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2011-12-31

Tonträger 2011, Teil 4 : Das Denkmal für die Ewigkeit (QUEEN)

Als hätte ich mir in letzter Zeit nicht schon genug neue und alte CDs zugelegt, von denen ich bestimmt die Hälfte noch nicht so intensiv gehört habe, wie sie es eigentlich verdiente hätte, kam nun auf den letzten Drücker noch meine persönliche vierte aus der 2011er Queen Remaster Serie (allgemeine Ausführungen siehe Review zun "Queen I") hinzu. Chronologisch wäre eigentlich das Superlativalbum "A Night At The Opera" dran gewesen, aber mir war dann doch nach persönlich weniger vertrautem Terrain...


QUEEN -Innuendo (2011 Remaster Deluxe Edition) (1991)

Als "Innuendo" erschien, war es für den gerade Heavy, Thrash und Death Metal bis Grindcore und andere extreme Musikstile entdeckenden Vierzehnjährigen, der nun unfassbare zwanzig Jahre später diese Zeilen schreibt, eine ziemliche Enttäuschung.

In der Musikpresse war die illusionäre Hoffnung auf eine zweite Opernnacht geschürt worden, der auch ein überragendes Spitzenalbum kaum gerecht werden konnte.
In der Rückschau muss ich allerdings einräumen, dass sich Queen auf dem letzten zu Freddie Mercurys Lebzeiten veröffentlichten Album diesem Anspruch schon erstaunlich weit angenähert haben. Nein, mit Heterogenität und Pathos wurde hier wahrlich nicht gekleckert.

Doch damals hat bei mir eigentlich nur der bombastische Titelsong mit seinem irrwitzigen Flamenco-Mittelteil gezündet, so dass ich mich auch mit der Single begnügt habe. Schon mit der Produktion des restlichen Albums, die sich so gar nicht festlegen mochte, ob sie Rock oder Pop sein wollte, waren meine pupertierenden Ohren wohl schon überfordert. Und auch inhaltlich lag da etwas schwer fassbares in vielen Songs, das nicht unbedingt meiner Erwartungshaltung an ein Rockalbum entsprach.

Heute wissen wir natürlich alle um den Hintergrund, vor dem dieses Album entstanden ist. Und dieses Wissen macht eine differenzierte Beurteilung von "Innuendo" im Grunde unmöglich, da es doch bei jedem Hören mitschwingt. Wer sich todkrank immer wieder aufrafft, um im Studio einige der größten Gesangsleistungen seiner Karriere abzurufen ("Don't Try So Hard"), der darf es - als Sänger von Queen sowieso! -  mit dem Kitsch auch mal einen Schritt zu weit treiben oder ein albernes Liedchen über seine Lieblingskatze ("Delilah") singen.
Auch kann man sich ja gar nicht dagegen wehren, jede Textzeile auf möglichen Bezug zu Mercurys Lebenssituation zu analysieren, auch wenn ein solcher oft vermutlich gar nicht gegeben ist.
Wer weiß - vielleicht wäre vieles mit einem kerngesunden Sänger gar nicht so anders ausgefallen. So gab es einen beinahe klassischen Gospel ("All God's People") ja schließlich auch schon mit "Jesus" auf der allerersten Veröffentlichung der Königlichen.

Wie auch immer es darum bestellt sein mag, "Innuendo" ist selbstverständlich das große Denkmal des Freddie Mercury, mit dem er theatralisch und gleichzeitig künstlerisch wertvoll wie kein Rockstar vor oder nach ihm seinen eigenen Abgang orchestriert hat. Wie kann man dieses Album hören, ohne spätestens im Finale der abschließenden Hymne "The Show Must Go On" eine Gänsehaut zu bekommen?

Anderseits - und das ist der Punkt, der mich nun nach dem neuem Kennenlernen sehr positiv überrascht hat - ist "Innuendo" auch ein wirkliches Gemeinschaftswerk einer Rockband, zu der jedes Mitglied einen enormen kreativen und spielerischen Anteil beigesteuert hat. Auch wenn bei einem so breiten stilistischen Spektrum zwangsweise nicht jeder Song auf gleicher Höhe begeistern kann, so sind doch sämtliche Stücke überreich an Ideen, Details und dem spürbaren unbedingten Willen, noch einmal so richtig auf den Putz zu hauen.

