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2009-11-30

verdammt...

Beim Durchlesen meiner Transatlantic-Kritik merke ich, dass sie viel zu unbegeistert klingt. ;)

Vielleicht sollte man bei solchen Scheiben einfach nur JAAAAAAAAAAHHH! schreiben, haha.

TRANSATLANTIC - The Whirlwind

- CD review -

Wo waren wir gerade? Genau, bei Songschreibern, die im Grunde seit Jahrzehnten eine musikalische Formel perfektionieren, bei Jesus und bei Alben mit nur einem Song. Da passt es doch, gleich noch ein Review zu einem Album, auf das ich viele Jahre sehnsüchtig gewartet habe, hinterherzuschieben:

365 days | 322 | finally

TRANSATLANTIC - The Whirlwind (2009)

Nach acht langen Jahren hat der Herrgott seinem oftmals penetranten, aber dennoch nach wie vor sympathischen Prediger Neal Morse also endlich erlaubt, zusammen mit Mike Portnoy, Roine Stolt und Pete Trevavas den Progsupergroupzeppelin Transatlantic wieder abheben zu lassen. Die erste Frage, die sich da für alle stellt, die wie ich das Glück hatten, sie 2001 auf ihrer einzigen Europatour erleben zu dürfen ist natürlich: Spielen sie wieder in Hamburg? Bittebittebitte!
Leider noch unbeantwortet...

Also kommen wir erstmal zum neuen (insgesamt dritten) Album. Kann es mit den vorigen Meisterwerken mithalten?
Das können wohl erst die nächsten Jahre zeigen, denn schließlich haben "SMPTe" und "Bridge Across Forever" viele Jahre und Hördurchläufe Vorsprung.

Ganz zweifellos ist "The Whirlwind" grandios und alle Kritik bewegt sich auf hohem Niveau.
So lässt sich z.B. bemängeln, dass der angebliche 70-minütige Song eine Mogelpackung ist. Tatsächlich wurde er in 12 Tracks aufgeteilt und die die Brüche zwischen den Parts sind trotz wiederkehrender Themen z.T. so stark, dass ich nicht das Gefühl habe, einem Stück wie z.B. dem halbstündigen "All Of The Above" vom Debüt zu lauschen. Eher fühle ich mich da an das grandiose letzte Spock's Beard-Album mit Neal Morse "Snow" erinnert. Diese Kritik ist allerdings rein akademisch und macht das Album natürlich keinen Deut schlechter.

Wie bei allen Projekten, an denen er beteiligt ist, wurde "The Whirlwind" natürlich maßgeblich von Neal Morse geprägt. Tatsächlich war es in einer kürzeren Version ja sogar als neues Soloalbum geplant gewesen...
So gibt es einige ganz unverkennbare Morse-Trademarks wie die gleich am Anfang mit dem Hauptthema beginnende Overtüre, der Aufbau des Finales (Instrumentalwurstelhöhepunkt, dann kurzes Durchatmen, Höhenflughymne und am Ende das Reprise des Openers...) und natürlich der Punkt, welcher den Fans diesmal wohl die größten Sorgen bereitete, nämlich die Lyrics. Im Grunde erzählt der Mann seit Snow ja immer die eine gleiche Geschichte und dies gerade auf seinen Soloalben teils mit einer für atheistische Mitteleuropäer sehr befremdlichen inbrünstigen Direktheit, die zurecht nicht jedermanns Sache ist. So sehr ich z.B. die "Testimony"-Live-DVD musikalisch schätze - textlich ist sie stellenweise kaum zu ertragen.

Zum Glück orientiert sich "The Whirlwind" lyrisch eher an den vorigen Transatlantic-Alben. Es fallen zwar viele Metaphern und es ist klar, worum es geht, aber es tut eben nicht weh. ;)

Zurück zur Musik: Wie gewohnt fantastischer, die ganz Großen zitierender Retro-Prog mit tollen Melodien und Gesängen. Alles ist vollgepackt mit Musik, unzählige Spuren türmen sich übereinander, und trotzdem bleibt die Produktion immer glasklar und jedes Instrument ist stets herauszuhören. Angesichts der auf der Bonus-DVD dokumentierten schnellen und teils unkonventionellen Entstehung des Albums (einige Backgroundgesänge wurden z.B. vor einem Dream Theater-Konzert in einem nicht schallisolierten Raum aufgenommen, wären nebenan der Line-Check stattfand) ist das schon beachtlich.

