natürlich die Passagen, in denen Hubauer und Gilette den Leadgesang übernehmen und sich dabei beide als echt große Vokalisten erweisen. Dass auch Mike Portnoy seine Backing- und Harmoniegesangsmomente hat, war da schon eher zu erwarten. Und dass er das mittlerweile sehr souverän macht, ist ja inzwischen auch bekannt.
Der größte (wiederkehrende) Gesangsmoment des Albums ist vielleicht die perfekt ineinander fließende Harmonie im Refrain der Ballade "Waterfall". Überhaupt, was für ein großer Song! In dieser Richtung vielleicht der größte Wurf seit "We All Need Some Light".

Zu den anderen Songs:

Der Opener "The Call" beginnt sofort mit sehr viel später wieder aufgegriffenem A Capella-Gesang und bewegt sich in den folgenden zehn Minuten vorwiegend im Reich des harten Progressive Rock mit hymnischem Gesang.
Der Titelsong ist dann ziemlich straighter Rock mit typischem Morse-Stampfriff und - ebenfalls typisch - sehr positiv aufbauender Stimmung. Ebenso wie das nach dem schon erwähnten "Waterfall" folgende, noch kompaktere, gesanglich zwischen fröhlich und sphärisch wechselnde "Agenda" wäre mir das Stück für sich alleine etwas zu einfach. Oder anders gesagt: ein komplettes Album in dieser Richtung würde ich mir nicht kaufen wollen. Im Zusammenhang funktionieren die Lieder aber gut.

"Alive Again" bildet auf Schallplatte die komplette B-Seite. Was soll ich mich groß bemühen, das Ding zu beschreiben? Es ist der Über-Epos der Scheibe mit all den lustigen, mächtigen, beeindruckenden Instrumentalpassagen, den Upbeats und den emotionalen Momenten und dem obligatorischen großen Finale... dick aufgetischt und dabei in sich sehr stimmig!

Und dann kommt ja noch die Bonus-CD, auf der das Niveau keinen Millimeter absinkt. "New Jerusalem" und "Doomsday Destiny" hätten ohne Bedenken auch aufs reguläre Album gepasst.
Und das Richard Harris-Cover "MacArthur Park" ist einfach überragend.

Es folgen mit "The Creation" und "Reunion" noch Opener und Abschluss des "One"-Albums welches Neal Morse auf dem von ihm veranstalteten Morsefest erstmals komplett live gespielt hat.
Also zusammen noch einmal eine gute halbe Stunde epischer Prog vom feinsten.


Was bleibt noch zu sagen?
Es gibt sowohl auf dem Album, als auch den Livesongs neben der Band noch Gastmusiker zu hören, also Saxophon, Streicher und Chöre.

Und natürlich sind alle Texte sehr spirituell. Neal Morse ist zutiefst religiös und trägt dies auch in die Welt hinaus. Ich persönlich kann damit gut umgehen, da ich die Lyrics zum einen ähnlich wie bei Behemoth (um mal ein extremes Beispiel zu nennen) eher als zur Musik passende Geschichte für sich ohne weltanschauliche Wertung betrachte. Und zum anderen hält sich Morse mit biblischem Vokabular auch weitgehend zurück, so dass die Texte hier auch für Atheisten persönliche Bedeutung entfalten können.
Die Bonusdisc hat da schon ein paar explizitere Momente mit dem bösen guten G-Wort, gerade im Liveteil, aber das weiß man als Fan ja und da muss man dann eben durch.

Zum Schluss noch das Äußerliche:
Obwohl es nur eine LP ist, kommt diese im Gatefold-Cover mit allen Texten der fünf regulären Tracks. Das Cover ist an sich auch schick; allerdings sollten es sich Layouter bitte sparen in solche Bilder auf dem Backcover noch die posende Band hineinzupasten - und wenn, dann doch bitte im passenden Größenverhältnis! (Hey, ich haben einen negativen Kritikpunkt gefunden!)