Der remasterte Sound transferiert "Innuendo" klanglich perfekt in die Zeit der zu spät Geborenen oder damals ignoranten Teenager. Mich haut dieses Werk gerade richtig um - so groß hatte ich es wahrlich nicht in Erinnerung. Eine sehr schöne Nach-Weihnachts-Überraschung!


Geschmälert wird der Eindruck erwartungsgemäß durch die magere Bonus-CD. Wobei alle Stücke darauf durchaus hörbar sind und ihre Berechtigung haben. Aber wenn es gerade aus dieser Schaffensphase doch laut Wikipedia noch so viele unveröffentlichte Songs geben soll, wären diese dann nicht relevanter als die Pilotgesangsversionen von "Ride The Wild Wind" und "Headlong" bzw. die alternativen Varianten von "I Can't Live With You" und "I'm Going Slightly Mad"?


Immerhin ist mit Brian Mays Blues "Lost Opportunity" auch eine nicht schon vom Album bekannte Komposition vertreten. Trotzdem hat man wieder einmal das Gefühl, dass das exklusivste Bonusmaterial möglicherweise für eine dieser superteuren Sammlerboxen, wie sie bei vielen Bands bzw. Plattenfirmen aktuell in Mode sind, aufgespart wird.

Schade eigentlich. Folglich kann man bei "Innuendo", ähnlich wie bei "Sheer Heart Attack", auch gepflegt zum günstigeren Fußgänger-Remaster statt zur Deluxe-Version greifen, ohne dass einem etwas essentielles entgeht.

Das Album selbst jedoch würde ich aber auf keinen Fall noch einmal zwanzig Jahre lang verpassen wollen. Wir haben viel nachzuholen, wir beide!


Anspieltipps: Innuendo, The Show Must Go On, Don't Try So Hard, I'm Going Slightly Mad

2011-12-29

Tonträger 2011, Teil 3 : Battle of Redheads (BJÖRK, TORI AMOS)

Ein Review-Doppelpack mit Tori Amos und Björk - nein, originell ist das nicht, ich weiß. Aber hey - auch wenn musikalisch eigentlich nur wenige Berührungspunkte existieren, so gibt es doch durchaus gute Gründe dafür!

Erstens sind die Alben der beiden Damen im September und Oktober zeitnah zueinander erschienen, zweitens sind es die einzigen 2011 erschienenen Alben von Sängerinnen, die ich mir zugelegt habe - und drittens hat Björk es mit ihrem Rothaarperückenlook doch ganz klar auf einen Catfight abgesehen! ;)

Natürlich gibt es zwischen den beiden noch weitere Gemeinsamkeiten jenseits der Tatsache, dass es sich brilliante Sängerinnen und Songschreiberinnen handelt, die nun schon seit Jahrzehnten beweisen, dass sie wirklich schlecht vermutlich gar nicht können.
Beide neigen jedoch auch leicht zur Überkonzeptionalisierung ihrer Werke, was einem im Vorfeld manchmal ein bisschen Sorgen macht, dass die Hörbarkeit der Songs darunter leiden könnte. Meistens lässt sich der konstruierte Überbau im Endeffekt dann aber wahrnehmen oder ignorieren, wie man gerade möchte und es bleiben einfach eine Menge toller Songs, wobei man sich bei Björk bei ca. einem Viertel der Stücke etwas mehr rhythmische Catchiness wünscht, während Frau Amos oft derart viele Songs auf einen Tonträger packt, dass eine Handvoll beinahe zwangsläufig kompositorisch abfallen muss und beim Hören dann stets geskippt wird. Nicht weil die Lieder schlecht wären, sondern weil die restlichen zwanzig Stück halt ein eine noch höhere Klasse besitzen.