Stilistisch wird genau dort angeknüpft, wo man vor acht Jahren aufhörte. Neu dazu gibt's vor allem einige jazzige Ansätze.
Was für mich persönlich aber Transatlantic bei aller Morse/Portnoy-Dominanz vor allem ausmacht, das ist das präzise kraftvolle Spiel des Marillion-Bassisten Trevavas. Für mich einer der größten Charaktertieftöner überhaupt.

Den Part, wo ich auch nochmal die Gitarre, das Drumming, die Orgeln usw. lobe, spare ich mir jetzt einfach mal. Meine persönlichen Lieblingsteile / Anspieltipps sind bisher "The Wind Blew Them All Away" und "Is It Really Happening?".

Damit hat es sich natürlich noch nicht, denn die Special Edition besitzt natürlich noch eine Bonusdisc. Jene besteht aus vier weiteren Eigenkompositionen und vier (bzw. eigentlich fünf) Coversongs. Fünf, da "I Need You" ein Minimedley aus den gleichnamigen Songs von America und den Beatles ist.
Ehrlich gesagt finde ich diese Disc insgesamt nicht so stark wie das eigentliche Album. Hauptsächlich beeindruckt mich, wo zum Teufel (oder Gott) die Kerle innerhalb von ein paar Tagen überhaupt die Zeit hernehmen, neben einem Riesenkonzeptwerk auch noch nebenbei über 56 Minuten Bonusmaterial aufzunehmen.
Die eigenen Songs sind zwar ok, aber alle eine Nuance zu weichgespült. "The Return Of The Giant Hogweed" ist ein Genesis-Cover der Sorte "Wir spielen, weil wir's können." Das ist natürlich beeindruckend und alles andere als schlecht, aber man würde wohl notfalls auch ohne auskommen.

Die Highlights der Bonusdisc sind für mich das ruhige sehr überzeugend von Mike Portnoy gesungene Procol Harum-Stück "A Salty Dog" und Santanas "Soul Sacrifice". Für Santana-Cover würden mir zwar schon naheliegendere und passendere Gruppen als Transatlantic einfallen, aber dass hier eines der seltenen Studio-Drumsoli von Portnoy zu hören ist, macht dann schon viel Freude.

Fazit: Gute, aber nicht überragende Bonusdisc mit ein paar Längen, dafür ein geniales Hauptwerk, das bei jedem Hören wächst. Die Legende lebt! :)

JESU - Infinity

- real time review -


JESU - Infinity (2009)

Nachdem ich Why Are We Not Perfect? ja nicht so 100%ig perfekt fand, war ich sehr gespannt, was Justin K. Broadrick dem geneigten Hörer mit dem - zumindest für mich aktuell neuesten - JESU-Werk "Infinity" auftischen würde.

Schon das Layout der CD ist wieder einmal äußerst minimalistisch geraten. Und weil der Chef erneut alles selbst gemacht hat und "Infinity" mit "Infinity" auch nur einen einzigen 50minütigen Songbrocken enthält, konnten alle relevanten Informationen kompakt gebündelt und evtl. störende Typographie auch auf ein Minimum reduziert werden.

Ganz so reduziert ist die Musik nicht. Zumindest in der ersten Hälfte des Stückes passiert für Jesu-Verhältnisse ziemlich viel - es gibt zahlreiche Rhythmus- und Themenwechsel, die typische nihilstische Melancholie, aber auch einiges an Aggression. Zum Teil tönen knarzender Bass und (programmierte) Doublebass sogar schon etwas todesmetallisch.
Insgesamt fühle ich mich am ehesten an die "Heart Ache"-EP erinnert, mit einigen groben Old-school-Godflesh-Anleihen.