Fazit:
Auch wenn die letzten Absätze davon unnötigerweise etwas ablenken mögen:

"The Grand Experiment" ist ein Erfolg auf ganzer Linie, ein fettes Ausrufezeichen des Genres und der beteiligten Musiker. Das Konzert am Freitag kann also kommen!
  

Anspieltipps: Alive Again, Waterfall, The Call, MacArthur Park

2015-03-08

PAPIR - Live At Roadburn

Und zur Abwechslung - haha - mal wieder das Thema Roadburn Festival!

Ich habe dort letztes Jahr ja nun wirklich viele Shows gesehen. Da ich mich aber noch nicht aufteilen kann, habe ich auch einige Highlights verpasst. Eines davon habe ich mir jetzt als Doppel-LP nachreichen lassen. Und was für ein Highlight das ist!



PAPIR - Live At Roadburn (2LP) (2015)

Tatsächlich haben die drei Dänen ja gleich drei Auftritte auf dem Festival gehabt. Dem letzten davon, wo sie als Teil der Papermoon Sessions auf der Bühne standen, konnte ich zum Glück beiwohnen. Jener Auftritt ist übrigens ebenfalls als CD erhältlich und erscheint demnächst auch auf Vinyl.

Dieses Album dokumentiert den ersten Auftritt am Freitag. Hätte ich früher von dem Release gehört, dann wäre vielleicht auch die strenger limitierte Version mit einer zusätzlichen 10"-Platte mit Aufnahmen vom Samstag drin gewesen. Aber dafür kam ich leider zu spät. Es blieb also "nur" die Doppel-LP. Diese kommt als Teil der umweltfreundlich hergestellten "Impetus"-Serie von El Paraiso Records in einer schicken, sehr eigenwilligen Hülle, die etwas an historische Jazz-Plattencover erinnert, wobei das Sujet in diesem Fall natürlich ganz klar Rockmusik ist.
Die Qualität der Tonträger selbst ist makellos. Dazu gibt es das Cover als festen Print, als Sticker und einen Downloadgutschein für die Digitalversion des Albums, welche die Songs in der Originalreihenfolge enthält, während für die Platte etwas getauscht werden musste. Für den Hörgenuss ist die Reihenfolge allerdings unwesentlich.

Papir sind eine instrumentale Jam-Band, die rein technisch gesehen bisher eigentlich ausschließlich Livealben aufgenommen hat, live im Studio eben.
Doch auf einer Bühne des Roadburn Festivals, dem europäischen Mekka der Szene, und dementsprechend motiviert, entwickelt sich natürlich noch eine ganz eigene Energie.

Die Zutaten für ihre langen, hypnotischen Stücke holen sich Papir aus der Geschichte der Rockmusik, wobei die Labels stoner, space, psychedelic und eine Prise Kraut jedoch stets im Fokus stehen.
Die Gefahren, welche diese Stilistik in sich trägt, sind bekannt: es könnte zu selbstvergessen oder selbstverliebt werden, sich durch Phasen kreativen Leerlaufs schleppen, zu sehr Seht nur, wie wir auf Pilzen sind! rufen. Doch all dies trifft auf das dänische Trio zum Glück nicht zu.

Papir sind ruhelos, energisch. Fast das gesamte Konzert über treibt die kräftig Rhythmussektion nach vorne, während die Gitarre Stimmungsteppiche in allen Intensitäten darüber legt. Und auch wenn jedes der bis über viertelstündigen Stücke auf Wiederholungen und das vollkommene Auskosten von Themen setzt, wird das Ganze doch in keiner Minute beliebig oder langweilig.

Vergleichbare Bands gibt es gerade heute natürlich haufenweise, aus meiner Plattensammlung denke ich da z.B. an die White Hills und noch mehr an die Kieler Fuzzrocker Bone Man, denen ich einen ähnlichen Wumms bescheinigen würde. Und um auch einen ganz großen Namen zu nennen: Was diese niemals nachlassende, scheinbar ins endlose rockende Kraft von "Live at Roadburn" (und auch die Leadgitarre in "Monday") angeht, so muss ich tatsächlich ein wenig an eines meiner absoluten Lieblingslivealben aller Zeiten denken, nämlich das legendäre "Lotus" von Santana.