Am hohen Songausstoß liegt es dann auch, dass ich als Fan bei Tori Amos eigentlich immer ein, zwei Jahre hinter dem aktuellsten Schaffen zurückliege, weil ich das jeweilige Vorgängeralbum noch gar nicht ganz "ausgehört" habe. (Dass ich die "Night Of Hunters" bereits besitze, ist allein dem amazon-Adventskalender zuzuschreiben.)
Zudem werden die Cover und Promobilder leider auch immer weniger zum Kaufanreiz, weil das gebotoxte (?) Püppchen darauf leider seit ein paar Jahren nur noch bedingt mit jener Person zu tun hat, die dann glücklicherweise doch noch zu hören ist. Schon traurig zu sehen, wie eine der einst heißesten Künstlerinnen des Erdballs nicht mit der Tatsache klarkommt, dass ab einem bestimmten Alter nunmal Falten auftreten können. Hätte ihr doch nur mal jemand gesagt, dass das gar nicht schlimm ist...

In punkto würdevolles Altern liegt Björk also klar vorne.

Dafür hat die Isländerin andere Wege, einem Angst zu machen, doch dazu jetzt mehr in der Albumkritik, die an Umfang wohl kaum mit dieser Einleitung wird mithalten können. ;)


BJÖRK - Biophilia (2011)

Kleine Teaser und Appetithäppchen sind ja meistens eine feine Sache, aber - auch wenn ich mich dem als facebook-Follower ja freiwillig aussetze - was von Björk im Vorfeld dieses Albums kam, hat oft einfach nur genervt und eher mein Desinteresse geschürt.
Multimediageschwafel, immer wieder Apps... auch wenn Steve Jobs ja nun heilig ist - i mich am Arsch, ich will doch einfach nur neue Musik von Björk hören!

Man ist ja schon fast dankbar, dass "Biophilia" dann tatsächlich auch als herkömmliche CD zum ganz normalen passiven Anhören erschienen ist. Und es ist dann doch ein zwar teilweise etwas düsteres, aber insgesamt doch ziemlich normales Björk-Album geworden, mit Songs die auch auf "Homogenic" oder "Volta" gepasst hätten. Zwar gibt es ein Soundkonzept mit reduzierten Elektropassagen, viel düsterem Brummen, spannenden, harmonisch grenzwertigen Chören und sporadisch herausexplodierenden Beats, doch so zwingend wie auf dem Schnee-Album "Vespertine" oder dem Acapella-Werk "Medúlla" kommt es nicht daher.
Dass hier für einzelne Songs spezielle Instrumente erfunden worden sind, drängt sich durch den reinen Höreindruck auch nicht auf, das muss man schon wissen.

Alle externen Informationen außen vor lassend, bleibt am Ende ein solides, also 95% Prozent der modernen Popmusik locker einkassierendes Björk-Album, welches ich jedem Fan weiterempfehlen würde, auch wenn der ganz große Funke früherer Tage nicht überspringen mag.

Kurz vor und nach "Biophilia" habe ich mir dieses Jahr die Live-Serie zu den ersten vier Alben "Debut", "Post", "Homogenic" und "Vespertine" gekauft - und häufiger gehört. Wenn ich ganz ehrlich bin, würde ich mir mal wieder ein ganz und gar organisches Björk-Album mit klassisch echten, traditionellen Instrumenten wünschen. Ob nun mehr in Richtung Rock, Pop, Folk, wasauchimmer wäre mir ja egal, aber ich glaube, so ein bisschen zurück zum Konventionellen wäre durchaus mal ganz erfrischend, um nicht auf hohem Advantgarde-Niveau zu stagnieren...


Anspieltipps: Mutual Core, Nattura, Crystalline



Stagnation auf hohem Niveau ist ein Vorwurf, den man Tori Amos in den vergangenen zehn Jahren durchaus machen konnte - "Scarlet's Walk", "The Beekeeper" und "American Doll Posse" waren allesamt Spitzenalben, deren Songs man untereinander aber durchaus hätte vertauschen können. Mit dem verruchten "Abnormally Attracted to Sin" und dem Beinahe-Weihnachtsalbum "Midwinter Graces" (welches ich noch nicht beurteilen kann, da ich wie gesagt normalerweise bei Tori immer etwas hinterherhänge), haben ihre Veröffentlichungen dann zwar wieder einen stärkes albumspezifischeres musikalisches Wasserzeichen erhalten.

Doch was mit "Night Of Hunters" kommen sollte, war aufgrund dieser Tendenz sicherlich nicht zu erwarten...

TORI AMOS - Night Of Hunters (2011)

Schon die Veröffentlichung auf dem Label "Deutsche Grammophon" deutet darauf hin, dass die US-Amerikanerin sich offensichtlich von potentiell chartaffiner Popmusik losgesagt hat.

Stattdessen geht sie zurück zu den Wurzeln, was in diesem Fall nicht etwa  ihr Hit-Debütalbum "Little Earthquakes", sondern noch viel weiter zurück eine intensive Auseinandersetzung mit ihrer klassischen Klavierausbildung bedeutet - und wie noch nie zuvor ihre ganze Klasse als Komponistin aufzeigt.

"Night Of Hunters" ist ein ausschließlich mit Piano, Kammerorchester und natürlich Gesang vorgetragener Liederzyklus, bei dem jedes Stück auf einer klassischen Komposition - bspw. von Schubert, Mendelssohn, Chopin oder Bach - beruht.
Das mag für Klassikbanausen, wie ich ja auch einer bin, in der Theorie zwar potentiell interessant, aber nicht zwingend spannend klingen. In der Praxis jedoch macht sich Frau Amos die Stücke so weit zu eigen, dass niemals der Eindruck einer "Popsängerin goes Klassik"-Scheibe entsteht, sondern man stets das Gefühl hat, einem hundertprozentigen Tori-Amos-Album zu lauschen, und zwar dem wohl tiefgreifendsten, wie sage ich es... mächtigsten, und auf jeden Fall einem der besten ihrer Diskographie.

Das an sich schon besondere Gesamtkonzept mal außer Acht lassend fallen neben den ungewohnt langen Instrumentalpassagen ("Seven Sisters" oder der Mittelteil des zentralen 10-Minuten-Epos "Star Whisperer") besonders die vielen Duette auf "Night Of Hunters" aus dem üblichen Rahmen.
Wenn sie in der Vergangenheit Duette gesungen hat, waren ihre Gesangspartner ja meistens kontrastierende tiefe Männerstimmen, hier jedoch singt Tori Amos bei gleich vier Stücken gemeinsam mit ihrer wie ihr kindliches Spiegelbild klingenden, elfjährigen Tochter. Dass hier großes Gesangstalent weitervererbt wurde, ist unverkennbar. "Job's Coffin" trägt Natashya Hawley sogar fast im Alleingang. Diesen Namen in sieben, acht Jahren auf einem Soloalbum wiederzufinden wäre sicherlich keine allzugroße Überraschung.

Eine weitere gelungene Gesangspaarung gibt es im Titelsong, wo Tori Amos auf die anscheinend im klassischen Gesang geübte, aber ebenfalls klangfarblich ähnliche Stimme ihrer Nichte Kelsey Dobyns trifft.


Auch wenn mit dem etwas zu langen "Battle Of Trees" und dem nicht ganz so starken Hauptthema von "Your Ghost" noch kleine Ansätze für Negativkritik vorhanden sind; "Night Of Hunters" ist - auch ohne Pauke - ein kreativer Paukenschlag von Tori Amos und für mich ganz klar eines der absoluten Top-Alben 2011!

Anspieltipps: Star Whisperer, Snowblind, Nautical Twilight, Night Of Hunters


Und was den im Titel ausgerufenen Kampf der Rotschöpfe angeht - sorry Björk, aber mit noch so viel Apple und löblicher Anstrengung ist gegen Toris geballte Kreativmacht diesmal einfach unmöglich zu gewinnen!

2011-12-25

52 Wochen | 51 | osterhasi


Es war so kalt, dass meine Nichte gleich alle neuen Klamotten auf einmal anprobieren musste. ;)

Tonträger 2011, Teil 2: Amboss auf Amboss (ANVIL)

 ANVIL - Monument Of Metal (2011)

Nach dem - berechtigen - Hype um die hervorragende Filmdokumentation "Anvil - The Story Of Anvil" war es natürlich nur folgerichtig, den vielen dadurch neu gewonnenen Fans, zu denen auch ich mich zähle, eine Übersicht über das bisherige Schaffen in Form einer Best Of anzubieten.Wie es sich bei einer so durch und durch geerdeten Band wie Anvil gehört, hat die Band die enthaltenen Tracks selbst verlesen. Ein paar Songs der ersten drei Alben "Hard'n'Heavy", "Metal on Metal" und "Forged in Fire" wurden sogar extra neu aufgenommen. Und im Cover, welches selbstverständlich einen Amboss zeigt, sollte jeder, der den Film gesehen hat, ein gewisses Gemälde von Schlagzeuger Robb Reiner wiedererkennen. Und zum Glück ist es nicht jenes, welches im Treppenflur zur Toilette hängt. *g*

Musikalisch gibt es hier ausschließlich - na klar! - Heavy Metal. Diesen könnte man noch weiter spezifizieren finden sich bei Anvil ja zahlreiche Spielarten wie Power Metal, Hard Rock, Doom, Thrash etc. wieder, aber bei einer Band, die länger da ist als die meisten anderen und einfach nur konsequent ihr Ding macht, sind solche akademischen Spitzfindigkeiten im Grunde müßig. Anvil rocken!
Das muss man wissen - und wer es noch nicht tut, der kann sich auf "Monument Of Metal" hervorragend informieren.

Anspieltipps: Plenty Of Power, Park That Truck, Metal On Metal, Thumb Hang


Reicht die Musikkasse aber nur für einen Tonträger, so gibt es allerdings tatsächlich einen noch besseren Einstieg in die Welt des Ambosses:

ANVIL - Juggernaut Of Justice (2011)

Was schon auf "This Is Thirteen" versucht, aber noch nicht hundertprozentig umgesetzt wurde, nämlich ein absolut frisches und endlich mal auch voll auf der Höhe der Zeit produziertes Anvil-Album aufzunehmen, ist mit dem vierzehnten Studioalbum, der Gewalt der Gerechtigkeit, nun vollends gelungen.

So wurden zwei lange mitgeschleppte Schwächen abgestellt: Lips, als Gitarrensau über alle Zweifel erhaben, ist nun einmal nicht der größte aller Metal-Tenöre und versucht sich auf diesem Album nicht mehr an Bereichen, die ihn stimmlich überfordern und kann so durchgehend überzeugen.


Power-Drummer Robb Reiner verhält sich songdienlicher als bei vielen älteren Songs, indem er das Tier auch mal ein paar Takte lang zurückhält und dann umso effektiver von der Kette lässt, so z.B. beim mit Bläsersätzen (!) überraschenden Instrumental-Show-Off "Swing Thing".

Auch ansonsten zeigen die Kanadier vom black-sabbathesken "Paranormal" über unwiderstehliche Groovestampfer wie "New Orleans Voo Doo" bis zu schnellen Krachern wie "Running" oder "When Hell Breaks Loose" die ganze Palette ihres Könnens. Schwachstellen habe ich auf diesem Album noch keine ausmachen können. Auch die Bonus-Tracks der Special Edition hauen rein und runden das Album perfekt ab.

Dazu gibt's noch noch eines der großkotzigsten und somit besten Anvil-Coverartworks aller Zeiten.
Es ist doch schön zu sehen, wie sich die alten Herren bei aller Leidenschaft für ihre Musik nach wie vor niemals zu ernst nehmen. Allein wer das Konzept, auf jedem Titel seiner Band "Amboss" einen Amboss zu zeigen und stets das Schema "Stabreim auf Stabreim" anzuwenden, über so lange Zeit so gnadenlos durchzieht, der kann doch nur ein guter Mensch sein.

In der Kategorie prog-freier Metal ist "Juggernaut of Justice" für mich das Nummer-Eins-Album dieses Jahres.

Und aufgemerkt: Ich habe in zwei Rezensionen nicht einmal das Wort "Spinal Tap" benutzt! ;)

Anspieltipps: New Orleans Voo Doo, Swing Thing, Paranormal, Fuken Eh!

2011-12-23

Tonträger 2011, Teil 1 : A Sympathetic Attack Of The Divine Queen


In bester, 2010 begründeter Tradition, möchte ich zum Jahreswechsel auch 2011 wieder einen Blick bzw. ein Ohr auf die in den vergangenen zwölf Monaten erschienenen CDs und Musik-DVDs in meiner Sammlung werfen.

Da es ein paar mehr sind als letztes Jahr und ich manchen Scheiben auch noch gar nicht die eigentlich gebührende Aufmerksamkeit schenken konnte, fallen die Kritiken voraussichtlich etwas kürzer aus als letztes Mal.

Ganz kurz wird es auf jedem Fall in diesem ersten Teil, da ich hier nur noch einmal die Tonträger aufzählen möchte, zu denen ich bereits eine Rezension geschrieben habe.

Das Progmetal-Doppelpack - zeitgleich erschienen und auf Augenhöhe irgendwo über den Wolken:




Nicht 100%ig neu, aber nach wie vor relevant - die ersten drei Alben der königlichen Remaster-Serie:






Das wohl kontroverseste Todesbleigeschütz des Jahres:



6 down, 12 to go... Demnächst geht es an dieser Stelle dann weiter mit A wie "Amboss".

ARCH / MATHEOS - Sympathetic Resonance

"Review demnächst" habe ich vor ein paar Monaten in meiner Kritik der aktuellen Dream Theater-Scheibe geschrieben. Ähem, naja... Es gab dann halt viel Arbeit und wenig Zeit für diese Seite. Dabei habe ich die ersten beiden Absätze doch schon seit Ewigkeiten als Entwurf hier schlummern...

Bitte beachten: Die folgende Plattenkritik wurde in Unkenntnis jeglichen früheren gemeinsamen Schaffens der Beteiligten verfasst. Oder anders gesagt: Obwohl ich Fates Warning mal in Wacken bestaunt und für interessant befunden habe, kenne ich die Band nicht wirklich. 1993 ist ja nun auch schon eine Weile her. Aber immerhin meine ich mich noch erinnern zu können, von wo aus auf dem damaligen Festivalgelände ich mir die Progmetaller angeschaut habe. Das ist ja auch schon was wert.

Fans müssen mir also nachsehen, dass ich trotz der Tatsache, dass dieses Projekt ausschließlich aus aktuellen und ehemaligen Fates Warning-Mitgliedern besteht, keine entsprechenden Vergleiche ziehen kann.

ARCH / MATHEOS - Sympathetic Resonance (2011)

Dass das Projekt nicht unter dem Namen Fates Warning firmiert, sondern als Kooperation von Sänger John Arch und Gitarrist Jim Matheos präsentiert wird, scheint mir "Unwissenden" aber schon aus musikalischer Sicht sehr folgerichtig, denn es sind auch musikalisch vor allem diese beiden Pole, die das gesamte Geschehen auf dem Album bestimmen.

Auf der einen Seite ist da ein nicht enden wollendes Arsenal an Power-Riffs, die einen in allen bekannten Prog-Taktarten kreuz und quer durchschütteln. Zwar agiert auch das restliche Intrumentarium auf allerhöchstem Niveau, doch es hält sich in sofern zurück, als dass die Gitarre stets die Richtung vorgibt, der die Rhythmussektion auch durch die aberwitzigsten Schlenker folgt.

Natürlich gibt es außer geballter Riffgewalt auch hervorragende Harmonien und brilliante Leads auf die Ohren, doch die Melodien trägt vor allem John Arch mit seiner sich oftmals in erstaunlichen Spiralen über der Musik windenden Ausnahmestimme, von der man sich tatsächlich kaum vorstellen kann, dass sie außer für zwei Songs einer EP seit über 20 Jahren nicht im Einsatz gewesen sein soll.