Zur Halbzeit wird's dann aber abgründig und "Infinity" findet sein extrem langsames Hauptthema, welches sich - nun mit organischem Schlagzeug - in Variationen durch die komplette zweite Hälfte wummert, schleppt und scheppert.
Broadrick singt dazu das Mantra: "I cried when you cried. I'll die when you die. You don't deserve it. You won't deny it." Und was auch immer er damit meint - daran, dass er es ernst meint, gibt es keinen Zweifel.

Auf "Infinity" muss man sich einlassen, sonst kann ein Song, der allein gute zehn Minuten braucht um auszuklingen, natürlich nicht funktionieren. Aber wenn man es tut, dann lohnt es sich!
Trotz der schon im Titel angedeuteten teilweise repetiven Konstruktion des Stückes, wird mir in keiner der knapp 50 Minuten langweilig. Zäher und dabei gleichzeitig intensiver kann Musik kaum sein - ein Meisterwerk, das Fans direkt neben dem selbstbetitelten Debütalbum einsortieren sollten! 100%ige Empfehlung!

Auf der guten alten Fanseite Crumbling Flesh war man übrigens so nett, den Text abzuhören - clevererweise sogar mit Zeitangaben.

Huch, ich wollte ja eigentlich keine "real time reviews" mehr machen, aber nun ist dies versehentlich doch eines geworden. Naja, was soll's... halb so schlimm. ;)

2009-11-10

2009-11-04

Anderseits... (Die gute Nachricht des Tages)

Endlich hat mal jemand die letzte verbliebene NPD-Wahlpropaganda, für die ich mich schon seit Wochen jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit geschämt habe, wenn ich aus dem Dorf herausfuhr, abgenommen.

Ok, ich hab mir ja auch ein paar Mal vorgenommen, mir eine Schere ins Auto zu packen und dann doch nicht dran gedacht. Ging wohl anderen Leuten ebenso.

Ich sag ja immer:
Eine Sache haben die Nazis aus der Geschichte gelernt:
Hoch aufgehängte Plakate halten länger.

Und nicht vergessen, regelmäßig im Hitler-Blog zu lesen! :)

Ernüchterung

Gerade vorgestern hatte ich mich an dieser Stelle noch gefreut, weil die Konzertorganisationspest dieses Jahres endlich überwunden und am 14. November für Das Rote Universum ein Auftritt in Marne an der Hand zu sein schien.

Leider war das Konzert aber doch zu kurzfristig organisiert und musste gecancelt werden. Nachgeholt wird nächstes Jahr.

Wie ich im gelöschten Eintrag von Montag schon schrieb: Wer Weltraummusik macht, braucht mitunter eine galaktische Geduld.

2009-11-02

Das Ende der Echtzeit

Wie im vorigen Post zu sehen, habe ich das Konzept des "real time reviews" beerdigt.
Hat letztendlich nur dazu geführt, dass so einige Scheiben, zu denen ich eigentlich mal ein paar Worte loswerden wollte, sozusagen in der Blog-Warteschlange stehen, weil man sich doch relativ selten sicher ist, dass man gerade jetzt ohne äußere Ablenkungen die CD anhören und gleichzeitig rezensieren kann und es deswegen bleiben lässt.

Inhaltlich hatte ich ja schon nach dem ersten Versuch festgestellt, dass der Ansatz, wirklich immer direkt über die im Moment laufende Musik zu schreiben, überhaupt nicht funktioniert und von da an nur noch "normale" Kritiken mit Zeitlimit getippt.
Und so - nur eben ohne Uhr - werde ich das jetzt auch fortführen.