Als Fazit lässt sich also sagen, dass dieses Album ganz ok ist.

Nein, Quatsch! Papirs "Live at Roadburn" ist wahnsinnig gut!
Ich finde absolut gar nichts zu beanstanden.

Perfekt.

Anspieltipps: Sunday #2, Live I, Monday


LUCIFER - Anubis / Morning Star

Erst einmal einen dicken Dank an Rise Above Records, dass man dort auch von schnell vergriffenen Kleinauflagen wie dieser goldenen 7"-Scheibe ein paar für Schadensfälle zurücklegt. Mein Exemplar kam nämlich mit  kratzwütigem Plastikkrümel in der Hülle und war somit nur einseitig zu gebrauchen.

Nun habe ich die Debüt-Single von Anubis endlich in voll funktionstüchtiger Ausführung und das beschädigte Teil hängt mit der Schokoladenseite nach außen an der Wand.




LUCIFER - Anubis / Morning Star (7") (2015)

Lucifer ist die neue Band von Sängerin Johanna Sadonis nach der Auflösung der leider allzu kurzlebigen The Oath. (Nein, mit wirklich brandneuen Bandnamen hat es die Dame nicht so.)

Die Fragen, die man als Fan an diese insgesamt knapp neunminütige Vorstellung der neuen Gruppe hat, sind also ganz klar: Schließt es an das selbstbetitelte Album von The Oath an? Und ist es genauso gut?

Die erste Frage muss ich bejeinen. Beide Songs könnten fast Coverversionen von Stücken aus einer Schatzkiste unveröffentlichter Black Sabbath-Perlen sein. Will sagen: Das reine Doom-Element wird hier noch ein wenig mehr umarmt als bei The Oath, was die Gruppe musikalisch durchaus noch mehr in die Ecke von Avatarium rückt. Aber wer sagt mir, dass sich jene Band nicht auch so hätte entwickeln können?

Zum Glück ist diese Frage ja irrelevant. Was zählt ist, dass "Anubis" und "Morning Star" wirklich zwei ganz starke Songs für Freunde des traditionellen, im Blues geerdeten und authentisch produzierten 70er-Jahre-Metals sind, die einfach Laune und Bock auf mehr machen. Müsste ich mich für eine Seite entscheiden, dann nähme ich "Morning Star", weil es mir da der Gesang besonders angetan hat. Das hohe Niveau der Vorgängerband wurde auf jeden Fall gehalten!

Ich bin schon gespannt aufs Album und kann nur hoffen, dass ich es auf die Reihe bekomme, mir die Show von Lucifer auf dem kommenden Roadburn-Festival zu Gemüte zu führen.

Anspieltipps: Morning Star, Anubis

2015-03-04

LUMERIANS - Transmissions From Telos Vol. III

"Earth looks so tiny from here... yet so beautiful. I'll never grow tired of this view.
And it makes you think, you know, of the bigger picture. I mean... like... imagine a world without horses, but with zebras instead. - Not much different, except for the stripes, you might say. But consider that you can only tame a zebra. But you cannot domesticate it!"

"Wow. Never thought of that.
Oh wait, we got something there!"

"Noise?"

"No, that's an intelligent signal. Transmissions."

"Yeah, I see it! See where it's coming from? That's insane!"

"Unbefuckinlievable..."

"I have the audio now. Scanning for voices."

"Anything?"

"Na. Nothing. Only sounds. But I'm pretty sure we can get the message anyway.
Let me put it on the speakers."

"Niiiiiice."

"Let's watch some muted curling videos to that!"

"Yeah, curling!" 


