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2014-09-30

52 Woche | 37 | death, death, nothing but fucking death

257/365 • death, death, nothing but fucking death

Leider ist mein 365-Tages-Projekt mit der Digital Harinezumi 3.0 nun zwangsweise vorbei, da ich Depp das Ding natürlich mit Schallplatten in einer Hand und einer leeren Cola-Dosa in der anderen aus der Tasche kramen und fallen lassen musste. :(

Mein letztes Foto vor dem Unglück war übrigens dieses:





 Ich würde sagen, da war eindeutig das Motiv schuld!

Ich möchte schon gerne Ersatz haben, allein schon weil die Konzertfotos damit Laune machen, aber die Dinger sind normalerweise leider schweineteuer, da muss sich also erstmal eine Gelegenheit auftun...

Sollte es irgendwann soweit sein, mache ich einfach direkt bei Tag 258 bzw. Woche 38 weiter.


R.I.P. kleiner Igel.



2014-09-22

MORGOTH - Odium

Ein neues Medium heißt ja immer auch, alte Sachen noch einmal zu kaufen. Blu Ray statt DVD --> alle Tarantino-Filme verscherbeln und die Box holen. Compact Disc ist der heiße Scheiß? --> Ich höre euch nie wieder, Schallplatten!

Und nun bei mir eben umgekehrt. Zumindest zwei Mal habe ich in meinem ersten LP-Kaufrausch schon Platten gekauft, deren mittlerweile antike CD-Versionen schon arg mitgenommen sind: zuerst den zwanzig Jahre alten Death Metal-Klassiker "Covenant" von Morbid Angel (Ticket für die Jubiläumstour ist schon gesichert!) und wenig später den... öhm... tatsächlich zwanzig Jahre alten Death Metal-Klassiker "Odium" von Morgoth.





MORGOTH - Odium (Orange Vinyl) (1993/2014)

Die neue alte Morgoth kommt mehrfach aufgehübscht daher: Das damals von der Band selbst gestaltete Cover, auf welches sie inzwischen nicht mehr ganz so stolz sind, obwohl es die Atmosphäre des Albums wirklich gut aufgreift, hat seinen damals überflüssig breiten Rahmen abgeworfen, die Innenhülle, enthält die nicht immer ganz sprachsicheren, daber trotzdem sehr wirksamen Texte, sowie ein zurückblickendes Interview und natürlich die transparent orange Vinylscheibe.

Auch klanglich wurde geklotzt und die im Original doch sehr mittenlastige Scheibe hat im Remastering eine fettere Abrundung nach unten bekommen. Schade ist nur, dass es kein beiliegendes Soundupdate für die digitale Musiksammlung gibt.

Und die Musik?
"Odium" ist mit seiner dystopischen aggressiven Grundstimmung nach wie vor mein Lieblingsalbum von Morgoth. 100% klassischer Death Metal, nicht virtuos, aber mit mächtig Motivation und mit vielen Ideen. Dass einige davon damals den einen oder anderen Reinheitsgebotsfanatiker auf die Palme gebracht haben, wirkt aus heutiger Sicht natürlich noch lächerlicher als damals schon.

Verglichen mit dem Stilmix, der heute alltäglich ist, waren es nämlich wirklich nur kleine Akzente - hier ein hardcoriger Groove, da ein paar Industrialmetal-Drumsounds oder winzige Gothicanleihen -, die von der absoluten Lehre abwichen, aber in Wahrheit niemals irgendwie daran rüttelten, dass die Scheibe unterm Strich doch noch aus reinem Todesblei bestand.

Was auf dem folgenden Album geschah, steht ja auf einem ganz anderen Blatt...

Das wichtigste ist sowieso, dass das Ding einfach schweinegut ist. Ich habe es ja mal bestimmt mindestens zehn Jahre lang nicht mehr gehört, und es hat danach sofort wieder geknallt, als wäre es nie weg gewesen. Und nun auf der schwarzen orangen Rille ist es natürlich nochmal besser.

1993 ist u.a. durch Klassiker von Cynic, Voivod, Coroner, Disharmonic Orchestra und natürlich den eingangs erwähnten Morbid Angel vielleicht mein persönlich größtes Hach-damals-Jahr, was Metal angeht.

Und Morgoths "Odium" war eindeutig der deutsche Spitzenbeitrag dazu.


Anspieltipps: Odium, Under The Surface, Golden Age, Submission



52 Wochen | 36 | nuts

250/365 • nuts

Bis auf das Konzert von Maiden United am Freitag hat meine Harinezumi eine Fischaugenwoche gemacht.