Meine überwiegend unkritische Meinung zu irgendwelchen CDs braucht selbstverständlich auch kein Mensch wirklich. Ist das reine Geltungsbedürfnis. Aber das ist so ein Blog ja ohnehin an sich. ;)

SPINAL TAP - Back From The Dead

- review -



SPINAL TAP - Back From The Dead (2009)

Eine Gruppe modisch und frisurentechnisch in den Achtzigern hängengebliebener Rockopas, deren größte Zeiten (die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts) längst hinter ihnen liegen, bringen 17 Jahre nach ihrem letzten und 25 Jahre nach dem vorletzten Album (welches eigentlich nur ein Best-Of war, das eine wenig schmeichelnde Kinodokumentation über die Band begleitete) mit großem Brimborium ihr lange erwartetes (?) Comebackalbum mit dem selbsterklärenden Titel "Back From The Dead" heraus.
Da das eben erwähnte vorletzte Album kommerziell am erfolgreichsten war, wurde es einfach komplett noch einmal aufgenommen und ein paar Bonustracks ergänzt, von denen einige - u.a. der Titeltrack - auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben.

Veredelt wird das Ganze mit einem passenden, ziemlich lächerlichen Cover. Dafür lässt sich die Hülle aber zu einem riesigen Action-Figur-Diorama umbauen, wozu extra ein wenig hilfreicher Anleitungszettel beigelegt wurde. Besser man schaut sich das Instruktionsvideo auf der Homepage an, wo der Erfinder dieses Ungetüms einem den Aufbau erklärt. Sobald das Diorama einmal gerade steht, sollte man es entweder festleimen, aufhängen oder sonstwie fixieren (ich hab's fotografiert), denn ein zweites Mal lässt sich dieser Zustand höchstwahrscheinlich nicht herstellen! Zur dauerhaften Aufbewahrung der CD und einer Bonus-DVD, auf der die Musiker sich und ihre Songs selbst loben, ist das Ding allerdings auch ungeeignet. Es bleibt also ein aufwendig gestaltetes Stück Altpapier.

Abgehalfteter, überflüssiger und lächerlicher geht es kaum.


Spinal Tap dürfen das natürlich trotzdem.

In diesem Album und den vielen Jahren davor spiegeln sich alle unsäglichen Comebackkrämpfe nicht loslassen könnender und darüber zu Karikaturen ihrer selbst verkommener Rockstars, die regelmäßig die Musikszene erheitern und/oder bestürzen.
Spinal Tap sind natürlich durch und durch Karikaturen. Aber wer bis hierher gelesen hat, weiß das wahrscheinlich eh schon. Ansonsten empfehle ich Google und Wikipedia, denn die komplette Bandhistorie hier auszubreiten, würde den Rahmen hier etwas sprengen.

Aber Persiflage alleine reicht natürlich nicht als Existenzberechtigung, dafür sorgt schon Axl Roses "Chinese Democracy", welche in diesem Sinne als Realsatire natürlich nicht zu schlagen ist.

Hat "Back From The Dead" also in der Welt der Lebenden überhaupt irgendeinen Sinn?
Für mich eindeutig JA. Es ist natürlich kein Must-Have, ohne das man gar nicht auskommt, insbesondere wenn man die Blaupause "This is Spinal Tap" schon besitzt.

Aber die meisten Songs sind ja nunmal doch irgendwie einfach gut und es ist schon nett, sie einmal in modernerem Soundgewand zu hören. Grundlegendes hat sich zumeist nicht geändert, was soll man an "Big Bottom" oder "Stonehenge" auch schon großartig verbessern?
Einzig "(Listen To The) Flower People" und "Sex Farm" wurden deutlich umarrangiert und sind nun passend zu den Lyrics als Reaggea- bzw. Funkversion zu hören, was insbesondere bei einigen jamesbrownesken Passagen viel Spaß macht.

Von den neueren Tracks sind vor allem das für Live Earth geschriebene "Warmer Than Hell" und der Titeltrack erwähnenswert. Vielleicht hätte man ein paar Stücke noch durch Remakes von Songs des meiner Meinung nach fantastischen Albums "Break Like The Wind" ersetzen können? ;)

Fazit: Man muss schon Fan sein und wissen, dass man hier ausgepresst wird, aber dann funktioniert "Back From The Dead" durchaus.


Anschließend hier noch aus gegebenem Anlass aus der staubigsten Ecke meiner CD-Sammlung das Originalcover der Slaughter-Scheibe "Not Dead Yet" (1992):


Sowas.