LUMERIANS - Transmissions From Telos Vol. III (Vinyl) (2014)

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     / /` |  /    \  \  |
    / /   \ ;      \ (\ (
    \\_    ||       || ||
     \_]   ||       || ||
          /_;      /_
Anspieltipps: Hook For An Eye, Murder Dubbs, Caballero Futuro

ARCHIVE - Restriction

Ok, nach dem tollen Konzert am Sonntag will ich natürlich auch noch ein paar Worte zum aktuellen Longplayer von Archive verlieren, welchen ich neulich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe.



ARCHIVE - Restriction (2LP+CD) (2015)

Ich fange mal mit den Äußerlichkeiten an: Die Gatefold-Hülle dieser Doppel-LP ist definitiv ein Hinkucker. So ein Layout kann nicht groß genug sein kann. Ich meine, seht es euch an:


Epischer geht es ja wohl kaum. Und das mit einem Band-steht-irgendwo-in-der-Gegend-herum-Coverfoto! ;)

Wie auf dem oberen Bild zu sehen, enthält das Package neben den schweren Vinylscheiben auch eine CD-Version des Albums. Löblich.

Was das musikalische Werk angeht, so kann ich sicher sagen, dass dieses Album vieles nicht ist:
Es ist nicht so dystopisch düster wie "Controlling Crowds". Es ist nicht so emotional wie "With Us Until We're Dead". Und es wartet auch nicht mit Artrock-Mammuttracks wie "Lights" oder "Again" auf.

Dennoch ist "Restriction" jederzeit unverkennbar Archive, also diese stimmige Melange aus Postrock, Electronica und hastenichtgesehn, in der Ordnung und Ausarten, Unterkühltheit und Leidenschaft keine zwingenden Gegensätze sind.

Das Album beginnt ohne Vorgeplänkel gleich flott mit "Feel It". Der von Dave Pen gesungene Track erinnert an rockigere Sachen der neueren Radiohead, und auch im weiteren Verlauf bleibt dies die Band, mit der man Archive auf "Restriction" wohl am ehesten vergleichen kann. Sofern man denn nach externen Vergleichen sucht...

Der Titelsong hat mit Pollard Berriers Wiederholungs-Gesang eines von mehreren leicht gewöhnungsbedürftigen Gimmicks auf dem Album, an die man sich evtl. in mehreren Durchläufen gewöhnen muss, ehe sie richtig zünden. Aber diese sperrigen Tracks und/oder Details, die überwunden werden wollen, sind bei Archive ja nichts neues. Besser, als wenn einem an einem Werk gleich alles vorbehaltlos gefällt und es einen nach ein paar Wochen langweilt, nicht wahr?

Das dritte Stück "Kid Corner" ist mit seinen tanzbaren Grooves tatsächlich einer meiner Favoriten. Es singt Holly Martin, womit die Reihe der Leadvokalisten, die sich die insgesamt zwölf Stücke einigermaßen gerecht aufteilen, fast komplett wäre.
Fehlt nur noch noch Maria Q, welche allerdings diesmal nur einen Song singt. "Half Built Houses" ist vielleicht auch der am wenigsten repräsentativste Track von "Restriction", hebt sich jedoch zur Halbzeit des Albums auch schön ab.

Ein ganz deutliches Merkmal von "Restriction" ist, dass sich beinahe durch das komplette Album ein unermüdlicher Puls zieht. Ob in Form von stillen oder lärmenden Loops, Delay, funkigen Gitarren, elektronischen Rhythmen oder echten Percussions - irgendwas treibt die Musik immer nach vorne. Dass die Stücke in der CD-Version ohne Pause ineinander fließen, verstärkt den Eindruck eines einzigen Flusses. Ein Album, das man als Album hören sollte!
(Auf der Vinyl-Version sind es natürlich nur jeweils drei Songs, die maximal am Stück zusammenhängen, was den Gesamteindruck aber nicht wesentlich ändert.)