2014-09-21

YOB - Clearing The Path To Ascend

Vor dem letzten Roadburn Festival nannte ich noch kein einziges Album von Yob mein eigen, mittlerweile sind es fünf. Von daher bin ich von dem Trio an sich noch so weggeblasen, dass eine detaillierte Differenzierungen zwischen den Werken von mir nicht erwartet werden kann.

Der bisherige Schaffenshöhepunkt liegt für viele bei "The Great Cessation", mir ist allerdings "Atma" mit seinem speziellen trockenen Sound fast noch lieber. Doch egal ob diese beiden, "The Unreal Never Lived" oder "The Illusion Of Motion", ein für die schmale Besetzung erstaunlich fett und breit klingendes Gemisch aus Stoner Sludge und Doom Metal mit dem gewissen in sich ruhendem Etwas, wird einem immer geboten.

Das ist auch auf "Clearing The Path To Ascend" nicht anders.


YOB - Clearing The Path To Ascend (2014)

Der siebzehnminütige Opener "In Our Blood" fast schon einmal alle primären Qualitäten der Band zusammen. Ultraschwere, packende, sich viel Zeit lassende Riffs treffen auf philosophische Texte, Mike Scheidts Gesang geht scheinbar mühelos von hohen Metalhelden-Gefilden der Marke John Arch trifft Ozzy Osbourne in infernalisches Death Metal-Gebrüll über.

"Nothing To Win" ist mit "nur" elfeinhalb Minuten der kürzeste und auch ganz klar der brutalste Song. Der aggressive Gesang und das Hauptthema wecken Erinnerungen an die stilprägenden Melvins, und in der zweiten Songhälfte Ende wird gar der Knüppel aus dem Sack geholt und schnell und in hohem Tempo gescheppert, was angesichts des für langsame Heavyness optimierten Klangs - ähnlich wie bei Bongripper oder Conan - zunächst etwa ungelenk und ungestüm wirkt, aber gerade durch dieses Scheißen auf populärmetallische Produktionskonventionen noch mehr knallt.

Doch im Vergleich zu dem, was einem im dritten Track erwartet, war das alles nur Vorspiel. Ein Muster, welches sich durch die Yob-Discographie zieht, ist, dass es am Schluss noch einmal die entscheidende Stufe epischer und mächtiger wird. Und so packt "Unmask The Spectre" die ganz weltbeherrschenden Riffs aus und wuchtet noch ergreifende emotionale Melodien obendrauf. Riesengroß - Yob at it's very best!

Doch halt! Das war ja noch gar nicht der Abschluss des Albums! Da folgt tatsächlich noch ein neunzehnminütiger Brocken. Meinen die etwa wirklich, noch eine Schippe nachlegen zu können?

Ja, das meinen sie. Und das können sie!
"Marrow" ist zwar im Schnitt wohl der ruhigste Song, doch insgesamt tatsächlich noch größer, noch ergreifender - was für hypnotische Leadgitarren! Was für ein Gesang! Yob spielen den ultimativen Doom.

Das einzige was man nicht tun darf, ist herauszufinden, dass man auf die zweite Hälfte des Liedes prima "Wicked Game" von Chris Isaac singen kann - dieses Ohrwurmmonster wird man nämlich so schnell nicht wieder los.

Yob ist eine der eigenwilligsten und besten Metalbands der Welt und "Clearing The Path To Ascend" vielleicht ihr bisher größter Wurf. Hätte ich ein Benotungssystem, dann würde ich hier ganz klar die Maximalpunktzahl ziehen!



Anspieltipps: Marrow, Unmask The Spectre


QUEEN - Live At The Rainbow '74

Sie wird immer noch kräftig gemolken, die Queen-Kuh. Doch die meisten CDs, DVDs, die Tribute Bands, Musicals usw. sind für mich nur noch Grundrauschen, dem ich keine große Aufmerksamkeit schenke. Ganz anders sieht es jedoch mit dem aktuellen Release aus, erschienen in verschieden umfangreichen Varianten und Formaten.

Ich habe mich für die Doppel-CD entschieden:



QUEEN - Live At The Rainbow '74 (2CD) (2014)

1974 war vielleicht das heißeste Jahr in der Geschichte der späteren Rock-Legenden Queen. Die Live-Klassiker stammten noch allesamt vom selbstbetitelten Debüt bzw. waren Coverversionen, man tourte für den genialen Nachfolger "Queen II", brachte Album Nr. 3 "Sheer Heart Attack" mit der ersten großen Hitsingle "Killer Queen" heraus und ging auch dafür auf Tour.

Nebenbei begannen schon die Aufnahmen für "A Night At The Opera", jenes in jedem Bestes-Rockalbum-aller-Zeiten-Ranking ganz weit oben vertretenes Werk, welches Queen vollkommen in die Stratosphäre schicken sollte... Doch das ist zum Zeitpunkt der beiden hier festgehaltenen Konzerte im Rainbow Theatre, London, noch Zukunftsmusik.

Da das Repertoire der Band noch überschaubar war, ähneln sich die beiden im März und November aufgezeichneten Konzerte natürlich im Grundaufbau und auch einigen Details. Trotzdem sollte man sich keinesfalls mit der 1-CD-Version, welche nur das November-Konzert enthält, zufrieden geben.

Gerade die März-Show war für mich ein Kaufargument, enthält sie doch z.B. mit "The Ferry Feller's Master Stroke" und "Great King Rat" rare Perlen, die leider in Folge der kommenden Alben aus dem Liveprogramm der Briten verschwanden.

Das spielerische Niveau ist bereits mehr als beachtlich und Junge, was klingt die Band hungrig! Wir alle wissen um das Genie von Brian May und natürlich dem unsterblichen, damals noch nicht mit Oliba vorstellbaren Freddie Mercury, doch ganz besonders hervorheben möchte ich den nach wie rockhistorisch sträflich unterbewerteten Roger Taylor, der sich hier als absolutes Tier an den Drums zeigt, was sich in "Liar" sogar in diversen kleinen Proto-Thrashmetal-Attacken äußert. Und sein Falsett-Gesang (Taylor hatte die höchste Stimme im Queen-Chor) ist einfach irre!
Die Leadstimme im "Modern Times Rock'n'Roll" hatte er live allerdings an Mercury übergeben.

Die am 20. November aufgezeichnete November-Show kenne ich zumindest in Teilen schon länger, wurde sie doch - in etwas kürzerer Form und gemischt mit Aufnahmes des Zwillingskonzertes einen Tag zuvor - bereits im Booklet "In The Lap Of The Gods" veröffentlicht. Doch auch für die bereits vertrauten Tracks lohnt sich die Neuanschaffung schon durch den aufgehübschten, restaurierten Klang der offiziellen Veröffentlichung.

Beide Konzerte präsentieren eine eigenwillige, manchmal kauzige, doch mit riesigem Showtalent ausgestattete Band auf Weltklasse-Niveau, noch bevor man ahnen konnte, wie sehr sie nur wenige Monate später weltweit explodieren würde.

Ein Rock'n'Roll-Geschichtsdokument - und zwei absolut überzeugende Konzertaufnahmen.


Nur zwei Dinge gibt es hier zu bemängeln:

Lieber Hersteller, hast Du schon einmal versucht, das Booklet aus dem Digipack zu holen? ... Aha, dachte ich mir.

Was aber vor allem nervt, ist die Track-Herausschinderei. Da bei vielen CD-Playern und in mp3-Form ja sowieso immer lästige Absätze zwischen den Tracks auftauchen, sollte man meiner Meinung nach auf unnötige Unter-Unterteilungen verzichten. Doch was passiert hier? "Keep Yourself Alive" läuft zweieinhalb Minuten, dann kommt (wie in der Studioversion!) ein Drumsolo und der Song geht schließlich weiter. Daraus werden hier drei Tracks mit den Spielzeiten 2:22, 0:27 und 1:22 Minuten. Was soll der Quatsch?

Das gleiche Spiel mit "Son And Daughter" und dem Gitarrensolo. Und da beide Songs in beiden Sets auftauchen, hat man insgesamt 8 Tracks aus dem Nichts gezaubert. Mich wundert nur, dass das Coversong-Medley vom März-Konzert nicht auch noch zerpflückt worden ist.
Das Medley aus "In The Lap Of The Gods", "Killer Queen", "The March Of The Black Queen" und "Bring Back That Leroy Brown", in der früheren Bootleg-Version noch ein einzelner Siebeneinhalb-Minuten-Track, wurde nämlich durchaus in Kleinteile zerlegt...

Schade, das sind Abzüge in der B-Note. 


Das ändert allerdings nichts am Fazit:

Unterm Strich ist "Live at the Rainbow '74" für mich in Ablösung von "In The Lap Of The Gods" die beste aller Live-Veröffentlichungen von Queen. Das heißt, wer dieses Jahr noch ein relevanteres Livealbum von wem auch immer erwartet, dem gehört die Rocklizenz entzogen. Denn an Kult und Klasse ist dieses Ding einfach nicht zu schlagen.

Die Vinyl-Version ist sicherlich das Nonplusultra, war für mich zum Zeitpunkt der Vorbestellung allerdings noch keine Option und wäre mir jetzt auch noch zu teuer. Vier LPs kosten eben Geld... Die BluRay mit dem November-Konzert plus vier Stücke vom März-Konzert (mehr Bild-Aufzeichnungen gibt es vermutlich nicht) könnte ich da noch eher in Erwägung ziehen.


Anspieltipps Disc 1: Great King Rat, The Fairy Feller's Master Stroke, Father To Son, Liar

Anspieltipps Disc 2: In The Lap Of The Gods (Revisited), White Queen (As It Began), Flick Of The Wrist, Ogre Battle

2014-09-20

MAIDEN UNITED im Logo, Hamburg (19.09.2014)

Maiden United, die großartige, sich hauptsächlich aus holländischen Musikern zusammensetzende Iron Maiden-Unplugged-Coverband, die ich 2011 in Wacken kennenlernte, spielten gestern im Logo. Und wie gut, dass mein Bruder und ich uns kurzfristig entschieden haben, uns das anzuschauen!

Die Gruppe spielte fast alle Songs ihrer beiden Alben. Ihre Interpretation der Stücke ist dabei so souverän, dass man - würde man unmöglicherweise das Original nicht kennen - sie glatt für Eigenkompositionen halten könnte.

Und was ist für eine Maiden-Tributband noch besser als ein Sänger, der einigermaßen an das Original erinnert? - Ein Sänger, der gar nicht erst versucht, wie Bruce Dickinson zu klingen, weil er sich mit seinem eigenen Stil schon auf Weltklasse-Augenhöhe mit ihm befindet.

Ja, der sympathische Frontmann Damian Wilson, der direkt vor dem Konzert alle Fans persönlich begrüßte und auch danach gleich statt in die Backstage direkt zum Plaudern ins Publikum ging, war ganz klar der Mittelpunkt der Show. Unfassbar, was der Mann in der dünnen Saunaluft des Logos aus seinen Lungen hervorgezaubert hat! Hatte er irgendwo einen Geheimvorrat?

Im Publikum gab es keine zwei Meinungen - alle waren beeindruckt und sehr gut unterhalten. Wer sich da auf den parallel auch heute noch stattfindenden Hamburg Metal Dayz herumtrieb, dem schenke ich hiermit eine virtuelle Tüte Mitleid.

Schönes Detail am Rande: Statt eines Banners hatten Maiden United einen Teppich mit Ihrem Logo dabei. Sehr passend zum entstöpselten Setting. Und... it ties the stage together.



Meine lütte Digitaltrashknipse war auch wieder dabei. Hier ein paar Bilder:





















2014-09-17

AUTOPSY - Tourniquets, Hacksaws And Graves

Eins, zwei, drei, vier, fünf Mal habe ich seit Dezember 2011 nun schon in Reviews zu EP, Compilation, Alben und DVD das Loblied auf die wiederauferstandenden Death Metal-Untoten Autopsy gesungen. In diesen Texten habe ich habe ich meinen kompletten Wortschatz der Themenbereiche Gore, Leichen, Friedhof, Geblubber, Gestank und Liebe ja schon verbraucht - und mich auch schon selbst zitiert. Und eben gerade habe ich mich Wort für Wort schon wieder selbst zitiert, weil ich bereits letztes Mal schon wiederholt vor dieser Problematik stand.

Und dieses Jahr haben die kranken Amis doch schon wieder ein Album - das dritte seit der Reunion - rausgehauen und es ist schon wieder sahneschnittenleichenleberschweinegeil. Alter, was soll man denn dazu noch sagen?



AUTOPSY - Tourniquets, Hacksaws And Graves (2014)

Das neue Album mit dem etwas holprigen Titel und dem dafür umso hübscheren, mich an Cannibal Corpses "Eaten Back To Life" erinnernden Cover, liegt stilistisch wahrscheinlich zwischen den letzten beiden Alben "Macabre Eternal" und "The Headless Ritual", haha.

Oder anders gesagt: Autopsy, die fucking beste Old-School-Death Metal-Band der Welt, ist sich zu 100% treu geblieben und hat wieder ein tolles kurzweiliges, relevantes, traditionsbewusstes und doch an frisch verrotteten Ideen reiches, Zombiekinder fressendes Monster auf die Welt losgelassen.

Das heißt: Alle vorherigen Beschreibungen ihrer Musik behalten somit ihre Gültigkeit. Das kranke Geschleiche ist da, das beinahe chaotisch wirkende Geknüppel, die gurgelnde bis krächzende Stimme von Drummer Chris Reifert (in einem Song übernimmt wieder mal Eric Cutler) und die fantastischen Doppelleads von Cutler/Coralles, dem nach Jeff Hannemans (R.i.P.) Dahinscheiden nunmehr großartigstem Gitarrenduo im extremen Metal.
Und yep, auch dieser Absatz war wieder komplett recycelt. Zum Glück kopieren sich Autopsy nicht so unverschämt selbst wie ich es hier tue. Außer im Rausschmeißer "Autopsy"... aber der ist wie der Name schon sagt auch eine Art Bandhymne und darf das.

Ansonsten gibt es auch mal Akustikgitarre und - ganz neu dabei - Klavier zu hören. Aber keine Angst, die tun nichts! Gesund und schön ist hier gar nichts. Nur krank und schön.

*rülps*

Anspieltipps: Burial, Parasitic Eye, Deep Crimson Dreaming, Tourniquets, Hacksaws And Graves

2014-09-16

WHITE HILLS - Glitter Glamour Atrocity

Gerade hat sich die Nadel am Ende der Seite D von "Ultraviolence" erhoben. Wohin wende ich mich nun in meiner kleinen Vinyl-Sammlung, wenn ich gerade aus Lana Del Rays Pulp Noire-Welt gekommen bin?

Die beiden naheliegensten Optionen sind bisher:

1. Ich werde noch düstermelancholischer und steige mit Chelsea Wolfes "Apokalypsis" in die Finsternis hinab.

2. Ich lasse Lana weiter ihren Borboun schlürfen und suche in den dreckigen Seitenstraßen ihrer seltsamen Parallelwelt, in der die Luft aus Valium und Heroin besteht, nach jener total kaputten ehemaligen Fabrikhalle, in der sich die echten Freaks treffen. Fremde trauen sich nur hierher, wenn sie dermaßen cool sind, dass sie mindestens von Nicholas Cage dargestellt werden.

Schon von weitem höre ich das Drumkit scheppern, es mäandern hypnotische Gitarrenklänge durch die Nacht... ich schaue hinauf in die Sterne, wo ein Pony einen Regenbogen ins Weltall kotzt. Ob ich mich morgen früh noch daran erinnern werde?
 





WHITE HILLS - Glitter Glamour Atrocity (Blue Vinyl) (2007/2014)

Ich hielt "Glitter Glamour Atrocity", als ich es beim LP-Stöbern entdeckte, zunächst für das neueste Album der White Hills, die mir erst seit kurzem durch ihre "Live at Roadburn 2011"-CD ein Begriff sind. Tatsächlich handelt es sich hier allerdings um die Wiederveröffentlichung einer Scheibe aus dem Jahr 2007, die bisher nur auf dem Qualitätsmedium CD-R zu haben war, und fällt somit eigentlich gar nicht in das Raster der Tonträger, die vorzustellen ich mir auferlegt habe.

Aber nun sind wir ja schon alle hier, also möchte ich diesem auf transparentem blauen Vinyl gepressten Schätzchen auch ein paar Worte widmen.

Die White Hills sind ein optisch dem Glitter-Zeitalter entsprungenes Männlein/Weiblein-Duo (+Drummer) aus New York. Sie spielen einen ziemlich exzessiven Mix aus Psychedelic-, Stoner- und Space-Rock, mal rifflastig, mal sich in Klangsuppe verlierend, bei dem der Gesang eher Nebensache ist. Also eigentlich etwas, was sehr viele Bands machen, aber eben schon mit ihrer eigenen, nur durch eigene Erfahrung erklärbaren Note. Innerhalb dieser Parameter ist es auf jeden Fall hochwertiger Stoff.

Songstrukturen sind mal stärker, mal schwächer ausgeprägt, Freunden des Genres ist das eh egal. Da darf ein Zehn-Minuten-Stück auch mal in der Mitte durch eine geschickt editierte Rede des guten bösen alten George Walker Bush unterbrochen werden, so lange der Sternentrip danach nur weitergeht.

Ausschlaggebend für die Wiederveröffentlichung mag übrigens ein Cameo-Auftritt der Band im Film "Only Lovers Left Alive" mit dem Opener "Under Skin Or By Name" gewesen sein. Ich habe den Streifen leider noch nicht gesehen und mein Film-Budget ist eigentlich gerade gesperrt, da ich dringender LPs brauche... hrmpf...  Ok, neben "Under The Skin" auf die Merkliste darf er zumindest jetzt schon.

Sehr cineastisch fällt auch das absolut auf Schallplattenformat optimierte Cover + Backcover von"Glitter Glamour Atrocity" aus. Äußerst schick!

Hat man sich genügend am Artwork erfeut heißt es: Nadel aufgesetzt, Augen zu, Kopfkino an!


Und zum Roadburn dürfen White Hills auch gerne wieder kommen - vorausgesetzt ich ergattere ein Ticket natürlich.


Anspieltipps: Glitter Glamour Atrocity, Under Skin Or By Name, Long Serve Remember



2014-09-15

LANA DEL REY - Ultraviolence

Das folgende Album ist neben "Going To Hell" von The Pretty Reckless die bisher größte Überraschung für mich selbst in der Neukaufabteilung meiner jungen Vinyl-Sammlung.

Blätterte man in meinen Favoriten auf flickr, so könnte man zwar annehmen, dass ich zumindest schon seit einigen Monaten Fan von Lana Del Rey bin, doch das stimmt nur insofern, dass ich einzelne Songs von ihr zwar mochte, sie aber nicht für stark genug hielt, ein Album zu tragen. Dem Stream des Fotokünstlers Neil Krug, der die Dame auf einigen Bildern abgelichtet und auch das Cover von "Ultraviolence" zu verantworten hat, folge, ich allerdings durchaus schon länger.
[edit: Krug ist inzwischen leider nicht mehr auf flickr aktiv, aber dafür z.B. hier auf tumblr.]

Und da "Ultraviolence" eine der wenigen aktuellen Schallplatten ist, die einem auch im überschaubaren Angebot wohl aller MediaMärkte (als Luxus-Wasweißich-Box) begegnet, schwirrte sie mir - obwohl ich noch nicht einmal eine Single-Auskopplung kannte - doch genügend im Kopf herum, um mir das Album auf YouTube doch mal komplett anzuhören.

Und was soll ich sagen? Ich war positiv überrascht, ja sogar sehr angetan.




LANA DEL REY - Ultraviolence (Vinyl) (2014)

Lana Del Rey ist eine Kunstfigur. Diese wurde in meinem Verständnis jedoch nicht von Elizabeth Woolridge Grant oder sonst irgendwem erfunden, sondern wie wir alle geboren - allerdings nicht in unserem Universum, sondern irgendwo zwischen Mullholland Drive und dem Lost Highway, also in der Parallelwelt des David Lynch.

Eine alternde Filmdiva, die sich aus Frust über ihren vergehenden Ruhm in Kombination mit diversen Medikamenten und Drogen betrunken hatte und sich in einem gewaltigen Mindfuck morgens verwundert vor dem Spiegel die Augen rieb, da sie als Lolita in einem anderen Körper - und in  in einer anderen Realität - erwacht war.

In dieser Welt war ihr exzessives, zwischen Rausch und Sehnsucht pendelndes Wesen nun wieder gefragt und sie hat sich zu einer düster glamourösen Ikone aufgeschwungen, deren Name auf dem Cover von "Ultraviolence" nicht einmal mehr genannt werden muss.

Ausgehend von diesem noch beliebig ausschmückbarem Bild empfinde ich  immer dann Unstimmigkeiten, wenn Lana Del Rey mit Realitäten zusammenprallt, die in ihrer ursprünglichen Welt nicht auftauchen. Dort gibt es z.B. rauchige Bars und Nachtclubs und historische Theater, aber keine riesigen, neumodischen Livemusiksettings. Folglich funktioniert ihre Musik in diesem Umfeld auch nur bedingt.

Auch in hippen Werbekapagnen moderner Modehäuser fremdel ich mit ihr.

Ebenso fand ich es als unpassend, wenn in ihren Songs zu gewollt chartaffin klingende Anbiederungen an aktuelle Poptrends auftauchten.

"Ultraviolence" vermeidet dies zum Glück und kleidet sich über die gesamte Spielzeit in einen intimen, zeitlosen Bandsound.

Ich habe einige Kritiken gelesen, die "Ultraviolence" als Paradebeispiel für ein durch den Loudness War verdorbenes Album verdammen, doch diese Ansicht kann ich überhaupt nicht teilen. Mal abgesehen davon, dass man bei der Schallplattenversion natürlich physikalisch bedingt keine Probleme mit digitalem Clipping hat, ist der manchmal dumpfe und verschwommene Klang der Rhythmussektion hier eine künstlerische Entscheidung; das musikalische Pendant eines Drogencocktailnebels, aus dem die klare wimmernde Gitarre um so mehr heraussticht, und über dem Lana Del Reys Stimme umso (gefallener-)engelsgleicher und verführerischer erscheint. Und außerdem ein Stilmittel, welches dasselbe Pulp- und Vintage-Gefühl transportiert wie die Fotografie Neil Krugs.

Besonders deutlich wird die ganz bewusste Wahl dieses Klangbildes beim wunderbaren Rausschmeißer (des regulären Albums) "The Other Woman", in dem der Gesang aus einem übersteuerten Grammophon zu  kommen scheint.

Die edel verpackte Doppel-LP enthält danach noch drei Bonustracks, darunter mit "Black Beauty" ein echtes Highlight, mit dem etwas langweiligen "Guns And Roses" und dem zu beliebigen "Florida Kilos" allerdings auch die einzigen auffallend abfallenden Fastausfälle unter den insgesamt vierzehn Stücken.

Stattdessen hätte man vielleicht lieber den zumindest in der Digitalkopie mitgelieferten fünfzehnten Track mitpressen sollen. Bei diesem handelt es sich um die Radioversion der Single "West Coast", die sich im Arrangement tatsächlich interessant von der Albumversion unterscheidet. Wie jene im Refrain auf die Valiumbremse tritt, ist übrigens eines meiner liebsten von vielen großen Details auf diesem Werk.

"Ultraviolence" ist brillianter Pop, der zwar sorgsam das Image seines Stars pflegt, dies jedoch nicht zum Selbstzweck erhebt und darüber hinaus auch musikalisch zu glänzen weiß.

Ob andere ähnlich erfolgreiche Popalben dieses Jahres in ihrer langfristigen Wirkung da mithalten können, kann natürlich nur die Geschichte zeigen. Ich wage allerdings schon einmal, da Zweifel anzumelden.


Anspieltipps: Cruel World, The Other Woman, Shades Of Cool, West Coast, Ultraviolence

2014-09-14

52 Wochen | 35 | legs

241/365 • legs

THE PRETTY RECKLESS - Going To Hell

Wie bereits hier und da schon erwähnt, habe ich mir jüngst endlich einen Plattenspieler zugelegt. Und da meine Vinyl-Altbestände sehr überschaubar sind, baue ich mir jetzt natürlich so fleißig wie angesichts der Preise möglich eine kleine, aber bunte Grundversorgung auf. Zu dieser gehören bisher u.a. Godflesh live, ein Death Metal-Klassiker von Morbid Angel, apokalyptisches von Chelsea Wolfe und feinsinniges von Youn Sun Nah. Das übliche halt.

Und dann sind da auch Platten, die mein aus dem Jahr 2013 in die Zukunft gereistes Ich wohl überrascht hätten...
 



THE PRETTY RECKLESS - Going To Hell (Red Vinyl) (2014)

Dass Sängerin / Gitarristin Taylor Momsen auch eine einigermaßen bekannte Schauspielerin ist, hat der Band sicherlich kommerziell geholfen, ist für mich, der ich nie "Gossip Girl" gekuckt habe, aber unwichtig. Größeren Einfluss auf die Kaufentscheidung hatten da zweifellos das überaus ansehnliche Cover (in der CD-Version übrigens nicht nur kleiner, sondern auch enger beschnitten), sowie das "blutig" rote, transparente Vinyl.

Aber wenn die Verpackung alleine zählen würde, hätte ich schon furchtbarstes Zeug im Regal. Die Musik muss natürlich auch stimmen. Und das ist, was mich bei The Pretty Reckless so überrascht hat, basiert die ganze Chose doch auf diesem 80er-Jahre-US-Charts-Schweinerock, der eigentlich gar nicht mein Ding ist. Allerdings verneint die Band auch weder die 70er-Hardrockwurzeln des Genres noch die Grungewelle oder modernere Metalsounds.

Das ist alles - inklusive kontroverser Texte und Sex-sells-Faktor - schon durchaus kommerziell ausgerichtet, driftet dabei aber niemals in produzentenferngesteuerte Peinlichkeiten ab.

Momsens Stimme erinnert ab und zu an Pink, und im Grunde kann man auch sagen, dass The Pretty Reckless jene Musik "in echt" spielen, die von Pink und anderen sich ab und zu "rockiger" gebenden weiblichen Popstars in dem einen oder anderen Stück simuliert wird.

Und das ist das Entscheidende: die Musik ist echt, die Songs erfinden zwar die Glühbirne nicht neu, taugen aber alle, sind super gespielt und produziert, bieten also eine gesunde Dreiviertelstunde Rock. Einige Klischees werden knapp gestreift, andere  genüsslich mitgenommen, alles im richtigen Maß.
Der Punkt mit dem am Ende alles steht und (eben zum Glück nicht) fällt, ist die Glaubwürdigkeit von Taylor Momsen, die in böseren Passagen auch mal Marilyn Manson  emuliert, als Frontsau. Und ich sehe da keinen Grund zu zweifeln.

Die in der LP per Code mitgelieferte Download-Version des Albums enthält noch den Titelsong und eines der stärksten Stücke "Sweet Things" als gelungene Unplugged-Liveversionen.

"Going To Hell" ist eine kurzweilige Platte, macht Laune - und ja, sie sieht auch lecker aus.



Anspieltipps: Sweet Things, Going To Hell, Absolution

2014-09-04

THE AXIS OF AWESOME in der Fabrik, Hamburg (03.09.2014)

Gestern habe ich auf der jährlichen To-Do-Liste das Comedy-Konzert abgehakt.

Es gab in der Fabrik einiges zu lernen, u.a. was der Ursprung des Twerking ist, wie der Wolf heult - und dass Listen im Musikgeschäft sehr wichtig sind. Alles hier aufzuführen würde den Rahmen des Blogs und den Verstand der Leser sprengen. Außerdem mag ich ungern spoilern, auch wenn der Winter seit achtzehn Jahren kommt. 

The Axis Of Awesome sind eigentlich ein Trio, die meisten Zuschauer haben den Keyboarder allerdings von ihren Sitzplätzen aus nicht erkennen können. Ich saß zum Glück in der zweiten Reihe und konnte ihn gerade noch so ausmachen. Der ist aber auch klein!

Englisch sollte man schon können, doch mit der "Sprache der Liebe", einem Rammstein-Cover und einer Ärzte-Zeile im "Four-Chord-Song" konnten sich die Australier auch für Nichtfremdsprachler verständlich machen.

Und ein bisschen ziemlich lustig war das Ganze auch. Ich hatte jedenfalls Lachmuskelbauchschmerzen.

Nur zu kurz war es. Und ich will wissen, wie dieser eine Trick da mit dem T-Shirt geht.  







2014-09-01

HAKEN im Logo, Hamburg (31. August 2014)

Haken, die Band mit dem in deutschen Ohren komischen Namen, hat gestern im Logo ein saugeiles Konzert der Note 1+ (mit Herzchen und lachender Sonne) gespielt.

Wer als Band ein Album mit so fabelhaften Progrock- bis Progmetal-Songs wie "The Mountain" präsentieren darf, der hat hat ja ohnehin schon gewonnen.
Und der Wumms, das Gefühl, die Spielfreude und der Humor, mit dem das Sextett sein Gemisch aus Dream Theater, Queen, Pain Of Salvation, Jazz, Mr. Bungle-Zirkus-Eskapaden und vielem anderem darbietet, holen aus dieser Grundlage wirklich alles raus.

Das Publikum hat es Haken gedankt und die (hauptsächlich) Briten nicht vor einer zweiten Zugabe von der Bühne gelassen. Witzig dabei die Szene als einer der Gitarristen sich sein in die erste Reihe verschenktes Plektrum zurückborgen musste.

Man kann noch den perfekten Gesang loben, den von den Fans besonders abgefeiereten Bassisten oder auch das achtsaitige Gitarrenspiel... doch eigentlich ist es müßig, da hier technisch, emotional, entertainmentmäßig überall alles stimmte.

Fazit: Haken sind in ihrem Genre gerade der heiße Scheiß! Ein frenetisches Progfest erster Güte und ein Highlight  in meinem nun wirklich schon sehr starken Konzertjahr.


"Haken" reimt sich übrigens fast auf "Wacken". Na?