Arch/Matheos spielen Progmetal, der - auch wenn es wie im finalen Track "Incense And Myrrh" mal etwas balladesker klingt - in jeder Minute Metal ist. Und der vor allem ohne jeden B-Noten-Abzug so durch und durch großartig ist, dass ich mir schon beim ersten Hören sicher war, hier einem Klassiker zu lauschen, den ich auch in zehn oder zwanzig Jahren noch genauso genial finden werde. Und bisher wächst das Album auch tatsächlich immer noch bei jedem Durchlauf.

Es handelt sich hierbei also auf keinen Fall um ein reines Nischenalbum nur für Hardcore-Fans der alten Fates Warning, sondern um ein modernes zeitloses, auch ohne diesen Kontext höchst relevantes Metal-Meisterwerk, wie es nicht alle Tage in die Welt entlassen wird.
Um aber nicht ganz auf Namedropping zu verzichten, sei am Ende dieser Kritik noch "A Social Grace", das Debut von Psychotic Waltz genannt. An den Geist jenes Albums fühle ich mich beim Hören von "Sympathetic Resonance" nämlich stark erinnert.

Für ein Album des Jahres mag ich mich 2011 aufgrund vieler Spitzenveröffentlichungen zwar nicht entscheiden, aber wenn ich es müsste, dann hätten Arch/Matheos mehr als gute Chancen auf den Titel.

Anspieltipps: Incense And Myrrh, Neurotically Wired, Stained Glass Sky

2011-12-20

CYNIC live im Hafenklang, Hamburg (19.12.2011)

Die Kommentare unter Youtube-Posts sind für gewöhnlich ja kein Hort überschäumender Weisheit, doch neulich las ich unter einem Video von Cynic einen äußerst gehaltvollen Satz, der in etwa lautete: "I saw them live, but I didn't make it to the end of the show, because I jizzed my pants and had to go home."

Ich konnte mich gestern zum Glück beherrschen und so den ganzen Auftritt von Paul Masvidal und co. genießen. Nur von dem auch ganz und gar nicht üblen Instrumental-Progmetal der Vorband Chimp Spanner habe ich leider nicht alles mitbekommen, da fälschlicherweise noch eine dritte Band aus Hamburg im Internet angekündigt war, die mich nicht interessierte, weshalb ich zu Beginn des Sets noch ein paar Meter weiter Richtung Fischmarkt etwas essen war.

Wie auch immer - Zu Cynic weiß ich inzwischen gar keine Superlative mehr auszupacken, weshalb ich mir jeden Versuch einer Erklärung der Band für Unwissende an dieser Stelle einfach mal spare. Genau wie 2008 in Wacken und in der Markthalle und 2009 im Logo, war der Ohrgasmus mal wieder garantiert. Als minimaler Kritikpunkt bleibt nur, dass die (instrumental über jeden Zweifel erhabene) neue Besetzung vom Stageacting her ruhig noch etwas agiler werden könnte.
Und trotz aller Kürze der Tonträger haben Cynic doch mittlerweile schon so viel Material, dass schon mehr als ein, zwei Klassiker im Set leider unberücksichtigt bleiben mussten. (z.B. kein "Textures", "Uroboric Forms" oder "Nunc Stans")

Aber das ist halt der Lauf der Zeit, dafür gab es mit den Songs der aktuellen EP "Carbon-Based Anatomy" und dem Stück "Wheels Within Weels" ja auch viel neueres gutes Zeug zu hören. Und der letztes Mal in Hamburg vermisste Überkracher "How Could I?" war diesmal wieder dabei. Was will man also mehr?
Genau, mehr geht eigentlich nicht. Da muss sich Weihnachten aber anstrengen, um einigermaßen mitzuhalten. ;)

Ich bin selig. Om.

Setlist (ohne Gewähr, da aus dem Gedächtnis):
  • Hieroglyph /  Amidst The Coals
  • Carbon-Based Anatomy
  • Evolutionary Sleeper
  • How Could I?
  • Adam's Murmur
  • Celestial Voyage
  • Elves Beam Out
  • King Of Those Who Know
  • Veil Of Maya
  • Wheels Within Wheels
  • Integral Birth (erste Strophe in der Re-Traced-Version)
  • Box Up My Bones
  • The Space For This