Auf weitere Songs muss ich nicht detailliert eingehen. Es gibt noch viele Highlights - ob "Ruination", die Ballade "Black And Blue" (wie das aktuell internetberühmte Kleid) und das große Doppelfinale aus "Greater Goodbye" und "Ladders" - auf einem Werk voller einwandfreier Archive-Qualitätsmusik. Und das ganze Ding wird in Dauerrotation immer besser.

Könnte ich etwas am Album ändern, dann würde ich höchstens die Hälfte der ruhigsten Passagen streichen und dafür an anderer Stelle am oberen Ende des Lärmspektrums eine Stufe ergänzen. Das allerdings auch nicht, weil es nötig wäre, sondern nur weil ich Bock auf Krach habe.


Anspieltipps: Ruination, Kid Corner, Greater Goodbye, Half Built Houses, End Of Our Days

2015-03-02

ARCHIVE in der Großen Freiheit 36, Hamburg (1. März 2015)


Auf der Hinfahrt zu Archive bekam ich plötzlich einen Schreck: Scheiße, das ist ja ein Reeperbahn-Konzert! Wer weiß, wie früh das anfängt!

Zum Glück kam ich pünktlich um etwa zehn vor acht an, was natürlich schon eine geraume Weile nach Einlass war und hatte tatsächlich noch nichts verpasst.
Auf der Bühne war eine Leinwand aufgebaut und statt einer Vorband gab es den kompletten vierzigminütigen "Axiom"-Film zu sehen. Eine nette Einstimmung, auch wenn so natürlich schon wusste, dass man von den sieben Tracks des dazugehörigen Albums keinen live hören würde. Aber auf zukünftigen Touren dürfte davon sicherlich (hoffentlich) mal etwas berücksichtigt werden.

Es folgte eine kurze Umbaupause. Als während dieser die Beatles mit "I Want You (She's So Heavy)" aus der Konserve liefen, lag schon in der Luft, dass es gleich losgehen würde. Und tatsächlich sprang das Licht beim abrupten Schluss von Saal auf Bühne um und die Band legte mit einer nach hinten um  mehrere Neustarts erweiterten Version von "Feel It" los.

Beim zweiten Stück "Kid Corner" komplettierte die bezaubernde Holly Martin die auf dieser Tour achtköpfige Band. Es waren also anders als auf der Tour zu "With Us Until You`re Dead" mit Pollard Berrier, Dave Pen und eben Holly Martin "nur" drei Leadsänger dabei, es gab also keine Lieder mit Maria Q im Set.

Überhaupt unterschied sich das zweistündige Programm auch jenseits der acht (von zwölf möglichen) Songs vom neuen Album "Restriction"sehr von der vergangenen Tour. Nur eine handvoll Stücke waren erneut zu hören, und Klassiker, die letztes Mal gefehlt hatten, waren nun wieder dran. Allen voran natürlich die überragende Zugabe mit "Lights" in seiner ganzen über fünfzehnminütigen Pracht!

Insgesamt war es also wieder ein langer und doch niemals enden sollender, auch visuell sehr ansprechend gestalteter Rausch, irgendwo zwischen ergreifendem Pop, hypnotischer Electronica, epischem Artrock, treibendem Beats und seelenreinigendem Multigitarrenlärm - und manchmal auch allem gleichzeitig. Wunderbar, einzigartig!

Archive sind nach wie vor - und vor allem live - eine der eigenständigsten und beeindruckendsten Gruppen, die es derzeit gibt. Ein traumhaftes Konzert!

Setlist:
  • AXIOM (Film):
    Distorted Angels
    Axiom
    Baptism
    Transmission Data Terminate
    The Noise Of Flames Crashing
    Shiver
    Axiom (Repsrise)
  • Feel It
  • Kid Corner
  • You Make Me Feel
  • Dangervisit
  • Black And Blue
  • Nothing Else
  • Blood In Numbers
  • Bullets
  • Ruination
  • Crushed
  • Conflict
  • Violently
  • End Of Our Days
  • Third Quarter Storm
  • Bridge Scene
  • Ladders
  • Numb
  • Lights

Und hier ein paar Digi-Toycam-Fotos: